Wohnungsbau schwächelt – ambitionierte Ziele in Gefahr

News , 20.09.2018 , Frank Kessler Bild zu: Wohnungsbau schwächelt – ambitionierte Ziele in Gefahr
Foto: Roland Riethmüller

Nach den Boomjahren im Wohnungsbau, schwächt sich die Entwicklung immer mehr ab. Schon jetzt zeichnet sich ein schwaches Baujahr mit noch nicht einmal 300.000 neue Wohnungen ab. Damit tritt der Wohnungsbau noch immer auf der gleichen Stelle und wird ohne einen Kurswechsel die selbst gesteckten Ziele der Großen Koalition nicht erreichen. Schließlich ist im Koalitionsvertrag der Bau von anderthalb Millionen neuen Wohnungen bis zum Jahr 2021 vereinbart.

Man hat sich im Koalitionsvertrag der Großen Koalition ambitioniert Ziele gesetzt. So sollen bis zum Jahr 2021 anderthalb Millionen neue Wohnungen gebaut werden. Doch diese Ziel ist laut der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) in Gefahr. Denn dafür müssten jährlich mindestens 375.000 neue Wohnungen gebaut werden. Doch die GroKo wird dieses Ziel im laufenden Jahr wohl nicht erreichen. Vielmehr muss mit einem Defizit von 75.000 Wohnungen gerechnet werden. Die Messlatte für das Jahr 2018 liegt jedoch bei 400.000 neuen Wohnungen. IG-Bau-Chef Robert Feiger warnt deshalb davor, den Wohnungsbau weiterhin auf politischer Sparflamme zu kochen. Das setzt aber voraus, dass die Regierung mehr Geld bereitstellen müsse, um endlich neue und verlässliche Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft zu schaffen. Es müssen Produktionskapazitäten geschaffen und dringend neue Fachkräfte ausgebildet werden. Feiger betonte weiter, dass auch eine Anpassung der AfA von zwei auf drei Prozent auf zwei Jahre notwendig wäre.

Mehr Geld für den Sozialbau

Am morgigen Freitag findet im Kanzleramt der Wohngipfel statt. Hier wird eine deutliche Erhöhung der Gelder für den Bau von Sozialwohnungen gefordert. Bund und Länder sind aufgefordert, sechs Milliarden Euro zu investieren, damit pro Jahr 80.000 neue Sozialwohnungen gebaut werden können. Mit einer Fördersumme von bisher 1,5 Milliarden Euro im Jahr sei der Schwund von Sozialwohnungen nicht mehr aufzuhalten. Denn aktuell fehlen 4,5 Millionen Sozialwohnungen. Der Mangel an Sozialwohnungen ist eine Großbaustelle der Großen Koalition. Die Situation berge einen großen Sprengstoff, denn wer zu viel Geld für einen Wohnungsberechtigungsschein verdient, aber zu wenig für eine Wohnung in der Nähe des Arbeitsplatzes, der ist der große Verlierern. Bezahlbarer Wohnraum müsse deshalb gesondert gefördert werden. 50.000 Euro je Wohnung müssten nach Berechnungen des Pestel-Instituts veranschlagt werden. Feiger spricht sich außerdem dafür aus, die Anschaffung von Wohnraum für niedrige und mittlere Einkommen staatlich zu fördern. Nur so können die Menschen vor einem drastischen Abstieg des Lebensstandards im Alter bewahrt werden. Öffentliches Bauland darf in Zukunft nicht mehr zu Höchstpreisen verkauft werden, denn das treibt die Mieten nach oben. Er begrüßte zwar die Verschärfung des Mietrechts, doch davon alleine erholt sich der Wohnungsbau nicht.