Als Handwerker selbstständig machen - das gilt es zu beachten

Als Handwerker selbstständig machen - das gilt es zu beachten
Foto: Roland Riethmüller

Das Handwerk zählt zu den größten Branchen Deutschlands und ist für eine Gründung sehr attraktiv – sogar für immer mehr Frauen. Um sich selbstständig machen zu können, gibt es neben den typischen Herausforderungen aber noch ganz spezielle Anforderungen, etwa die Meisterpflicht. Genaue Informationen bietet die Handwerkskammer, die man als Existenzgründer bei der Planung einbeziehen sollte.

Nicht zuletzt durch den Fachkräftemangel im Handwerk, ist die Baubranche sehr interessant für Gründer und zunehmen auch für immer mehr Gründerinnen. Die wichtigsten Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit als Handwerker

  1. Gibt es in meinem Handwerk eine Meisterpflicht? Meisterpflicht bedeutet, dass man erst nach dem Bestehen der Meisterprüfung einen Betrieb gründen kann. Junge Gründer können alternativ auch einen Meister anstellen. Es gibt in Deutschland rund 130 Handwerksberufe. 53 von ihnen wurden 2004 als zulassungsfrei erklärt, für zwölf wurde kürzlich die Meisterpflicht wieder eingeführt. Das Handwerk ist im Wandel.
  2. Muss ich der Handwerkskammer beitreten? Alle Handwerker und Selbstständige in handwerksähnlichen Gewerben müssen Mitglied in der Handwerkskammer werden. Am besten erkundigt man sich bei der zuständigen HWK, man kann jedoch davon ausgehen, dass diese sich nach der Anmeldung des Gewerbebetriebs von selbst meldet. Eine Mitgliedschaft in der HWK ist kostenpflichtig, der Beitrag hängt mit der Höhe der Einkünfte zusammen. Es hat jedoch viele Vorteile, der Kammer angeschlossen zu sein, denn schon bei der Gründung kann sie wertvolle Informationen liefern. Die HWK vertritt die Interessen des Handwerks und berät ihre Mitglieder in allen Belangen.
  3. Habe ich Kapital, gibt es für mich Fördermittel oder sollte ich einen Kredit aufnehmen? Die Kapitalbeschaffung ist ein wichtiger Punkt bei der Gründung, der für den Erfolg des Unternehmens entscheidend ist. Am einfachsten gründet es sich natürlich mit Kapital im Rücken. Doch wie viel Geld braucht man eigentlich? Um das zu ermitteln, braucht man einen guten Businessplan.

Die Marktanalyse

Jeder Gründer muss sich mit seinen Chancen auf dem Markt auseinandersetzen, Handwerker sind da keine Ausnahme. Das Besondere ist jedoch, dass man im Handwerk in starkem Maß regional gebunden ist. Bevor man sich an die Gründung wagt, sollte man herausfinden, ob überhaupt ein Bedarf besteht. Zukunftsträchtige Handwerke, die etwa für die energieeffiziente Sanierung von Häusern gebraucht werden, welche durch politische Entscheidungen immer mehr an Bedeutung gewinnt, werden immer stärker gebraucht. Daneben gibt es auch Handwerke, bei denen es genügt, wenn ein oder zwei Dienstleister lokal ansässig sind.

Um den Markt zu analysieren, schätzt man zunächst die Größe der Zielgruppe im Einzugsbereich und ermittelt, wie viele Handwerker ihre Dienstleistung schon anbieten. Das lässt sich leicht durch Branchenbücher und Onlineeinträge herausfinden. Meistens hat man jedoch als Geselle schon Erfahrungen sammeln können und weiß mehr über den Bedarf vor Ort.  Vielleicht gibt es noch bestimmte Marktlücken, in die man stoßen kann. Sollte der Markt gesättigt sein, bleibt immer noch die Möglichkeit, woanders zu gründen.

Der Businessplan

Hat man sich für den Gründungsort entschieden und die eigenen Chancen als positiv eingeschätzt, folgt der Businessplan. Für viele Gründer ist das ein Buch mit sieben Siegeln, und doch soll der Erfolg des zukünftigen Unternehmens in diesem Schriftstück eingeschätzt werden. Am besten sieht man davon ab, irgendwelche Vorlagen aus dem Netz für den eigenen Businessplan zu verwenden, sondern man erarbeitet ihn tatsächlich Schritt für Schritt. Hier kann eine Gründungsberatung, ein Existenzgründerseminar oder die Beratung der Handwerkskammer behilflich sein. Wenn es darum geht, konkrete Zahlen einzusetzen, kann man sich an einen erfahrenen Kollegen oder einen anderen, bereits etablierten selbstständigen Handwerker wenden.

Erfolgreich als selbstständiger Handwerker: das wird gebraucht

Ein Handwerker ist auch ein Kaufmann

Neben der fachlichen Qualifikation ist auch ein gewisses kaufmännisches Gespür vonnöten. Besonders bei Gesprächen mit der Bank kann man so einen guten Eindruck machen. Als selbstständiger Handwerker muss man seine Preise optimal kalkulieren, offene Rechnungen zügig eintreiben und stets liquide bleiben. Da man mit seiner Arbeit in Vorleistung geht, ist das besonders wichtig.

Sparsam wirtschaften

Man sollte vermeiden, dass Kapital der Gründung leichtfertig auszugeben. Auch wenn es schön aussieht, man braucht keine maßgefertigte Einrichtung im Büro, sondern kann Möbel günstig online kaufen. Bestimmte Maschinen oder andere Ausstattungsgegenstände können für den Anfang durchaus auch gebraucht angeschafft werden, natürlich vorausgesetzt, dass die Sicherheit gewährleistet bleibt.
Bei den Versicherungen sollte man jedoch nicht sparen. Eine Krankenversicherung ist Pflicht, ebenso wie der Rechtsschutz und eine spezielle Haftpflichtversicherung. Die Einzahlung in eine private Rentenvorsorge ist zwar freiwillig, doch man sollte sie nicht aussetzen. Lieber startet man mit kleinen Beträgen, die aufgestockt werden können, wenn das Geschäft sich etabliert hat.

Steuerliche Beratung

Am besten arbeitet man von Anfang an mit einem Steuerberater zusammen. Dieser kostet zwar auch Geld, kann aber auch dabei helfen, welches zu sparen. Vor allem bewahrt er einen Gründer vor vermeidbaren Fehlern, etwa die Beträge für die Umsatzsteuer oder Einkommenssteuer nicht von den Einnahmen abzuzweigen, falsche Steuersätze zu berechnen oder nicht alles abzusetzen, was möglich ist. Falls Angestellte vorhanden sind, macht er zudem die Abrechnung der Löhne und Sozialversicherungsbeiträge. Die Rechnung für den Steuerberater muss man nicht auf einmal begleichen, sondern kann auch eine monatliche Zahlung vereinbaren.

Rechtliches Know-how

Als selbstständiger Handwerker trägt man die Verantwortung für alles, was mit dem eigenen Betrieb und den eigenen Angestellten zusammenhängt. Aus der Zeit als Geselle hat man sicherlich die einen oder anderen Probleme oder Streitigkeiten hautnah mitbekommen. Man braucht nicht nur bestimmte Versicherungen, sondern muss sich auch mit dem Vertragsrecht auskennen. Wie lange muss man eine Garantie oder Gewährleistung bieten? Was muss man nachbessern? Wann gilt eine Leistung als vollständig erbracht?

Marketing

Das Marketing ist ebenfalls ein wichtiges Thema – es wird als selbstständiger Handwerker eben nie langweilig. Marketing kann man selbst machen oder man vertraut das Thema einem talentierten Mitarbeiter oder dem Partner an, falls der dafür ein Faible hat. Die Präsenz vor Ort, Eintragung in Suchmaschinen, in die Gelben Seiten und ins Branchenbuch sind obligatorisch. Um bekannt zu werden, kann man Sonderaktionen starten und sich so einen Namen machen. Wer mag, richtet sich eine Webseite ein, sodass potenzielle Kunden einen schnellen Überblick über die Leistungen und Öffnungszeiten haben. Social Media Marketing ist für Handwerker weniger wichtig.

Die wichtigste und beste Werbung für einen Handwerksbetrieb ist die Mundpropaganda, die durch besonders guten Kundenservice provoziert werden kann. Menschen fragen am liebsten zuerst ihre Freunde und Bekannten nach Empfehlungen, wenn sie einen Dienstleister suchen. Wer immer so arbeitet, dass er guten Gewissens empfohlen werden kann, wird sich mit der Zeit einen zufriedenen Kundenstamm aufbauen können und hat so seine Existenz gesichert.