Der Wohnungsbau in Deutschland steckt trotz leicht gestiegener Baugenehmigungen weiter in der Krise. Während Einfamilienhäuser zulegen, stagniert der Mietwohnungsbau auf historisch niedrigem Niveau. Hohe Baukosten, Zinsen und fehlendes Bauland bremsen dringend benötigte Projekte aus. Branchenverbände warnen vor einer verschärften Wohnungsknappheit, steigenden Mieten und wachsendem sozialen Sprengstoff. Ohne schnelle Reformen und neue Förderprogramme droht der Wohnungsmarkt endgültig zum Risikofaktor für Wirtschaft und Bauindustrie zu werden.
Trotz eines leichten Plus bei den bundesweiten Baugenehmigungen bleibt der Wohnungsbau auch im ersten Halbjahr 2025 in der Krise. Zwar meldet das Statistische Bundesamt für die Monate Januar bis Juni rund 110.000 genehmigte Wohnungen und damit einen Zuwachs von knapp drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch die Entwicklung offenbart gravierende strukturelle Probleme: Während Einfamilienhäuser leicht zulegen, stagniert der dringend benötigte Mietwohnungsbau nahezu vollständig. Bauverbände und Wohnungswirtschaft warnen unisono, dass ohne entschlossenes politisches Handeln die Wohnungsknappheit weiter zunimmt und die Mieten unaufhaltsam steigen. So machen die Branchenvertreter vor allem hohe Zinsen, steigende Baukosten und fehlendes Bauland für die Misere verantwortlich. „Nach den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres müssen wir eine gedämpfte Bilanz für den Wohnungsbau ziehen“, erklärt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB). „Denn der enorme Wohnungsmangel in Ballungsgebieten und ihrem Umland hält trotz hohem Bedarf weiter an. Die Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache.“ Während Einfamilienhäuser um 14,1 Prozent auf rund 21.300 Genehmigungen zulegen konnten, brach der Zweifamilienhausbau um 8,3 Prozent ein.
Stillstand bei Mietwohnungen verschärft Wohnungsnot
Entscheidend ist jedoch der Blick auf den Mehrfamilienhausbau: Hier verharrt die Zahl der Baugenehmigungen bei gut 57.300 Wohnungen – nach einem Rückgang von über 40 Prozent in den Vorjahren. Dieser Stillstand ist vor allem deshalb besonders alarmierend, da zwei Drittel des Neubaus auf dieses Segment entfallen. „Das bedeutet: Für die Menschen, die auf bezahlbare Mietwohnungen angewiesen sind, gibt es keinerlei Entlastung. Damit verschärft sich die Lage auf den Wohnungsmärkten weiter“, warnte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. „Der Mangel an Mehrfamilienhäusern gefährdet nicht nur den sozialen Frieden, sondern auch den wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes.“ Gedaschko fordert deshalb eine umfassende Reformagenda. Nötig seien schnellere Verfahren durch digitale Bearbeitung in den Bauämtern, ein klares Abwägungsgebot zugunsten des Wohnungsbaus sowie eine spürbare Senkung von Baukosten. Zudem müssten Kommunen ausreichend Flächen bereitstellen. Nur so lasse sich die Investitionsbereitschaft wiederbeleben und die Zukunftsfähigkeit des Wohnungsmarkts sichern.
Baugewerbe drängt auf neue Förderprogramme für Wohnungsbau
Auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) zeigt sich ernüchtert. „Es gibt derzeit keinen Impuls, der den Wohnungsbau aus der Krise holen könnte“, kritisiert ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. „Besonders deutlich wird das mit Blick auf den Mehrfamilienhausbau, dem Segment des Mietwohnungsbaus. Hier stagniert das Niveau bei gut 57.300 Wohnungen.“ Während Milliarden in die Infrastruktur fließen, bleibe der Wohnungsbau „das Stiefkind der Investitionspolitik“. Pakleppa plädiert daher für ein neues EH-55-Plus-Programm, das energieeffizientes Bauen mit regenerativen Heizsystemen wie Wärmepumpen oder Fernwärme verbindet. Ein solches Programm müsse offen für neue Projekte sein und dürfe nicht nur bereits genehmigte Vorhaben fördern. Mit Blick auf den anstehenden Bundeshaushalt forderte er schnelle Entscheidungen: „Jedes Zögern verschärft den Wohnungsmangel und treibt Mieten weiter nach oben. Das bringt Menschen an ihre Belastungsgrenze – und birgt erheblichen gesellschaftlichen Sprengstoff.“
Baugenehmigungen: Politischer Wille allein reicht nicht aus
Die Bauindustrie verweist zudem auf strukturelle Engpässe. Seit dem Jahr 2011 hat sich die Menge an verkauften Baugrundstücken in den A-Städten von 5,85 Millionen Quadratmetern auf nur noch 1,63 Millionen im Jahr 2024 verringert. „Eines der größten Hemmnisse für die Ausweitung des Wohnungsbaus ist – vor allem in den Ballungsgebieten – das nicht ausreichend zur Verfügung stehende und zu teure Bauland“, so Müller. Die Branche erwartet daher von der Bundesregierung einen umfassenden Maßnahmenplan, der Bürokratieabbau, steuerliche Entlastungen und eine verlässliche Förderkulisse umfasst. Denn klar ist: Ohne entschlossene Weichenstellungen droht der Wohnungsbau auf Jahre hinaus im Stillstand zu verharren – mit gravierenden Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft.


















Bei den gigantischen Migrationswellen in den letzten 10 Jahren ist es überhaupt nicht möglich schnell genug zu bauen um die Immo-preise zu stabilisieren.