Systematische Tätigkeitswechsel fördern die Gesundheit der Belegschaft

Arbeiten in Zwangshaltungen, beengte Platzverhältnisse, schweres Heben und Tragen sorgen für Belastungen am Arbeitsplatz, die auf Dauer zu Erkrankungen des Bewegungsapparates führen können. Die Beschäftigten im Handwerk sind selten in der Lage, die schweren körperlichen Arbeiten bis zur Rente durchzuführen. Systematische Aufgaben- bzw. Tätigkeitswechsel helfen, die hohen körperlichen Belastungen für jeden einzelnen Beschäftigten zu reduzieren.

Für einen Handwerksbetrieb ist es wichtig, den älteren Mitarbeitern die körperlichen Arbeiten weitestgehend zu erleichtern, um ihre sozialen Kompetenzen und ihr betriebsinternes Know-how weiterhin für die erfolgreiche Zukunft des Betriebes zu nutzen. Dabei ist die Gestaltung von systematischen Aufgaben- bzw. Tätigkeitswechseln eine gute Möglichkeit, um im Betrieb die einseitige Belastungssituation sowie den arbeitsbedingten körperlichen Verschleiß zu verringern. Ältere Mitarbeiter können trotz körperlicher Einschränkungen im Betrieb länger gehalten werden. Ihr branchenspezifisches Wissen, ihre jahrelangen Berufserfahrungen sowie die mit der Zeit erworbene Menschenkenntnis gehen nicht verloren und dienen weiterhin für einen geregelten, gewinnorientierten Ablauf im Betrieb.

Tipps zur Gestaltung von Tätigkeitswechseln für Handwerksbetriebe

1. Arbeitsplatzrotation bei besonders belastenden Tätigkeitsfeldern
Mit einer intelligenten Einsatzplanung des Personals können besonders belastende Tätigkeiten auf mehrere Schultern verteilt werden. Dabei müssen bei der Aufgabenübertragung die Stärken und Schwächen der jeweiligen Mitarbeiter beachtet werden. Solche systematische Aufgabenwechsel vermeiden eintöniges Arbeiten sowie eine ununterbrochene Zwangshaltung.

2. Qualifizierung in weniger körperlich belastende Arbeitsaufgaben
Eine kontinuierliche Qualifizierung der Beschäftigten ermöglicht, die Mitarbeiter auch in anderen betriebsinternen Bereichen flexibel einzusetzen. Mit einer geeigneten Qualifikation können sie nach langer Ausübung körperlich schwerer Tätigkeiten auf weniger beanspruchende Arbeitsplätze wechseln. Mögliche Aufgabenfelder sind u.a. Lagertätigkeiten, Materialbeschaffung, Kundendienst/ Akquise, Reklamationsbearbeitung, Projektplanung oder interne Verwaltung.

3. Unterstützung bei der Arbeitsvorbereitung und/oder Qualitätskontrolle
Aufgrund des Erfahrungsschatzes älterer Beschäftigter können sie durch eine aktive Mitarbeit in der Arbeitsvorbereitung und -nachbereitung wesentliche Arbeitsabläufe beschleunigen und verbessern. Ältere Beschäftigte können z.B. bei der Planung der Arbeitsaufträge, der Personal- und Zeitplanung oder bei der Qualitätskontrolle mitwirken.

4. Altersgemischte Teams
Durch Altersgemischte Teams können körperliche Einschränkungen arbeitsteilig ausgeglichen werden. Die jüngeren Arbeitnehmer können von den Älteren lernen, sie aber zeitgleich auch bei der körperlich anstrengenden Arbeit unterstützen. Die Arbeit kann besser aufgeteilt werden (z. B. nach Erfahrung, Begabung, Kraft).

5. Ältere Mitarbeiter als Ausbildungsbeauftragten einsetzen
Mitarbeiter als Mentoren, die die Auszubildenden während der gesamten Ausbildungszeit begleiten, sichern den Wissenstransfer im Betrieb. Der Mentor ist als wichtige Bezugsperson für den Auszubildenden die erste Anlaufstelle bei betrieblichen aber auch persönlichen Problemen und Fragen. Er lernt den Auszubildenden an, weist ihn ein, erteilt die Arbeitsaufträge an den Auszubildenden und gibt seine gemachten Erfahrungen weiter.

6. Bei schweren körperlichen Arbeiten Unterstützung durch Außenstehende holen
Ältere qualifizierte Fachkräfte werden durch externe Hilfe bei den schweren körperlichen Arbeiten entlastet. So zum Beispiel sollten sich qualifizierte Monteure bei den vorbereitenden Arbeiten, wo kein Fachwissen verlangt wird, sowie beim Heben und Tragen von schweren Lasten Unterstützung durch eine Hilfskraft (angelernter Monteurhelfer ohne Fachqualifikationen) holen.

7. Belastungswechsel durch angepasste Arbeitszeitmodelle
Im Betrieb sollten geregelte Arbeitszeiten gewährleistet werden, die auch Aufgabenwechsel beinhalten und monotones Arbeiten vermeiden:

  • Arbeitszeitformen mit hohen Belastungen wie Nacht- und Schichtdienst abbauen.
  • Verkürzung der täglichen Arbeitszeit mit zunehmendem Alter vornehmen.
  • Mehrere kurze Pausen à 15 Minuten anstelle einer langen Pause erlauben.
  • Mitgestaltungsmöglichkeiten an Dauer und Lage der Arbeitszeit erweitern.
  • Einen gleitenden teilzeitlichen Übergang in den Ruhestand ermöglichen, um die Erwerbstätigkeitsdauer zu strecken und gleichzeitig die Arbeitsbelastungen zu verringern

Autorenhinweis

Die Autorin, Frau Anke Linz (Wirtschaftskommunikationswirtin M. A.), ist Beraterin für Unternehmenskommunikation, Informationsmanagement und betriebliches Gesundheitsmanagement bei der uve GmbH für Managementberatung. Die 1988 gegründete uve GmbH ist bundesweit tätig und hat ihren Hauptsitz in Berlin. Die Schwerpunkte des Unternehmens liegen in den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement, Qualitäts-, Umwelt- und Risikomanagement, Organisationsentwicklung und Projektsteuerung sowohl für die Handwerksbranche als auch für die Ver- und Entsorgungsbranche.


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