Lärm und Vibrationen - hohe Belastungen bei Bautätigkeiten

Besonders auf der Baustelle sind die Beschäftigten durch den Einsatz von Maschinen und Werkzeugen einem hohen Maß an Lärm und Vibrationen ausgesetzt. Trotz vieler Anstrengungen zur Lärmminderung und zur Vermeidung von mechanischen Schwingungen sind Lärm und Vibrationen immer noch einer der wesentlichen Belastungsfaktoren auf der Baustelle. Auf Dauer sind sie überaus gesundheitsgefährdend. Aber warum sind Lärm und Vibrationen so gefährlich?

Ständiger Lärm kann bei den Betroffenen u. a. zu Lärmstress, Konzentrationsschwäche bis hin zu einer unheilbaren Lärmschwerhörigkeit führen. Abhängig von Intensität, Dauer und Häufigkeit verursachen Vibrationen, die von Maschinen oder Werkzeugen auf den menschlichen Körper übertragen werden, Erkrankungen der Knochen und Gelenke.

Man unterscheidet zwischen Ganzkörper-Vibrationen, bei denen die Schwingungen über die Füße, den Rücken oder das Gesäß eingeleitet werden, und Hand-Arm-Vibrationen, wobei die Hand die Kontaktstelle ist. Die Ganzkörper-Vibrationen können zu Rückenschmerzen und ernsthaften Schädigungen der Wirbelsäule führen. Bei langfristiger Einwirkung von Hand-Arm-Vibrationen können Knochen- und Gelenkserkrankungen, Durchblutungsstörungen oder neurologische Erkrankungen die Folgen sein.

Besondere Vorsicht ist daher geboten beim Einsatz von z. B. Winkelschleifern, Meißelhämmern, Handkreissägen, Stampfer oder Mähbalken. Aber auch bei der Arbeit auf Fahrzeugen, Baggern, Radladern oder Staplern entstehen Belastungen durch Vibrationen.

Hörschädigungen sowie Rücken- und Gelenksschmerzen sind für die Betroffenen ein hoher Verlust an Lebensqualität. Für den Betrieb können durch Ausfallzeiten und verminderte Arbeitsleistungen Kosten entstehen.

Gesetze und Vorschriften: Was müssen die Unternehmer beachten?

Unternehmen, in denen Maschinen betrieben werden, müssen laut Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) Gefährdungsbeurteilungen durchführen und Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik (§ 3) festlegen. Maßnahmen zur Vermeidung oder Verringerungen der Lärmexposition wurden im Beitrag „Lärm – ein Belastungsfaktor am Arbeitsplatz!“ vorgestellt. An dieser Stelle liegt der Schwerpunkt auf die Maßnahmen zur Vermeidung und Verringerung der Exposition durch Vibrationen, welche die LärmVibrationsArbSchV (§ 10) vorschreibt:

1) Vibrationen müssen am Entstehungsort verhindert oder so weit wie möglich verringert werden. Technische Maßnahmen zur Minderung von Vibrationen haben Vorrang vor organisatorischen Maßnahmen.

2) Zu den Maßnahmen gehören insbesondere:

  • alternative Arbeitsverfahren, welche die Exposition gegenüber Vibrationen verringern
  • Auswahl und Einsatz von Arbeitsmitteln, die möglichst geringe Vibrationen verursachen, z. B. schwingungsgedämpfte handgehaltene oder -geführte Maschinen
  • Bereitstellung von Zusatzausrüstungen, welche die Gefährdung auf Grund von Vibrationen verringern, z. B. Sitze, die Ganzkörper-Vibrationen dämpfen
  • Wartungsprogramme für Arbeitsmittel, Arbeitsplätze und Anlagen sowie Fahrbahnen
  • Gestaltung der Arbeitsstätten und Arbeitsplätze
  • Schulung der Beschäftigten in der sicheren und vibrationsarmen Bedienung von Arbeitsmitteln
  • Begrenzung der Dauer und Intensität der Exposition
  • Arbeitszeitpläne mit ausreichenden Zeiten ohne belastende Exposition

Wie die Vorgaben der Verordnung konkret umgesetzt werden können, erläutern die Technischen Regeln zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (TRLV). Der „Vibrationsteil“ wurde im Juni 2015 überarbeitet. Die Neuerungen betrafen insbesondere den Bereich der Arbeitsmedizinischen Vorsorge und die Durchführung der Vibrationsmessungen. Die TRLV Vibrationen informiert über die Vorgehensweise zur Beurteilung der Gefährdung durch Vibrationen, zur Messung von Vibrationen und zur Festlegung von Schutzmaßnahmen, mit denen sich Vibrationsbelastungen vermeiden und verringern lassen.

Was muss der Betrieb tun?

Sobald ein in der LärmVibrationsArbSchV angegebener Auslösewert für Hand-Arm-Vibrationen und für Ganzkörper-Vibrationen überschritten wird, muss der Unternehmer Schutzmaßnahmen nach der TOP-Reihenfolge zur Verringerung der Exposition ergreifen:

T
Technische Lösungen: z. B. vibrationsarme Maschinen, Werkzeuge und Fahrzeuge

O
Organisatorische Maßnahmen: z. B. vibrationsintensive Arbeiten auf bestimmte Zeiten beschränken, Wartungsintervalle festlegen

P
Persönliche Schutzmaßnahmen: z. B. Unterweisung, arbeitsmedizinische Vorsorge; PSA sind nur für Hand-Arm-Vibrationen in Form von Vibrationsschutzhandschuhen für Schwingungsanteile mit Frequenzen über 150 Hz (9 000 U/min) verfügbar und wirksam. Als alleinige Schutzmaßnahme reichen sie nicht aus.

Autorenhinweis

Die Autorin, Frau Anke Linz (Wirtschaftskommunikationswirtin M. A.), ist Beraterin für Unternehmenskommunikation, Informationsmanagement und betriebliches Gesundheitsmanagement bei der uve GmbH für Managementberatung. Die 1988 gegründete uve GmbH ist bundesweit tätig und hat ihren Hauptsitz in Berlin. Die Schwerpunkte des Unternehmens liegen in den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement, Qualitäts-, Umwelt- und Risikomanagement, Organisationsentwicklung und Projektsteuerung sowohl für die Handwerksbranche als auch für die Ver- und Entsorgungsbranche.


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