Wiedereinführung der Meisterpflicht steht kurz bevor

News , 10.10.2019 , Roland Riethmüller Wiedereinführung der Meisterpflicht steht kurz bevor
Foto: Roland Riethmüller

Nach 15 Jahren wird in knapp einem Viertel der zuvor zulassungsbefreiten Gewerke die Meisterpflicht wiedereingeführt. Das Baugewerbe begrüßt diese schon lange geforderte Maßnahme und sieht deutliche Vorteile zur Stärkung der dualen Ausbildung, höheren Gewichtung der Fachkräftesicherung und Umsetzung des fairen Wettbewerbs. Gleichzeitig wird die Wiedereinführung aber auch als klares Signal für mehr Verbraucherschutz gewertet.

Gestern wurde im Bundeskabinett einstimmig der Gesetzentwurf zur Änderung der Handwerksordnung und anderer handwerksrechtlicher Vorschriften verabschiedet. Damit ist der Weg frei für die schon seit längerem geforderten Wiedereinführung der Meisterpflicht in bisher 12 zulassungsfreien Handwerken, darunter auch in den baurelevanten Gewerken Fliesenleger, Estrichleger, Betonstein- und Terrazzohersteller sowie Parkettleger. “Damit setzt die Bundesregierung den richtigen und notwendigen Akzent für mehr Qualität und Qualifizierung im Handwerk”, erklärt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). “Meisterinnen und Meister sorgen für Wissenstransfer, schaffen die Basis für nachhaltiges Unternehmertum und sind Vorbild für Auszubildende.”

Weitere Verschärfung vom Fachkräftemangel eindämmen

Mit der Abschaffung der Meisterpflicht in 53 Gewerken im Rahmen der Novellierung der Handwerksordnung im Jahr 2004 sollte eigentlich die Handwerkskonjunktur belebt werden. Die Anzahl der Handwerksbetriebe konnte dadurch tatsächlich auch gesteigert werden. Doch viele Betriebe sind sogenannte Soloselbständige, die in der Regel nicht ausbilden. Das hat wiederum in den letzten 15 Jahren sicher auch zu einer Verschärfung des Fachkräftemangels beigetragen. Deshalb freut sich auch Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes: “Wir begrüßen diesen Kabinettsbeschluss sehr; damit ist der Weg frei, die Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu korrigieren.” So werde durch den Beschluss vor allem die duale Ausbildung in wichtigen Bauberufen gestärkt. “Denn nur ausgebildete Meister und Meisterinnen sind in der Lage, jungen Menschen ihr Wissen zu vermitteln”, so Pakleppa. “Die guten Perspektiven, die junge Menschen haben, wenn sie sich für einen Beruf in der Bauwirtschaft entscheiden, werden damit noch besser.” Gleichzeitig sichert die Weitergabe von Wissen und Können in der Qualifizierungskette Lehrling, Geselle und (ausbildendem) Handwerksmeister die kulturellen Schätze und traditionellen Techniken im Handwerk. Dies trägt langfristig zur Zukunftssicherung bei, bestätigt auch Rainer Reichhold, Landeshandwerkspräsident vom Baden-Württembergischen Handwerkstag (BWHT).

Meisterpflicht erhöht Fairness im Wettbewerb

Aber auch aus Wettbewerbssicht macht die Wiedereinführung der Meisterpflicht Sinn. “Wenn ich als Einzelkämpfer einen Betrieb führe, in dem ich keine Mitarbeiter zahlen muss, keine Nachwuchskräfte ausbilde, dann kann ich natürlich ganz anders kalkulieren und Niedrigpreise anbieten”, gibt der Baden-Württembergische Landeshandwerkspräsident zu Bedenken. “Das geht zu Lasten der Betriebe, die Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen haben und so auch etwas zur Gesellschaft beitragen.” Die Wiedereinführung der Meisterpflicht werde daher den Wettbewerb auch fairer machen.

Mehr Verbraucherschutz durch höhere Qualität

Doch das “Ja zum Meister” ist auch ein deutliches Signal für mehr Verbraucherschutz. So verfügen meistergeführte Betriebe neben der fachlichen Qualifizierung auch über ein vertieftes betriebswirtschaftliches, kaufmännisches, juristische sowie berufs- und arbeitspädagogisches Wissen. Fehlt diese Qualifikation, ist der langfristige Erfolg fraglich. Bei einer Insolvenz erlischt sogar die Gewährleistung auf die erbrachten Leistungen. Der Kunde bleibt auf den Mängeln und den Kosten sitzen. “Dieses Risiko ist mit einem Meisterbetrieb viel geringer”, so Reichhold. “Denn Meisterbetriebe stehen für Qualität und sind nachweisbar länger am Markt.“ Folglich sind Verbraucherinnen und Verbraucher durch die Wiedereinführung der Meisterpflicht künftig vor unqualifizierten Anbietern besser geschützt.

Der neue Gesetzentwurf muss nun möglichst zügig im Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden, damit das neue Gesetz trotz aller Bedenken rechtzeitig zum 1. Januar 2020 in Kraft treten kann. “Richtig ist, dass das Kriterium der Gefahrengeneigtheit im Mittelpunkt steht – das ist das auch europa- und verfassungsrechtlich tragende Argument”, erklärt Andreas Ehlert, Präsident der Dachorganisation des nordrhein-westfälischen Handwerks, Handwerk.NRW. “Dem Handwerk ist an Qualitätssicherung, nicht an Marktabschottung gelegen.” So haben sich in den letzten 15 Jahren viele Handwerksberufe stark verändert. “Von daher ist es auch richtig, dass der Gesetzgeber darüber nachgedacht hat und nun vorantreibt, den Verbraucherschutz und das Qualifikationserfordernis neu zu gewichten und zu stärken”, so Ehlert. Gleichzeitig seien die Handwerksorganisationen gefordert, Meisterfortbildungslehrgänge zu entwickeln und eine umfassende Prüfungsinfrastruktur zu bieten, sowie über die Finanzierung der Meistervorbereitung nachzudenken.