Wird Amazon den Baustoff-Fachhandel ablösen?

News , 13.03.2018 , Roland Riethmüller Bild zu: Wird Amazon den Baustoff-Fachhandel ablösen?
Foto: Roland Riethmüller

Während die Bestellung beim Online-Versandhandel für die meisten Verbraucher schon zur Selbstverständlichkeit geworden ist, bezweifeln viele Fachhandwerker den Einsatz im professionellen Bereich. Doch interessanterweise sind in Europa nicht alle Fachleute gleichermaßen skeptisch. In einigen Ländern kann man sich durchaus vorstellen, Montage- und Installationsmaterial für das SHK-Handwerk auch bei dem kalifornischen Online-Plattformanbieter Amazon zu bestellen.

Der weltweite Online-Versandhandel gewinnt im privaten Bereich immer mehr an Bedeutung. Doch wie sieht es im Baugewerbe aus? Werden künftig auch Profis bei Amazon bestellen? Dieser Frage ist das europäische Marktforschungsinstitut USP Marketing Consultancy nachgegangen und hat dazu 200 Handwerker in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien und Polen telefonisch zu ihrem Einkaufsverhalten befragt. Dabei wurde neben der Zukunft des Fachhandels insbesondere auch die Rolle des spezialisierten Online-Fachversandhandels untersucht.

Große Skepsis unter den SHK-Installateuren

Das Ergebnis ist eindeutig. Während das Potential für Online-Angebote von traditionellen Anbietern im dreistufigen Vertrieb durchaus vorhanden ist, glaubt die Mehrheit der SHK-Handwerker nicht an den Erfolg von breit aufgestellten Versandhändlern wie Amazon. Selbst bei ähnlichen Konditionen wie im traditionellen Fachhandel würden über 70 Prozent der SHK-Handwerker nicht bei Amazon kaufen. Vor allem in Deutschland, Frankreich und den Benelux-Staaten besteht die geringste Akzeptanz. Während in Polen mit 34 Prozent die wenigsten Skeptiker zu finden sind, besteht in Belgien mit 79 Prozent die geringste Zuversicht. Als häufigster Grund wurden mangelndes Beratungs-KnowHow und fehlende Ansprechpartner beispielsweise bei Reklamationen angegeben.

Britische SHK-Handwerker würde auch bei Amazon bestellen

Doch es gibt auch Handwerker, die durchaus den Online-Kauf bei Amazon in Erwägung ziehen würden. Vor allem in Großbritannien würden SHK-Installateure auch beim Online-Versandhändler bestellen. Ganze 43 Prozent sind aufgrund des Preisvorteils und der guten persönlichen Erfahrungen dazu bereit, während in Deutschland nur 14 Prozent und in Belgien nur 13 Prozent diese Bezugsquelle für Heizungs- und Sanitärinstallationsmaterial in Betracht ziehen würden.

Fachhandel muss sich auf die Kernkompetenz besinnen

Studienleiterin Ralitsa Ruseva ist daher überzeugt, dass auch in den kommenden Jahren traditionelle Vertriebswege die europäischen SHK-Märkte beherrschen werden. Allerdings wird anhand des britischen Beispiels klar, dass der Online-Versandhandel durchaus Chancen hätte. So seien die Konditionen, die Lagerhaltung, der Service und der Preis die entscheidenden Kriterien für den Wettbewerb mit dem stationären Fachhandel. “Der traditionelle SHK-Handel wiederum sollte unbedingt das aktuelle Marktgewicht weiter ausbauen - etwa, indem  sie durch Cross-Selling-Strategien mit den Online-Anbietern auf ihrem eigenen Feld verstärkt in den Wettbewerb treten”, rät Ruseva und verweist auf die kompetente Beratung  und gut vernetzte Lieferungsinfrastrukturen als ureigene Stärke vom Fachhandel. “Nur, wenn der Fachhandel es schafft bei der Kundenbindung und Kundenzufriedenheit der SHK-Profis weiter so gut zu performen, wird er die digitale Wende erfolgreich überstehen.”

 

Hinweis in eigener Sache

Nicht vergessen: Am 17. und 18. März findet in Berlin das zweite Handwerkscamp statt. Dieses Barcamp richtet sich gezielt an Fachleute aus dem Bauhandwerk. Die Teilnehmer unterschiedlicher Gewerke tauschen sich dabei über die Zukunft der Bauwirtschaft, über Digitalisierung, 3D-Betondruck, Drohnen und vieles mehr aus. Für Bauausführende ist die Teilnahme kostenlos! Anmeldung und nähere Infos unter http://handwerkscamp.de