Private Handynutzung am Arbeitsplatz

Ein Unfall mit Handy am Ohr. Die Folgen sind nicht nur für den betroffenen Mitarbeiter sondern auch für den Betrieb dramatisch. Daraus zog ein Handwerksbetrieb die Konsequenz und verbot die Benutzung privater Handys während der Arbeitszeit. Darf er das?

Ein Geselle war im Ausland auf Montage, um einen neuen Laden mit der passenden Energietechnik auszustatten. Die Eröffnung des Ladens stand kurz bevor. Auf dem Weg von seiner Unterkunft zur Arbeit erhielt er über sein privates Handy eine SMS. Während er lief, tippte er auf seinem Handy und stolperte dabei über einen Stein. Wenig später saß er bereits im Zug nach Deutschland. Er hatte sich bei dem Sturz den Handwurzelknochen gebrochen und fiel nun für einige Wochen aus. Daraufhin hatte der Firmenchef einigen Ärger: Der Kunde machte Druck. Deshalb musste ein Kollege kurzfristig einspringen, der jedoch für ein anderes Bauprojekt eingeplant war. Zusätzliche Reisekosten für den Ersatzmonteur musste das Unternehmen allein tragen.

Konsequenz aus dem Arbeitsunfall gezogen – privates Handyverbot.

Durch den Arbeitsunfall hat der Firmenchef seine Konsequenzen gezogen und die private Handynutzung im Betrieb und auf der Baustelle verboten. Darf er das? Laut einem Gerichtsurteil kann der Unternehmer oder die Unternehmerin verlangen, dass das private Handy während der Arbeitszeit ausgeschaltet ist. Der Arbeitgeber darf auf Grund seines Weisungsrechts den Handygebrauch im Betrieb einschränken, unter Umständen sogar ganz verbieten. Das Weisungsrecht ist im Arbeitsvertrag festgelegt.

Neben dem Vermeiden von Unfällen während des Gebrauchs eines privaten Handys gibt es noch weitere Gründe, warum ein Verbot der privaten Handynutzung am Arbeitsplatz sinnvoll sein kann:

  • Kundenbeschwerden über übermäßige Privatgespräche auf der Baustelle
  • Unterbrechungen durch private Anrufe oder SMS bei Baubesprechungen
  • Anrufe auf dem privaten Handy können stören, belasten und die emotionale Lage des Angerufenen schlagartig verändern, so dass in Folge Fehler passieren und Kollegen gefährdet werden können.

Klare Regeln für den Umgang mit privaten Handys aufstellen.

Um die Sicherheit der Belegschaft zu gewährleisten sowie einen geordneten Betriebsablauf sicherzustellen kann der Arbeitgeber das private Telefonieren mit dem Handy einschränken und sogar verbieten. Damit das Verbot von den Mitarbeitern akzeptiert wird, ist zu empfehlen,

  • die Tätigkeiten in der Gefährdungsbeurteilung zu benennen, die besondere Aufmerksamkeit erfordern und bei denen Telefonieren verboten ist,
  • die Regelungen in einer Dienstvereinbarung niederschreiben und die Mitarbeiter darüber informieren,
  • Handys nur dort einzusetzen, wo damit Arbeitsprozesse strukturiert oder organisiert werden müssen,
  • bei Bedarf berufliche Geräte zur Verfügung zu stellen,
  • mit den Mitarbeitern abzusprechen, wie sie während der Arbeitszeit in dringenden Fällen private Mitteilungen erhalten können. Beispielsweise können private Anrufe in der Zentrale angenommen und zum passenden Zeitpunkt weitergeleitet werden.

Privates Telefonieren während der Arbeitszeit ist nicht unfallversichert.

Während der Pause kann der Arbeitgeber jedoch dem Beschäftigten die private Nutzung eines Handys nicht untersagen. Wichtig ist zu wissen: Wer sich auf dem Rückweg von einem Telefonat zu seinem Arbeitsplatz verletzt, erleidet keinen Arbeitsunfall und steht damit nicht unter dem Schutz der Unfallversicherung, da er die versicherte Tätigkeit längerfristig unterbrochen hat.

Autorenhinweis

Die Autorin, Frau Anke Linz (Wirtschaftskommunikationswirtin M. A.), ist Beraterin für Unternehmenskommunikation, Informationsmanagement und betriebliches Gesundheitsmanagement bei der uve GmbH für Managementberatung. Die 1988 gegründete uve GmbH ist bundesweit tätig und hat ihren Hauptsitz in Berlin. Die Schwerpunkte des Unternehmens liegen in den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement, Qualitäts-, Umwelt- und Risikomanagement, Organisationsentwicklung und Projektsteuerung sowohl für die Handwerksbranche als auch für die Ver- und Entsorgungsbranche.


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