Zu teuer, fehlende Bandbreite - Smart Home fehlt Akzeptanz

News | Frank Kessler | 23.08.2021
Zu teuer, fehlende Bandbreite - Smart Home fehlt Akzeptanz
Foto: ArGe Medien im ZVEH

Zwar ist Smart Home in immer mehr Haushalten zu finden. Trotzdem wundert es, dass sich diese Technologie bisher nicht in der Breite durchsetzen konnte. Eine aktuelle Studie hat die Stärken und Schwächen analysiert. So beginnen die Probleme bei den “Nicht-Nerds” bereits bei der Installation und der Bedienbarkeit. Außerdem halten die Anschaffungskosten viele ebenfalls von einem Kauf ab.

Laut der aktuellen Jahresanalyse des Marktforschungsinstituts BauInfoConsult verbreitet sich Smart Home immer mehr. In Deutschland nutzen aktuell rund 5,1 Millionen Menschen diese innovative Technik zum Steuern von Heizungen, Stromzähler oder Beleuchtung. Allerdings fragt man sich, warum diese Technologie immer noch ein Nischendasein fristet. Laut der Studie gibt es bei diesem System immer noch sehr viele Hemmnisse, die abschreckend wirken. Das Düsseldorfer Unternehmen hat dazu 240 SHK-Installateure und Architekten befragt, was verbessert werden könnte. Die Antworten waren überraschend.

Die Installation von Smart Home schreckt viele Verbraucher ab

Ein großes Problem ist die Installation von Smart Home für “Nicht-Nerds”. 19 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen der Installationsaufwand zu hoch sei. Viele Anwendungen müssen vom Endnutzer selbst ausgeführt werden. Deshalb gaben 24 Prozent der Befragten an, dass sie sich eine einfachere Bedienung wünschen. Ein weiterer Punkt, der für viele Befragten als abschreckend empfunden wird, ist der Preis. Im Schnitt betragen die Kosten für die Komponenten rund 7.800 Euro. Bedenkt man, welche Kosten für einen Neubau auf die Bauherren zukommen, ist verständlich, dass sich viele dagegen entscheiden. Immerhin sind es 20 Prozent, die sich einen günstigeren Preis wünschen.

Lahme Internetverbindung und die Datensicherheit bremsen die Akzeptanz

Ein weiterer Punkt, der gegen eine Anschaffung von Smart Home spricht, ist eine zu langsame oder instabile Internetverbindung. Außerdem sind es auch technische Hintergründe, wie zum Beispiel mangelnde Konnektivität zu anderen Geräten, die gegen eine Anschaffung sprechen. Immerhin sind 19 Prozent dieser Meinung. Eine schnellere Internetleitung wünschen sich neun Prozent. Jetzt sind die Akteure dieser Branche gefragt. Diese müssen herstellerübergreifend nach Lösungen in Bezug auf die Datensicherheit und für eine verbesserte Internetinfrastruktur sorgen. Ohne Beseitigung der Kritikpunkte wird es schwer, diese neue Technik an den Mann zu bringen, zumal nicht jeder Hausbesitzer ein Computernerd und technikaffin ist.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Stefan Nolte am 24.08.2021 )

Der Kunde möchte über einen Schalter einfach nur das Licht AN/AUS schalten, er möchte nicht erst durch ein Menü klicken und die Leuchte programmieren.

Man nennt das auch Fortschritt ist Rückschritt.

Entscheidend sind auch die Kosten bzw. die Folgekosten.

 

  (Geschrieben von Raumagentur ArteFakt am 24.08.2021 )

Oft wird nur die mögliche Flexibilität von Zuordnungen hervorgehoben. Ein Punkt, der im privaten Wohnen völlig irrelevant ist, wo doch bei einer guten Lichtplanung der Schalter in seiner Position für eine intuitive Bedienung dem passenden Licht zugeordnet wurde.  

Das Potential für die Anwendungsbereiche von SmartHome bleib einfach zu oft hinter den technischen Möglichkeiten unausgesprochen. Ebenso wie das Thema Sicherheit zu oft einseitig betrachtet wird. Dabei ist es sehr einfach und nachvollziehbar, wenn man zB. darstellt, daß bei Rauchalarm (Rauchmelder) die Jalousien automatisch hochfahren können, während die Hauptwege gleichzeitig beleuchtet werden. 

Es ist auch bei immer offenerem Wohnen interessant Schaltgruppen zu programmieren, die mit konventioneller Verdrahtung eher schwierig oder gar nicht umzusetzen wären. Am Abend mit einem Generalschalter alle Jalousien der Ebene herunterzufahren, die dennoch einzeln je Raumbereich bedient werden können, ein Zentralschalter, der am ende des Tages das gesamte Licht hinter mir löscht, das ich im laufe des Abends nach und nach eingeschaltet habe - das sind smarte Anwendungen. 

SmartHome muss auch nicht immer die Gesamtlösung sein, bei der ich vorher wissen muss, was ich jemals nachrangig damit anstellen will. Die meisten Anforderungen werden sich eh nie ändern. SmartHome soll auch nicht der Master sein, nach dem wir uns zu richten haben, es soll vielmehr unser Leben einfacher machen. Ein kleiner Schalter mit 6 verschiedenen Schaltmöglichkeiten im SmartHome-Paket des Generalunternehmers ist da wenig überzeugend. 

Wenn man aber bedenkt, daß selbst ein Bewegungsmelder ja eine smarte (=intelligente) Lösung ist, da nur bei entsprechender Dunkelheit und nur bei bedarf eine Schaltung erfolgt, dann hat man den richtigen Ansatz, um zu verstehen, was uns SmartHome sein kann. SmartHome ist auch die Heizungssteuerung, die Außen- und Innentemperatur berücksichtigt und die sich im Urlaub angepasst verhält. SmartHome ist eine Abwesenheitsschaltung zwischen Licht und Jalousien, die eine wirkliche Anwesenheit vortäuscht. SmartHome überlässt weiterhin mir die Entscheidung, wann die Rollläden sich öffnen und verhindert, daß ich im Garten sitzend durch eine einfache Zeitautomatik aus dem Haus ausgesperrt werde. SmartHome erkennt, daß ich noch im Garen sitze und verzögert entsprechend den Start des Bewässerungssystems. SmartHome vernetzt Rauchmelder und steuert im Notfall für mich die Jalousien und Leuchtern, und schaltet sogar die Stromerzeugende Solaranlage ab, damit ein Löscheinsatz im Brandfall auch durchgeführt werden kann. 

SmartHome sollte idealerweise mein intuitives Verhalten unterstützen und darüber hinaus in Notsituationen meine fehlende Rationalität kompensieren. Wenn dann noch etwas "Spielkram" on Top kommt und ich auf der Rückreise über das Tablet noch eben die Heizung etwas höher stellen kann, ist alles ausreichend beschrieben. 

Entscheidend (für den Preis und die Überforderung)ist auch die Frage, ob ich von Anfang an wirklich alle Eventualitäten berücksichtigen kann und will, oder ob ich das System nach und nach auf- und ausbaue. Das erste ist nahezu unmöglich und dazu als Gesamtpaket hochpreisig. Das zweite ist durchaus schnell zu begreifen und nach Anforderung jederzeit preisattraktiv Auf- und Ausbaubar. Das kann sogar mit einer einfachen Steckdose beginnen, die via SmartHome vom Angestammten Schalter aus bedienbar wird, ohne daß neue Kabel zu ziehen sind.  

Für beide Wege gibt es die passenden Systeme. Ebenso ist auch die Frage, wie offen ein System ggü. diversen Herstellern sein soll. Kann ich mit einer KI wie Alexa über ein Schaltersystem von Gira auch den Tormotor von Hörmann oder die Jalousie von Somfy steuern? Die Antwort ist ganz klar ein JA. Sogar recht einfach, wenn ich nur das passende System dafür verwende. 

Was vor gar nicht so langer Zeit noch ein technischer Spielkram war und in die Nerd-Ecke gestellt wurde, ist mittlerweile ausgereift anwendungsfähig. Was fehlt sind die geschulten Übersetzer zwischen den technischen Details und den Anwendern. Die Übersetzer, die die Lebensweisen der Endkunden ebenso kennen und verstehen wie die Funkitionsweisen verschiedener Systeme. Ob Funk- oder Kabelgebunden sollte in Fachkreisen nicht länger ein Dogma sein, sondern eine Option, die es Anwenderorientiert zu vermitteln gilt. 

Ebenso sollten Generalunternehmen auch nicht nur das "Paket SmartHome" anbieten, ohne deren Inhalte zu erläutern. Durch solche "Angebote" wird der Eindruck, daß SmartHome ja Luxus für Schnickschnack sei erst geschürt. weil für sehr viel Geld umständliche Schalter eingebaut werden, und wichtige Vernetzungen dennoch ausgeklammert werden. 

Ein weitsichtiger Möbelhändler weiss doch auch das passende Sofa vorzustellen, ohne darüber zu sprechen, daß es auch größere oder kleinere Sofas gibt und daß "Leder ja sowieso besser sei als der gewünschte Stoffbezug" bzw. daß auf einem anderen Unterbau viel mehr Menschen sitzen können, bevor es sich verformt. Er wird im besten Fall sich mit dem Raum und den Anwohnern vertraut machen, und dann die passenden Modelle präsentieren, die feinen Unterschiede erläutern und gezielte Fragen stellen, um sicherzustellen, daß sein Kunde sich nicht nur FÜR etwas, sondern auch bewusst GEGEN alles andere entschieden hat. Nur so ist er sicher, daß die Kaufentscheidung niemals durch "wäre nicht doch das andere besser..."-Gedanken angezweifelt wird. 

Wir stellen diese Frage, um automatisierten Spam zu verhindern.

Das könnte Sie auch interessieren.