Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen ist Pflicht

Handwerksbetriebe - unabhängig von ihrer Größe - sind seit Anfang 2014 verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen unter Berücksichtigung psychischer Belastungen zu erstellen und umzusetzen. Wie ein Betrieb dabei vorgehen kann, ist sehr unterschiedlich. Der einzig richtige Weg existiert nicht. Allerdings ist für Handwerksbetriebe zu empfehlen, sich an den Vorgaben der Deutsche Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zu orientieren.

Am 20. September 2013 hat der Bundesrat dem „Gesetz zur Neuorganisation der bundesunmittelbaren Unfallkassen“ zugestimmt. Damit war auch eine Änderung des Arbeitsschutzgesetzes verbunden, die klar festschreibt, dass bei der Gefährdungsbeurteilung die psychischen Belastungen berücksichtigt werden müssen.

Die Verantwortlichen im Betrieb sind nun in der Pflicht, psychische Gefährdungen in gleicher Weise zu beurteilen und mit Maßnahmen zu minimieren wie körperliche Gefährdungen.

Psychische Belastungen – Was gehört dazu?

Die Arbeitswelt verändert sich rascher denn je. Die psychischen Anforderungen bei der Arbeit nehmen zu.

Ein Leben ohne Stress gibt es nicht. Eine gesunde Portion Stress ist sogar für unsere Entwicklung notwendig, denn es kurbelt unsere Energie und Leistung an. Demzufolge sind psychische Anforderungen per se nichts Schlechtes. Werden jedoch die Anforderungen zu hoch, so dass sie nicht mehr erfüllt werden können, dann führen sie zu Anspannung, Überforderung, zu negativen Gedanken und Ängsten. Aber auch eine Unterforderung durch ständig wiederholende einfache Tätigkeiten hat kritische Folgen.

Langanhaltende psychische Fehlbeanspruchungen schaden nicht nur der Person sondern dem gesamten Betrieb:

  • Leistungsschwankungen: Zunahme der Fehlerhäufigkeit, Einbußen in Qualität der Arbeitsergebnisse
  • Erhöhte Ausfälle: vermehrte Unfälle, hohe Krankenstand, Arbeitsplatzwechsel mit Folge des Verlustes von Wissen
  • Negative Auswirkungen im sozialen Bereich: Verschlechterung des Betriebsklimas, Unzufriedenheit mit Auswirkungen auf Motivation und Image des Betriebes

Um diesen negativen Auswirkungen entgegenzuwirken, müssen im Betrieb Bedingungen geschaffen werden, dass eine Über- oder Unterforderung durch die Arbeit vermieden wird. Ein erfolgreicher Weg ist die systematische Durchführung der Gefährdungsbeurteilung. Aber wie macht man das? Darüber besteht viel Unsicherheit.

Wie sollte ein Handwerksbetrieb in Zukunft bei der Gefährdungsbeurteilung vorgehen?

Messgeräte wie für Lärm existieren für Stress nicht und diese sind auch in Zukunft nicht zu erwarten. Aber es gibt verschiedene Methoden, um psychische Belastungsfaktoren im Betrieb ausfindig zu machen. Bei der Erhebung von psychischen Belastungsfaktoren geht es nicht darum, einzelne überlastete Beschäftigte aufzuspüren, um ihnen Einzelfallhilfe zukommen zu lassen. Vielmehr sollen die Arbeitsbedingungen dahingehend überprüft werden, ob die Arbeit so gestaltet ist, dass eine psychische Erkrankung vermieden werden kann.

Die Erhebung psychischer Belastungen besteht aus vielen Einzelschritten, wie es beispielsweise die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) empfiehlt. Es ist nicht ratsam, alle Arbeitsplätze auf einmal zu analysieren, sondern Schritt für Schritt vorzugehen:

  1. Analyse der psychischen Belastungsfaktoren in einem Pilotbereich, in dem gehäuft psychische Gefährdungen auftreten, z.B. Tätigkeiten mit engem Kundenkontakt.
  2. Auswahl der passgenauen Methode: Für die Grobanalyse eignen sich Checklisten.
  3. Optional: Durchführung schriftlicher anonymer Befragungen per Fragebogen, z.B. mit dem IMPULS-Test oder mündlich mit Einzelinterviews oder Gruppengesprächen.
  4. Auswertung der Ergebnisse der Befragungen und Rückmeldung an Belegschaft.
  5. Gemeinsam mit den Beschäftigten Maßnahmen erarbeiten und umsetzen: Es sollten Möglichkeiten geschaffen werden, um die Anforderungen zu bewältigen, z. B. hinsichtlich Arbeitsorganisation, Arbeitsmittel, Arbeitsinhalt und Arbeitsumgebung, Führungsverhalten, Verhalten der Mitarbeiter im Umgang mit Stress.
  6. Überprüfung der Wirkung der Maßnahmen.
  7. Übertragung der exemplarischen Gefährdungsanalyse auf weitere Bereiche.

Autorenhinweis

Die Autorin, Frau Anke Linz (Wirtschaftskommunikationswirtin M. A.), ist Beraterin für Unternehmenskommunikation, Informationsmanagement und betriebliches Gesundheitsmanagement bei der uve GmbH für Managementberatung. Die 1988 gegründete uve GmbH ist bundesweit tätig und hat ihren Hauptsitz in Berlin. Die Schwerpunkte des Unternehmens liegen in den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement, Qualitäts-, Umwelt- und Risikomanagement, Organisationsentwicklung und Projektsteuerung sowohl für die Handwerksbranche als auch für die Ver- und Entsorgungsbranche.


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