Wohnungsbau vor Absturz? Bauwirtschaft fordert echten Bau-Turbo

Foto: Roland Riethmüller

Alarmierende Zahlen sorgen in der Bauwirtschaft für neue Unsicherheit. Die Fertigstellungszahlen im Wohnungsbau sind auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gefallen, obwohl zuletzt wieder mehr Baugenehmigungen erteilt wurden. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe wächst damit die Sorge vor fehlenden Aufträgen und brachliegenden Projekten. Verbände fordern deshalb schnelle politische Maßnahmen, um den Wohnungsbau zu beschleunigen und Investitionen wieder anzukurbeln.

Trotz erster Anzeichen zur Entspannung verschärft sich die Wohnungsbaukrise in Deutschland offenbar weiter. Mit nur noch 206.600 fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2025 ist der Wohnungsneubau auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gefallen. Für Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und die gesamte Wertschöpfungskette der Bauwirtschaft wächst damit die Sorge vor fehlenden Aufträgen, brachliegenden Projekten und dem Verlust von Kapazitäten. Gleichzeitig warnen Verbände vor einem weiteren Rückgang und fordern schnelle politische Maßnahmen für mehr bezahlbaren Wohnraum und eine echte Beschleunigung des Bauens. Denn die jüngst vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen sorgen in nahezu allen Bereichen der Immobilien- und Bauwirtschaft für Alarmstimmung. Der Rückgang um weitere 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr trifft eine Branche, die sich ohnehin bereits in einer längeren Schwächephase befindet. Denn obwohl wieder mehr Baugenehmigungen erteilt werden, bleibt die Lage besonders kritisch, denn viele Projekte kommen dennoch nicht zur Umsetzung. Genehmigte Vorhaben scheitern häufig an Finanzierungskosten, regulatorischen Anforderungen oder fehlender Wirtschaftlichkeit. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) stehen aktuell mehr als 760.000 genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen im Bauüberhang.

Wohnungsbau entfernt sich weiter vom Bedarf

Die Bau- und Wohnungsverbände sehen Deutschland inzwischen weit von den tatsächlichen Anforderungen entfernt. Benötigt würden nach Brancheneinschätzungen jährlich rund 400.000 Wohnungen. Doch stattdessen wächst die Lücke weiter. Das Verbändebündnis Wohnungsbau spricht von einer tiefen strukturellen Krise und warnt vor einem weiteren Rückgang. Die Prognosen für das laufende Jahr 2026 bleiben entsprechend düster. Teilweise wird sogar ein Absturz auf weniger als 200.000 neu gebaute Wohnungen befürchtet. „Die heutigen Fertigstellungszahlen sind bitter, aber nicht überraschend“, erklärt ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Gleichzeitig verweist er auf den enormen Bauüberhang und bestehende Kapazitäten in der Branche. Die Voraussetzungen für eine Belebung wären vorhanden, sofern die Rahmenbedingungen stimmen.

Forderungen der Bauwirtschaft nach weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit

Branchenübergreifend ähneln sich die Forderungen. Im Mittelpunkt stehen einfachere Bauvorschriften, eine verlässliche Förderpolitik, steuerliche Entlastungen und schnellere Genehmigungen. Zudem soll der geplante Gebäudetyp E rascher umgesetzt werden, um kostengünstigeres Bauen zu ermöglichen. Aus Sicht der Holzindustrie spielen auch föderale Unterschiede bei Bauvorschriften eine entscheidende Rolle. „Es ist Zeit, die Hemmnisse für das Bauen einzureißen!“, fordert Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer vom Hauptverband der Holzindustrie (HDH).

Auch der Immobilienverband Deutschland (IVD) drängt auf einen grundlegenden Kurswechsel. „Deutschland braucht keinen Planungsturbo allein“, warnt IVD-Präsident Dirk Wohltorf. „Deutschland braucht einen echten Wohnungsbau-Turbo.“ So reicht die Diskussion inzwischen weit über die Bauwirtschaft hinaus. Fehlender Wohnraum gilt zunehmend als wirtschaftlicher Standortfaktor, als Wachstumsbremse und als Risiko für den Arbeitsmarkt. Entsprechend wächst der Druck auf die Politik. Die Branche signalisiert Bereitschaft, jetzt muss der politische Rahmen folgen.

Wird die Wohnungsbaukrise politisch wirklich gelöst?

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Bei der im Feld angezeigten Umfrage ist keine der Lösungen wirklich anzukreuzen. Das liegt an der allgemeinen Verunsicherung – Putin, Trump und andere Diktatoren – und, ja, auch an der Bürokratie, aber anders als gedacht: die Behörden werden seit Jahren im Personalstand zurückgefahren, bei gleichzeitig steigenden Anforderungen. So liegt der Bauantrag 3 Monate auf Halde, bis auffällt, dass irgendwas fehlt. Es liegt an Poltikern, die alle möglichen Beschleunigungsrezepte auskochen – und damit Gemeinderäte und Genehmigungsbehörden immer mehr überfordern. Mit einem Bauturbo (BauGB § 246e), der beste Chancen hat, beim VGH zu scheitern wie vordem § 13b. Der Gebäudetyp E ist es auch nicht – denn bei dem, was bis jetzt so an Einsparungsmöglichkeiten kolportiert wird, schreckt jeder Kreditgeber zurück, weil er bei der Baupleite sonst ein für den tatsächlichen Gebrauch minderwertiges Gebäude zur Zwangsversteigerung hat. Und, was auch im Artikel deutlich wird: man stellt Forderungen und wartet auf neue Erleichterungen, statt mal antizyklisch loszulegen. Als Stadtplaner sehe ich am Anfang der Pipeline (Vorüberlegung – Bauplanung – Bauantrag usw.), dass am Ende der Pipeline bei einem „Weiter so“ von Bauwirtschaft und Bauherren/ Investoren am Ende noch weniger rauskommt als jetzt schon. Wo bleibt der vielbeschworene Mut zum Risiko?

Der Kommentar trifft es auf den Punkt !

Schaut man sich die Baukonstruktion der Gebäude aus den Jahren 1925-1985 an da erkennt man wie aufgeblät das Bauen heute geworden ist.
Alleine die Fundamentbalken in den Fundamenten kosten überproportional bei einem normalen Wohnhaus. Warum sind di8e Anforderungen an die Erdbebenzohnen so hoch ?
In Stuttgart sind in den letzten Jahrzehnten keine Häuser wegen einem Erdbeben eingestürzt aber dennoch wollte man die Erdbebenzone 2 einführen.
Solange wir solche Koryphäen in den Ministerien haben wird es kein preiswerteres Bauen geben.
Eine Sozialministerin zur Bauministerin sagt schon alles.
Dies nur als ein Beispiel und davon gibt es genügend.
Keiner will ans Eingemachte sonder immer nur aufsatteln.

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