Wohnungskrise verschärft? Bau-Turbo sorgt für heftige Debatte

Foto: halfpoint / envatoelements

Der geplante „Bau-Turbo“ zur Beschleunigung von Bauverfahren sorgt für heftige Diskussionen. Statt die Wohnungskrise zu entschärfen, sehen Experten die zunehmende Gefahr steigender Kosten, zusätzlicher Flächenversiegelung und sinkender Bauqualität. Ein Bündnis aus Architekten-, Umwelt- und Sozialverbänden fordert deshalb Nachbesserungen am novellierten Baugesetzbuch und setzt auf einen „Umbau-Turbo“ mit Fokus auf Sanierung, Nachhaltigkeit und bezahlbaren Wohnraum. Die Anhörung im Bundestag könnte zur entscheidenden Weichenstellung für die Bauwirtschaft werden.

Mit der bevorstehenden Anhörung zur Novelle des Baugesetzbuchs (BauGB) gerät die geplante Beschleunigung von Bauverfahren zunehmend in die Kritik. Unter dem Schlagwort „Bau-Turbo“ will die Bundesregierung vor allem schneller und mehr Wohnraum schaffen. Doch ein breites Bündnis aus Umwelt-, Sozial- und Architektenverbänden warnt vor den Folgen dieser Strategie. Die geplanten Gesetzesänderungen unter §246e BauGB könnten bestehende Probleme auf dem Wohnungsmarkt nicht nur verfestigen, sondern sogar verschärfen. Statt einer nachhaltigen Stadtentwicklung drohe ein Rückschritt bei Qualität, Beteiligung und Klimaschutz. So plädieren die Initiatoren des gemeinsamen Forderungspapiers – darunter die Deutsche Umwelthilfe (DUH), Architects for Future, die Bundesarchitektenkammer (BAK) und der Paritätische Wohlfahrtsverband – für eine grundlegende Überarbeitung der Novelle. Der aktuelle Entwurf setze auf Tempo statt Substanz, so der Vorwurf. Eine einseitige Fokussierung auf Neubau ignoriere bestehende Potenziale im Gebäudebestand und riskiere unnötige Flächenversiegelung, Ressourcenverbrauch und soziale Verwerfungen.

„Umbau-Turbo“ statt Flächenfraß und Schnellbau

„Mit dem ‚Bau-Turbo‘ droht die Bundesregierung, der Klima- und Ressourcenschutzpolitik einen Bärendienst zu erweisen“, warnt DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Sie verweist auf die grauen Emissionen des Neubaus und fordert stattdessen klare Vorgaben für Sanierung, Hitzeschutz und Entsiegelung. Die Forderung nach einem „Umbau-Turbo“ statt flächendeckendem Neubau wird auch von Architects for Future unterstützt. Elisabeth Broermann betont: „Wir können es uns nicht mehr leisten, so weiterzubauen, als gäbe es kein Morgen.“

Architekturverbände sehen Reformbedarf am „Bau-Turbo“

Auch die Bundesarchitektenkammer erkennt Handlungsbedarf. Präsidentin Andrea Gebhard verweist auf alternative Ansätze wie das Gebäudetyp-E-Konzept, kritisiert jedoch die aktuelle Ausformulierung des Gesetzes: „Schneller Wohnungsbau darf nicht heißen, dass wir soziale, ökologische und baukulturelle Standards über Bord werfen.“

Sozialverbände fordern strukturelle Lösungen im novellierten Baugesetzbuch 

Für Joachim Rock vom Paritätischen Gesamtverband ist klar: „Der geplante ‚Bau-Turbo‘ beschleunigt zwar Verfahren, löst aber nicht das Problem, dass es an dauerhaft bezahlbarem und gemeinnützigem Wohnraum fehlt.“ Ohne klare Vorgaben für Mieterschutz und Sozialwohnungen bleibe die Reform ein zahnloser Papiertiger. Daher fordert das Bündnis eine zweite, umfassende Novelle des Baugesetzbuchs noch in dieser Legislaturperiode. Nur mit einem verbindlichen Rahmen für soziale Gerechtigkeit, ökologische Verantwortung und Beteiligung lasse sich die Wohnungskrise nachhaltig bewältigen.

Brauchen wir einen „Bau-Turbo“, so wie geplant?

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