Höhere Baukosten drohen - SPD fordert mehr barrierefreies Bauen

News | Frank Kessler | 22.06.2021
Höhere Baukosten drohen - SPD fordert mehr barrierefreies Bauen
Foto: KfW-Bildarchiv / photothek.net

Die SPD-Fraktion im Hessischen Landtag fordert eine Änderung der Hessischen Bauordnung mit dem Ziel, die Anzahl der barrierefreien Wohnungen bei Gebäuden mit vier oder weniger Etagen zu erhöhen. Die Bauwirtschaft befürchtet, dass dies die Baukosten erheblich erhöhe und den Anforderungen an den Wohnungsbau widerspreche, nämlich der Bezahlbarkeit. Barrierefreies Bauen führe dazu, dass sich der Wohnraum weiter verteuern wird. Eine Überarbeitung sei deshalb dringend angeraten.

Die hessische SPD-Fraktion stützt sich bei dem Vorschlag nach mehr barrierefreier Wohnungen auf eine Studie der Landesregierung. Diese sieht einen höheren Bedarf an altersgerechten Wohnungen bis zum Jahr 2040 auf 300.000 Einheiten voraus. Jeder Praktiker weiß jedoch, dass die Anforderungen an die Barrierefreiheit schon jetzt übermäßig hoch sind. Teilweise führen diese sogar zu einem Verstoß gegen anerkannte Regeln der Bautechnik. Das verursacht schon jetzt immer häufiger rechtliche Auseinandersetzungen.

Barrierefreies Bauen widerspricht dem Prinzip des bezahlbaren Wohnraums

Die grundlegenden Anforderungen an einen bezahlbaren Wohnungsbau werden immer mehr durch Partikularforderungen verhindert. Wie schon so oft werden die Auswirkungen auf die Bezahlbarkeit schlichtweg beschönigt. Jedem solle klar sein, dass eine Verschärfung der Anforderungen an die Barrierefreiheit eine weitere Verteuerung von Wohnraum bedeutet, erklärt der BDB-Bund Deutscher Baumeister Architekten und Ingenieure Hessen Frankfurt. Der Gesetzgeber hat aus gutem Grund die Anforderungen bei Gebäuden mit vier Geschossen heruntergeschraubt. Ansonsten wäre nämlich der Einbau eines Aufzugs erforderlich, was in der Hessischen Bauordnung (HBO) nicht ausdrücklich vorgesehen ist. Würde diese Schonung allerdings aufgegeben werden, dann würde das eine drastische Verteuerung des Wohnraums bedeuten. Das würde sich auf die Kaltmiete auswirken und bei kleineren Gebäuden ein Anstieg der Betriebskosten bedeuten.

Auch der Wohnflächenverlust erhöht die Baukosten

In diesem Zusammenhang wird außerdem bemängelt, dass in Bezug von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen nur die Baukosten berücksichtigt werden. Das sei falsch, denn es entstehe ein Wohnflächenverlust durch größere Treppenhäuser. Das fällt in der Regel mehr ins Gewicht, weil dadurch die Wohnkosten in die Höhe getrieben werden. Besonders bei Eigentumswohnungen fällt auf, dass sich der Verkauf einer barrierefreien Wohnung als schwierig erweist. Hier einen passenden Käufer zu finden, ist die Ausnahme.

Neubau fördern und existierende Standards nicht verschärfen

Barrierefreies Bauen ist in der jetzigen Situation zu einem wesentlichen Kostentreiber geworden. Ein breiter Allgemeinnutzen lässt sich hier nur schwer erkennen. Beim Wohnungsbau müssen verschiedene Aspekte gegeneinander abgewogen werden. Eine Anhörung im Landtag wäre zu erwarten. Um den älteren Menschen ein besseres Wohnangebot machen zu können, sollten die bereits existierenden Standards nicht noch weiter verschärft werden. Das würde zu höheren Wohnungskosten und zu weniger Neubau von Wohnungen führen. Neubauwohnungen sind ohnehin bekannt für barrierefreies Bauen und für ältere Menschen geeignet. Besonders für diese Gruppe muss es das Ziel sein, viele neue Wohnungen zu schaffen, ohne dass die Baukosten in die Höhe getrieben werden.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Martin Biermann am 22.06.2021 )

An industry that doesn’t know the value of its product has a big problem – and that is construction.Paul Morrell => Produktivitäts-Steigerungen von PE bis Schlüsselübergabe< setzt die Mehrkosten – aus/durch "was auch immer" – nicht nur auf min. 0, sondern steigert zusätzlich die Margen und Arbeitnehmer-Löhne! MfG

(PsM: Die CDU/CSU/FDP/Grüne/SPD.... nennt es Wachstum, um ihre Wahlversprechen zu bezahlen.)

  (Geschrieben von Bernd Michalski am 24.06.2021 )

Aber, solange die Immobillisten so tun, als wäre die geringe operative Leistungsfähigkeit und Produktivität (https://www.mckinsey.de/news/presse/infrastruktur-und-wohnen-deutsche-ausbauziele-in-gefahr) und die exorbitant hohe Fehlerquotenrate der Bauwirtschaft https://bauinfoconsult.de/presse-baukatastrophen-made-in-germany-fast-21-milliarden-euro-fehlerkosten-in-2019/ Nebensache, wird das nichts mit ausreichend Wohnungen für jedes Einkommen, sowie durchgängig barrierefreie Wohnungen.

 

Wahnsinn ist, wenn man immer wieder das Gleiche tut, aber andere Resultate erwartet.
(Rita Mae Brown)

 

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