Zwischen Lob und Kritik - neues Gebäudeenergiegesetz in Kraft

News | Frank Kessler | 06.11.2020
Zwischen Lob und Kritik - neues Gebäudeenergiegesetz in Kraft
Foto: Roland Riethmüller

Seit dem ersten November ist das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Kraft. Es definiert Regeln für die Energieeffizienz sowie die Wärme- und Kälteversorgung von Neubauten und sanierten Bestandsgebäuden. Darüber hinaus organisiert es eine neue Fördermittelvergabe für energieeffizientes Bauen. Neben Lob erntet das Gesetz auch Kritik. So wird befürchtet, dass auf Basis der GEG-Regeln neu erbaute Häuser schon bald an Wert verlieren könnten.

Das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) ersetzt das bisherige Energieeinsparungsgesetz (EnEG), das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) sowie die Energieeinsparverordnung (EnEV). Im Vergleich zu den vorherigen Regeln beinhaltet es zunächst keine verschärften Standards. Das bedeutet, dass sich Bauherren vorerst weiter an den Mindeststandard der EnEV 2016 orientieren können. Die energetischen Anforderungen sollen aber bereits im Jahr 2023 neu geprüft werden. Das GEG definiert zum Beispiel Regeln zur Nutzung Erneuerbarer Energien, zur Gebäudetechnik und zum maximal zulässigen Wärmeverlust über die Gebäudehülle.

Neue Bundesförderung für Energieeffiziente Gebäude

Darüber hinaus verlangt das Gesetz beispielsweise eine obligatorische Energieberatung für Käufer beim Immobilienkauf beziehungsweise für Eigentümer bei größeren Sanierungsarbeiten in Ein- und Zweifamilienhäusern. Bei den Fördergeldern für die Nutzung von Wärme aus erneuerbaren Energien sowie die Energieeffizienz von Gebäuden ändert sich ebenfalls etwas. Die bisher auf die Fördergeber KfW und BAFA verteilten Förderungen werden in der Bundesförderung für Energieeffiziente Gebäude (BEG) zusammengeführt. Nötig wurde das GEG aufgrund von Vorgaben der Europäischen Union. Die bereits seit dem Jahr 2010 existierende EU-Gebäuderichtlinie verpflichtet die EU-Länder für alle Neubauten zum sogenannten "Nahezu-Null-Energie-Neubaustandard".

Das neue Gebäudeenergiegesetz - ein Regelwerk mit Licht und Schatten

Als ein Regelwerk mit Licht und Schatten hat der Verein Deutsches-Energieberater-Netzwerk (DEN) das GEG bezeichnet. Das Netzwerk vermerkte zwar positiv, dass "endlich seit 5 Jahren überholte Normen nicht mehr Bilanzierungsgrundlage im Ordnungsrecht sind". Allerdings habe die Politik trotz eines im Grunde sehr soliden Vorgehens verpasst, "die Dynamik der Klimabewegung aufzunehmen und mutige Entscheidungen zu treffen für einen zukunftsfähigen Gebäudebestand".

Auch der Bauherren-Schutzbund (BSB) sieht Probleme durch die aktuell nicht verschärften Energieeffizienzregeln. Mit dem derzeitigen GEG lassen sich europäische Klimaschutzziele nicht erreichen. Die für das Jahr 2023 angesetzte neue Überprüfung der energetischen Anforderungen könne das durch verschärfte Regeln zwar korrigieren. Allerdings verlieren aktuelle Bauherren durch die mögliche Verschärfung langfristige Planungssicherheit. Bauen sie heute ein Haus nach den GEG-Mindeststandards, könnte eine Regelverschärfung das neue Gebäude bereits im Jahr 2023 energetisch veralten lassen. Das würde auch einen Wertverlust bedeuten.

Die Fachvereinigung Extruderschaumstoff (FPX) bespricht in ihrer Stellungnahme unter anderem die bis Ende 2025 befristete Innovationsklausel. Mit ihr könne man die Einhaltung der Anforderungen bei der Modernisierung von Bestandsgebäuden in einem Quartier auch gemeinsam erfüllen, schreibt sie und zitiert Kritik vom Bundesverband Gebäudehülle. Wird etwa eins von zehn Bestandsimmobilien im Quartier energetisch saniert, "reicht für die restlichen neun Gebäude ein erheblich niedrigerer Standard für die Gebäudehülle", heißt es im Zitat. Laut Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) würde dann über 20 Prozent mehr CO2 emittiert als bei einer Sanierung aller Gebäude nach EnEV.

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