Umweltfreundliches Bauen durch Ökobilanzierung messbar

News | Frank Kessler | 16.11.2021
Umweltfreundliches Bauen durch Ökobilanzierung messbar
Foto: Roland Riethmüller

Um die Klimaziele nachweislich zu erreichen, müssen die Einsparungen in Zukunft messbar sein. Eine besondere Rolle kommt daher der Ökobilanzierung zu. Nachhaltigkeit beim Wohnungsbau muss auch für gefördertes Wohnen gelten und nicht nur für den gehobenen Wohnungsbau. Das erfordert jedoch eine hohe technische Kompetenz beim Bauen und die Bereitstellung entsprechender Daten durch die Hersteller.

In Sachen Klimaschutz wird es am Bau konkret. Damit die Einsparungen messbar werden, kommt der Ökobilanz künftig eine besondere Rolle zu. Sie gilt als wissenschaftlich fundiert. Es wird Zeit, die ökologischen Grenzen der Erde zu respektieren. Das fordert die ehemalige Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Dr. Barbara Hendricks. Sie ist ehrenamtliche Präsidentin des Instituts Bauen und Umwelt (IBU) und hatte jetzt bedingt durch Corona ihren ersten öffentlichen Auftritt in ihrer neuen Rolle. “Es ist ein Paradigmenwechsel erforderlich”, betont Hendricks. “Wir müssen eine Urbanität schaffen, die lebenswertes Wohnen ermöglicht." Ein Recht auf Nachhaltigkeit habe auch der geförderte Wohnungsbau und nicht nur das gehobene Wohnen. Das erfordere jedoch technologische Kompetenz beim Bauen. IBU-Vorstandsvorsitzender Hans Peters pflichtet dem bei. Nachhaltigkeit sei ein breites Spektrum aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem. Zunehmend wichtig am Bau seien nicht nur die Themen Klima und Energie, sondern auch die schonende Nutzung von Ressourcen und das soziale Zusammenspiel zwischen Bauen und Wohnen.

Ökobilanzierung macht Klimaneutralität messbar

Messbarkeit war auch das Stichwort für Prof. Dr. Matthias Finkbeiner, der an der Technischen Universität Berlin das Institut für technischen Umweltschutz leitet. "Wir sind uns einig, dass wir Umwelt und Klima schützen müssen, aber wie können wir wissenschaftlich robust messen, was klimaverträglich, umweltschonend und nachhaltig ist?" Der Begriff Klimaneutralität ist nicht klar definiert. Dekarbonisierung ist wichtig, bedarf aber einer konsistenten und sauberen Bilanz. Die Ökobilanzierung ist schon seit geraumer Zeit eine anerkannte Methode. Sie gibt Einblick auf den gesamten Lebenszyklus und deckt Problemverschiebungen auf.

Komplett ohne Kompensation wird es nicht gehen

Alle Probleme werden damit zwar nicht aus der Welt geschafft. Denn die Antworten sind komplex, was aber kein Fehler ist, sondern eine Stärke. Die Produkte müssen entsprechend ihrer Verwendung bewertet werden. Finkbeiner betont dabei weiter, dass eine komplett emissionsfreie Zukunft illusorisch wäre. "Wir müssen reduzieren, wir müssen neue Energie einsetzen, aber ohne Kompensation wird es am Ende auch nicht gehen", so Finkbeiner.

Hersteller müssen Daten zur Ökobilanzierung vorlegen

Thomas Lützkendorf, Professor für Immobilienwirtschaft am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), lenkt den Blick auf die bestehenden Normen und die "handwerkliche Seite" der Ökobilanzierung. "Es ist schade, wenn alle von Klimaneutralität reden, ohne entsprechende Nachweise zu liefern", erklärt Lützkendorf. "Wir brauchen geeignete Bauproduktinformationen, um das Wechselspiel zwischen Tiefe und Breite der Prozesse abzudecken. Der Trend geht eindeutig in die Richtung verbindlicher Anforderungen." Für die Hersteller hat das Folgen, denn wer keine Daten zur Ökobilanzierung liefern kann, dessen Produkte können dann nicht mehr genutzt werden.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Reinhard Paul … am 17.11.2021 )

Sehr geehrte Frau Hendriks, sehr geehrter Herr Lützkendorf,

ja, es ist sinnvoll, die Ergebnisse der Bautätigkeit mittels Ökobilanzierung für die Wissenschaft aufzubereiten.

Das kann aber bitte nicht als zusätzliches Pflichtenheft und auf Kosten der AG und damit auch der Mieter oder Käufer gehen.

Schon heute haben wir wegen unseres Sicherheitswahns Prüfingenieure für Statische Berechnungen, für Brandschutz, SiGeKos etc. zu finanzieren, die keinen Zusatznutzen haben.

Es wird Zeit die ganzen Planungs- und Bauprozesse zu entrümpeln! Bitte nicht noch zusätzliche Lasten für wissenschaftliche Erkenntniswünsche auf die Baufinanzierung abwälzen!

Mit freundlichen Grüßen

R. P. Groszmann

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