Sucht im Handwerk – keine Seltenheit

Alkohol ist in unserer Gesellschaft ein sehr verbreitetes Genussmittel, das schnell zum Missbrauch oder zur Abhängigkeit führen kann. Nicht nur der Konsum von Alkohol, sondern auch von Medikamenten, wie Beruhigungs- oder Schmerzmitteln, Nikotin oder illegale Drogen können ein Suchtproblem verursachen. Oft wird dies von den Beteiligten nicht als solches wahrgenommen!

Jeder Betrieb, unabhängig von der Branche, kann von Suchtproblemen seiner Beschäftigten betroffen sein. Statistiken zeigen, dass bis zu 10 Prozent aller Beschäftigten ein Suchtmittel, besonders häufig Alkohol oder Medikamente, konsumieren. Suchtprobleme der Beschäftigten können hohe Kosten für den Betrieb verursachen, z. B. durch:

  • einen Anstieg von Fehlzeiten,
  • ein erhöhtes Risiko von Arbeitsunfällen,
  • eine sinkende bzw. fehlerhafte Arbeitsleistung,
  • den Verlust an Eigeninitiative und Urteilskraft,
  • Gefährdung von Kollegen, Umwelt sowie Betriebsanlagen,
  • die Störung des Betriebsklimas,
  • Frühberentung.

Pflichten des Arbeitgebers: Welche gesetzlichen Regelungen müssen beachtet werden?

Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht für seine Beschäftigten und ist dazu verpflichtet, Gefährdungen am Arbeitsplatz abzubauen und die Ursachen möglichst an der Quelle zu beseitigen (§§ 5, 6 ArbSchG). Die Mitwirkung der Beschäftigen ist unverzichtbar und wird vom Gesetzgeber vorgeschrieben (§§ 15, 16 ArbSchG). Beschäftigte dürfen laut Unfallverhütungsvorschrift (DGUV Vorschrift 1) nicht beschäftigt werden, wenn sie erkennbar nicht in der Lage sind, eine Arbeit ohne Gefahr für sich oder andere auszuführen. Bei suchtmittelbedingten Unfällen setzt sogar der Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung aus.

Sucht im Betrieb: Was kann dazu beitragen?

Der Suchtmittelkonsum ist häufig ein Versuch zu hohe Anforderungen und Ansprüche zu bewältigen, sei es durch betriebliche Stressfaktoren oder auch private Probleme. Betriebliche Stressfaktoren im Handwerk können sein:

  • Zeit- und Termindruck, zu wenige Pausen, zu viele Überstunden,
  • belastende Arbeitsbedingungen durch Lärm, Hitze, Kälte, hohe körperliche Anforderungen, Schichtarbeit, etc.,
  • Probleme mit Vorgesetzten, Kollegen, Kunden, etc.

Können Stress-, Problem- oder Konfliktsituationen nicht adäquat vom Beschäftigten bewältigt werden, erhöht sich das Suchtrisiko. Ist ein Suchtmittel ständig verfügbar oder wird der Konsum durch andere toleriert oder sogar zum Konsum verleitet, fördert das die Sucht oder die Suchtentstehung. Dem gilt es präventiv entgegen zu wirken.

Vorbeugende Maßnahmen: Was kann der Betrieb zur Suchtprävention tun?

In jedem Betrieb sollte es verbindliche Regeln zum Umgang mit Suchtmitteln am Arbeitsplatz geben. Dies kann beispielsweise in Form einer Betriebs- bzw. Dienstvereinbarung, in der z. B. ein striktes Alkoholverbot geregelt ist, erfolgen. Seit Oktober 2013 besteht für jeden Betrieb die Pflicht Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen durchzuführen. Mithilfe derer können suchtfördernde Arbeitsbedingungen erkannt und abgebaut werden. Darüber hinaus müssen die Beschäftigten frühzeitig und regelmäßig über Suchtmittel, Süchte und Möglichkeiten der Suchthilfe informiert, aufgeklärt und bezüglich betrieblicher Regeln unterwiesen werden. Ziel ist es die individuelle Gesundheitskompetenz des Mitarbeiters zu stärken.

Tipps für den richtigen Umgang mit Suchtmitteln und von Sucht Betroffenen im Betrieb:

  • Keine Toleranz für Alkohol, Drogen und Medikamentenmissbrauch auf der Arbeit!
  • Grenzen setzen! Sie bieten Schutz und Orientierung.
  • Nicht wegschauen oder vertuschen! Es hilft dem Betroffenen nicht.
  • Bei Missachtung der Regeln Konsequenzen aufzeigen!
  • Offener und ehrlicher Umgang mit dem Thema im Betrieb!

Informationen und Unterstützung zum Thema Sucht können Betriebsärzte, betriebliche Sozialberater sowie externe Sozial- und Suchtberatungsstellen, Selbsthilfegruppen z. B. Anonyme Alkoholiker oder Fachkrankenhäuser bieten.

Autorenhinweis

Die Autorin, Frau Simone Piede (Dipl. Sportwissenschaftlerin, Betriebliche Gesundheitsmanagerin), ist Beraterin für betriebliches Gesundheitsmanagement bei der uve GmbH für Managementberatung. Die 1988 gegründete uve GmbH ist bundesweit tätig und hat ihren Hauptsitz in Berlin. Die Schwerpunkte des Unternehmens liegen in den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement, Qualitäts-, Umwelt- und Risikomanagement, Organisationsentwicklung und Projektsteuerung sowohl für die Handwerksbranche als auch für die Ver- und Entsorgungsbranche.


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