Die jüngsten Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe haben letzte Woche ein abruptes Ende gefunden und sind vertagt worden. Zwar haben die Bauarbeitgeber noch kein konkretes Angebot vorgelegt, doch liegen offenbar die Positionen der beiden Tarifparteien zu weit auseinander. Angesichts stark gestiegener Lebenshaltungskosten und der letzten Tarifeinigung vor drei Jahren stehen die Zeichen auf Sturm. Denn die Forderungen nach signifikanten Lohnerhöhungen treffen auf eine angespannte wirtschaftliche Lage. Gleichzeitig wird der Ruf nach einer schnellen Einigung lauter.
Der Auftakt der diesjährigen Tarifverhandlung im Bauhauptgewerbe fand Ende letzter Woche in Wiesbaden ein schnelles Ende. Die Positionen der Tarifparteien liegen weit auseinander. „In welcher Welt leben die Bauarbeitgeber?“, reagiert nahezu schockiert Carsten Burckhardt, Mitglied des Bundesvorstands der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) und Verhandlungsführer auf das ernüchternde Ergebnis der ersten Tarifverhandlungsrunde. „Sie bestreiten doch allen Ernstes, dass die Beschäftigten einen massiven Reallohnverlust hinnehmen mussten.“ Die Arbeitgeber hätten offensichtlich nicht mitbekommen, wie hoch die Inflationsrate sei. Die Mieten seien sehr stark angestiegen, die Lebensmittel seien teurer geworden und die Kosten für Energie ebenfalls. Im Herbst 2021 gab es den letzten Tarifabschluss im Bauhauptgewerbe, seit dem haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Arbeitnehmer stark verändert.
Bisher noch kein Angebot der Bauarbeitgeber
Die IG Bau wirft den Arbeitgebern vor, bisher noch kein Angebot vorgelegt zu haben. Die Arbeitnehmervertreter selbst fordern monatlich 500 Euro mehr für alle Beschäftigten, auch für die Auszubildenden. Insgesamt zwölf Monate soll die neue Laufzeit betragen. Laut Burckhardt müsste es einen ordentlichen Schub auf die Einkommen geben, um die Arbeitskräfte zu halten und neue Fachkräfte zu gewinnen. Es seien riesige Aufgaben zu bewältigen, einschließlich des Ausbaus der Infrastruktur, des Wohnungsbaus und anderer Aufgaben. Das würden noch nicht einmal die Arbeitgeber bestreiten, bestätigt Burckhardt. Umso dringlicher sei es, bei der Tarifverhandlung im Bauhauptgewerbe eine Einigung für die rund 920.000 Fachkräfte im Bauhauptgewerbe zu erzielen.
Vertagung der ersten Runden der Tarifverhandlung für das Bauhauptgewerbe
Schwerpunkt der ersten Tarifverhandlung war die wirtschaftliche Situation aus Sicht beider Tarifparteien. „Mit Blick auf die schwächelnde Baukonjunktur und insbesondere den anhaltenden Nachfrageeinbruch im Wohnungsbau ist es wichtig, dass ein Abschluss gefunden wird, der für alle Unternehmen tragbar ist“, bestätigt Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Betriebe sei der Spielraum begrenzt, bestätigt auch Jutta Beeke, Vizepräsidentin des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB). Positiv sei jedoch, dass alle Parteien zur schnellen Schaffung von Planungssicherheit an einer Einigung interessiert seien. Die nächste Tarifverhandlung für das Bauhauptgewerbe ist daher für den 5. März 2024 anberaumt.

















