Wohnungsnot spitzt sich zu: Baugenehmigungen auf Tiefstand

Die Situation in der Bauwirtschaft verschärft sich zusehends: Durch die Baukrise sinken die Baugenehmigungen seit 27 Monaten ohne Unterbrechung. Aktuell haben wir bereits das Niveau aus dem Jahr 2012 erreicht. Hohe Zinsen, steigende Baukosten und strenge Auflagen bremsen den Wohnungsbau aus – eine Trendwende ist nicht in Sicht. Experten warnen vor einem Anstieg der Wohnungsnot, der die politische Agenda der nächsten Bundestagswahl prägen könnte. 

Die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu den Baugenehmigungen verheißen nichts Gutes. Bereits seit über zwei Jahren sind die Zahlen rückläufig. „Nach nunmehr 27 Monaten eines ununterbrochenen Rückgangs – davon die letzten 22 Monate mit zweistelligen Abnahmen – haben wir mittlerweile wieder das Genehmigungsniveau vom Februar 2012 erreicht“, erklärt Tim Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie(HDB). „Schlimmer noch: Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Die Wohnungsnot wird den kommenden Bundestagswahlkampf überschatten.“ Damit wurde das Niveau um rund 17.000 Wohnungen gegenüber dem Vorjahresmonat erneut deutlich unterschritten. In den ersten sieben Monaten des Jahres ergibt sich daraus ein Rückgang von 32.500 Wohnungen. Das macht ein minus von 21 Prozent aus. Das Niveau von März 2022 wurde demnach sogar um 50 Prozent unterschritten.

Die Baukrise äußert sich durch Rückgänge in allen Gebäudekategorien

Der Rückgang der Baugenehmigungen und die damit verbundene Baukrise durchzieht sich durch alle Gebäudetypen. Betroffen sind Ein- und Zweifamilienhäuser, Wohnheime, Mehrfamilienhäuser oder Umbauten im Bestand. Die Wünsche nach Wohneigentum der Familien können so nicht realisiert werden, ebenso die Versorgung von Familien in Ballungsgebieten mit Wohnraum. Wegen der hohen Zinsen und den steigenden Baukosten kommt der Wohnungsbau quasi zum Erliegen. Innerhalb von 27 Monaten ist das Genehmigungsplus verspielt worden. Die Politik hat zwar auf Bundesebene reagiert, aber das Programm „klimafreundlicher Neubau“ bremst nur den Absturz. „Wir sind an einem Punkt, an dem die neuen Baugenehmigungen von einem Versprechen zur Bedrohung geworden sind“, kommentiert Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). „Ohne Baugenehmigungen kein Wohnungsbau, und ohne Wohnungsbau wird das Minus am Markt immer größer. Besserung ist nicht in Sicht. Dabei braucht Deutschland Hunderttausende Wohnungen.“ 

Dem Wohnungsbau fehlen finanzielle Anreize zur Investition

Zwar gibt es viele Investoren und Bauwillige, aber die hohen Bauzinsen und die hohen Kosten durch strenge energetischen Anforderungen lassen Interessenten zurückschrecken. Um diese Baukrise zu beenden, muss sich die Bundesregierung eingestehen, dass jetzt mehr als nur der politische Willen gefragt ist. Die Landesbauordnungen könnten dafür sorgen, dass in Deutschland schneller und günstiger gebaut werden kann, um die Baukrise zu beenden und für mehr Baugenehmigungen zu sorgen. Im Juli gab es einen Lichtblick in Niedersachsen, als die Bauordnung novelliert wurde. Die Baubranche hofft nun, dass sich auch andere Bundesländer ein Beispiel daran nehmen, um die Baukrise zu beenden. Denn nur wenn Bund und Länder gemeinsame Maßnahmen ergreifen, kann die Baukrise beendet werden.

Haben wir die Talsohle im Wohnungsbau erreicht?

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