Wohnungsbau boomt, Straßenbau lahmt

News | Frank Kessler | 14.04.2015
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Foto: Roland Riethmüller

Während der wachsende Boom im Wohnungsbau der Metropolregion Berlin und Brandenburg zu deutlichen Umsatzanstiegen im Hochbau führt, leidet der Straßenbau unter deutlichen Rückgängen. Auch in der Prognose bis zur Jahresmitte ändert sich nichts an diesem konjunkturellen Stimmungsbild. Trotzdem ist insgesamt die Situation recht positiv und wird im wesentlichen nur durch die Sorge um den Fachkräftemangel getrübt.

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg zeichnet ein gemeinhin positives Bild. Rund 84 Prozent der Bauunternehmen in Berlin und Brandenburg schätzen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend ein. 36,6 Prozent rechnen mit einem Umsatzanstieg bis Mitte 2015.

Besonders der Wohnungsbau trägt maßgeblich zu der guten Stimmung bei. So haben die Betriebe im Vergleich zum Vorjahr allein im Januar in Berlin 32,2 Prozent und in Brandenburg 34,4 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftet. Insgesamt rechnen 36,6 Prozent aller Baubetriebe mit einem Umsatzanstieg bis zur zweiten Jahreshälfte. In der Sparte Hochbau sind es in Berlin sogar 48 Prozent, was einem Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 21,3 Prozentpunkten entspricht. In Brandenburg erwarten nur 31,3 Prozent der Betriebe einen Umsatzanstieg. Ähnlich sieht die Situation beim Ausbaugewerbe aus. In Berlin rechnen 42,9 Prozent (Vorjahr 13,3 Prozent) und in Brandenburg 50,0 Prozent (Vorjahr 14,3 Prozent) mit einer steigenden Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr 2015.

Mit dem Straßenbau verhält es sich jedoch anders. Vor allem in Berlin hat sich der Auftragsbestand seit Anfang des Jahres dramatisch verändert. Sahen im vergangenen Jahr noch 10,5 Prozent der Baubetriebe eine Verbesserung vom Auftragsbestand im Vergleich zum Vorjahr, so ist dieser Wert in diesem Jahr auf null gesunken. Die Zahl der Betriebe mit einem verschlechterten Auftragsbestand seit Jahresanfang sank im Vergleich zum Vorjahr leicht von 57,9 auf 53,3 Prozent. Auch die Aussichten sind im Straßenbau nicht positiv. Nur 6,7 Prozent sehen in Berlin einen Anstieg und 46,7 Prozent sogar einen weiteren Rückgang. In Brandenburg ist der Wert mit 45,0 Prozent Optimisten sogar noch um 27,5 Prozentpunkte gestiegen und die Anzahl der Pessimisten mit 10,0 Prozent fast auf Vorjahreswert.

Michael Schrobsdorff, Präsident der Fachgemeinschaft Bau, freut sich über die positive Entwicklung im Wohnungsbau, warnt jedoch vor der Entwicklung im Straßenbau. „In Berlin müssen Straßenbaufirmen teilweise trotz voller Auftragsbücher Konkurs anmelden, da Millionen Euro an ausgelösten Bauaufträgen wegen fehlender Genehmigungen nicht abgearbeitet werden können.“ Gleichzeitig fordert die Fachgemeinschaft Bau eine Erhöhung der Mittel für den Infrastrukturerhalt und eine Anpassung des Sondervermögens Infrastruktur der Wachsenden Stadt (SIWA) in Berlin.

Belastet wird die im wesentlich gute Stimmung vor allem durch den Fachkräftemangel, der bereits für 90 Prozent der befragten Unternehmen kurz bevorsteht. Außerdem sehen 90 Prozent der Betriebe ein Imageproblem, da die Branche nicht mehr attraktiv genug ist. Das führt schon heute dazu, dass rund 80 Prozent der Bauunternehmen keine geeigneten Azubis finden. „Um unseren Fachkräftebedarf heute und in Zukunft zu decken, wollen und brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte aus dem In- und Ausland“, urteilt FG-Bau-Präsident Schrobsdorff und wirbt daher verstärkt um Menschen mit Migrationshintergrund.

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