Zementfreier Beton: Bis zu 75 Prozent weniger CO2 am Bau

Foto: next.beton / MC-Bauchemie

Der erste zugelassene zementfreie Beton mit offizieller Umweltproduktdeklaration (EPD) sorgt für Aufmerksamkeit in der Bauwirtschaft. Das Material soll die CO2-Emissionen gegenüber herkömmlichem Beton um bis zu 75 Prozent senken und erfüllt zugleich hohe technische Anforderungen für den Hoch- und Tiefbau. Für Bauunternehmen könnten sich damit neue Möglichkeiten ergeben, Nachhaltigkeitsvorgaben bei Ausschreibungen zu erfüllen und gleichzeitig langlebige Bauwerke zu realisieren. 

Die Bauwirtschaft steht unter wachsendem Druck, Emissionen zu senken und gleichzeitig langlebige Bauwerke zu errichten. Nachhaltige Baustoffe gewinnen daher für Bauunternehmen und Fertigteilhersteller zunehmend an Bedeutung. Besonders Beton gerät immer stärker in den Fokus, da die Zementherstellung zu den größten CO2-Verursachern der Branche zählt. Vor diesem Hintergrund rücken alternative Bindemittel und neue Betonrezepturen zunehmend in den Mittelpunkt von Forschung und Praxis. Erstmals hat nun ein zementfreier Beton in Deutschland eine offizielle Umweltproduktdeklaration (Environmental Product Declaration – EPD) erhalten. Die Entwicklung könnte für die Bauwirtschaft interessant werden, da sie hohe technische Leistungsfähigkeit mit einer deutlichen CO2-Reduktion verbindet. Gleichzeitig erfüllt das Material bereits anspruchsvolle Anforderungen für den Einsatz im Hoch- und Tiefbau.

Nachhaltigkeit und Zulassung kombiniert

Nach Angaben des Bauchemieherstellers MC-Bauchemie hat der sogenannte Earth Friendly Concrete (EFC) als erster zugelassener zementfreier Beton in Deutschland eine offizielle Umweltproduktdeklaration erhalten. Damit verfügt der Baustoff nicht nur über eine anerkannte Bewertung seiner Umweltwirkungen, sondern erfüllt zugleich die technischen Anforderungen für den praktischen Einsatz auf Baustellen. Besonders bemerkenswert ist die Kombination aus Zulassung und Nachhaltigkeitsbewertung. Der Beton wurde bereits vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) zugelassen und erreicht in der Festigkeitsklasse C50/60 gleichzeitig die höchste Nachhaltigkeitsstufe des Concrete Sustainability Council (CSC). Für diese Einstufung müssen die CO2-Emissionen im Vergleich zu einem Referenzbeton um mindestens 60 Prozent reduziert werden.

Zementfreier Beton mit bis zu 75 Prozent weniger CO2

Der wesentliche Unterschied zu herkömmlichem Beton liegt im Bindemittel. EFC kommt vollständig ohne Zement aus. Stattdessen werden alternative Rohstoffe eingesetzt, die mithilfe spezieller Aktivatoren reagieren und die Funktion des klassischen Zements übernehmen. Nach Unternehmensangaben lassen sich dadurch die CO2-Emissionen gegenüber konventionellen Betonen um bis zu 75 Prozent senken. Gleichzeitig soll die chemische Widerstandsfähigkeit steigen. Dies kann sich positiv auf die Lebensdauer von Bauwerken auswirken und langfristig den Instandhaltungsaufwand reduzieren.

Breites Einsatzspektrum für Bauunternehmen

Für die praktische Anwendung ist entscheidend, dass der Baustoff nicht nur im Labor überzeugt. Nach Angaben des Herstellers eignet sich der Beton für nahezu alle üblichen Betonanwendungen. Dazu zählen sowohl erdfeuchte als auch fließfähige Fertigteile sowie die Verwendung als Transportbeton. Auch anspruchsvolle Einsatzbereiche mit hohen chemischen Belastungen, etwa in der Expositionsklasse XA3, sollen möglich sein.

Gerade für Bauunternehmen, die sich auf Infrastrukturprojekte, Wasserbauwerke oder langlebige Fertigteillösungen konzentrieren, könnten sich dadurch neue Möglichkeiten ergeben. Hinzu kommt, dass Umweltproduktdeklarationen bei Ausschreibungen und Nachhaltigkeitsbewertungen von Gebäuden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Mit der ersten deutschen EPD für einen zugelassenen zementfreien Beton erhält die Diskussion um klimafreundliche Baustoffe damit neuen Rückenwind. Ob sich solche Lösungen künftig breiter am Markt durchsetzen, dürfte vor allem von Wirtschaftlichkeit, Verfügbarkeit und den Anforderungen öffentlicher sowie privater Auftraggeber abhängen.

Würde Ihr Unternehmen zementfreien Beton einsetzen?

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