Die Baustoffproduktion in Deutschland steckt in der schwersten Krise seit Jahrzehnten. In den letzten fünf Jahren ist die Produktion um 25 Prozent eingebrochen. Durch den schwächelnden Wohnungsbau sind besonders die Hersteller von Mauerwerk und Beton betroffen. Denn trotz hoher Nachfrage bremsen Baukosten, unsichere Förderprogramme und politische Unsicherheiten die Branche aus. Die Baustoffindustrie warnt vor weiterem Kapazitätsabbau und fordert ein staatliches Sofortprogramm. Ohne schnelle Maßnahmen droht ein anhaltender Stillstand mit dramatischen Folgen für die gesamte Bauwirtschaft.
Die deutsche Baustoffproduktion befindet sich weiter in einer tiefen Krise. Seit dem Jahr 2021 ist die Produktion um insgesamt 25 Prozent eingebrochen, allein im Jahr 2024 betrug der Rückgang 6,5 Prozent. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen die Schwere der Lage. Besonders betroffen sind demnach Hersteller, die stark vom Wohnungsbau abhängig sind. So zeigt sich der Einbruch bei Dach- und Mauerziegeln mit einem Minus von 12 Prozent im Jahr 2024. Das entspricht einem Rückgang von über 45 Prozent seit dem Jahr 2021. Auch Kalksandstein und Porenbeton verzeichnen einen Rückgang von bis zu 50 Prozent. Ähnlich alarmierend sind die Zahlen in anderen Segmenten: Transportbeton liegt im Jahr 2024 um 12 Prozent niedriger als im Vorjahr, bei keramischen Fliesen beträgt der Rückgang sieben Prozent. Lediglich drei der zwölf vom Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (bbs) erfassten Teilbranchen blieben unter einem Rückgang von 20 Prozent.
Hoher Baustoffbedarf trifft auf stagnierende Umsätze
Trotz der anhaltend großen Nachfrage nach bezahlbarem Wohnungsbau, energieeffizienten Gebäuden und sanierten Infrastrukturprojekten bleiben Investitionen aus. Hauptgrund sind laut bbs die politischen Rahmenbedingungen: steigende Baukosten, unsichere Förderprogramme und eine restriktive Baugesetzgebung hemmen den Hochbau. Hinzu kommt die vorläufige Haushaltsführung des Bundes, die dringend benötigte Infrastrukturmaßnahmen verzögert und den Tiefbau ausbremst. Die Branche fordert daher verlässlichere Rahmenbedingungen. Förderprogramme für den Bau- und Wohnungssektor sollten mit konstanten Fördersätzen laufen, um Planungssicherheit zu schaffen. Ein zeitlich begrenzter Abschreibungs-Sonderbonus von drei Prozent könnte dem Wohnungsbau neue Impulse geben. Ebenso sind langfristige Investitionen in die sanierungsbedürftige Infrastruktur nötig, um Aufträge zu sichern und Kapazitäten zu erhalten.
Energiekosten und Bürokratie als zusätzliche Belastung
Neben der schwachen Baukonjunktur kämpft die Baustoffindustrie mit steigenden Energiekosten und einer zunehmenden bürokratischen Last. Diese Faktoren belasten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zusätzlich. Der bbs fordert daher gezielte Entlastungsmaßnahmen, um die Energiepreise zu senken und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.
Leichter Aufschwung reicht nicht für Erholung
Zwar konnte im vierten Quartal 2024 erstmals seit zweieinhalb Jahren ein leichter Produktionszuwachs von vier Prozent verzeichnet werden, doch für eine nachhaltige Erholung reicht dies nicht aus. Die weitere Entwicklung im Baugewerbe bleibt unsicher. Ohne rasche Maßnahmen der neuen Bundesregierung droht ein anhaltender Stillstand, der langfristig die gesamte Bauwirtschaft schwächen könnte. Der bbs warnt davor, die Krise zu unterschätzen – jetzt ist politisches Handeln gefragt, um eine weitere Erosion der Produktionskapazitäten zu verhindern.


















Die in diesem interessanten Artikel aufgestellten Forderungen zielen viel zu stark darauf ab, was der Staat alles investieren muss.
Die Bauwirtschaft – und auch der Wohnungsbau – kann aber nicht durch Staatsgelder „gerettet“ werden. Wie jeder Wirtschaftszweig muss auch er sich der Nachfrage anpassen und auf eigenes Risiko ohne Fördergelder leben. Daher sind die nicht-Fördergeld-bezogenen Forderungen in diesem Artikel (Bürokratieabbau, Genehmigungsbeschleunigung, Energiekosten, Lohnnebenkosten) wesentlich wichtiger, als es der Autor mit seiner ständigen Forderung nach dem Füllhorn des Staates suggeriert.