Das Geschäftsfeld durch spannende Zusatzleistungen erweitern: So geht's

Das Geschäftsfeld durch spannende Zusatzleistungen erweitern: So geht's
Foto: Roland Riethmüller

Handwerk hat goldenen Boden – angesichts voller Auftragsbücher, die in vielen Betrieben sogar aus allen Nähten platzen, scheint dieses Credo zu stimmen. Handwerker sind heute gefragt. Gerade der boomende Immobiliensektor beschert Maler-Fachbetrieben, Sanitärinstallateuren oder Sicherheitstechnikern Aufträge. Gearbeitet wird rund um die Uhr. Jeder Auftrag bedeutet für Handwerker aber auch eine gewisse Vorbereitung. Leistungen müssen mit dem Kunden abgestimmt und Angebote geschrieben werden.

Bleibt kaum Zeit für einen Blick über den Tellerrand? Wer es trotz des Pensums schafft, sich fortzubilden und neue Kompetenzen zu erschließen, kann Kunden neue Leistungen anbieten – und damit das Firmenprofil schärfen. So können sich beispielsweise Profis aus dem Bereich der Sanitärinstallation und Gebäudetechnik auch zum Energieberater weiterentwickeln. Ein Zweig, der in den letzten Jahren einen Nachfrageschub erfahren hat. Aber auch in der Sicherheitstechnik bieten sich viele Ansatzpunkte – etwa im Hinblick auf die Kombination aus Smart Home und Sicherheitsanspruch.

Maler und Lackierer: Als Rostschutzexperte punkten

Das Leben wird durch etwas Farbe bunt. Maler und Lackierer haben von Haus aus mit Farben zu tun – wenn auch in komplett unterschiedlichen Bereichen. Der Maler ist klassischerweise im Haus- und Innenbereich von Immobilien im Einsatz. Lackierer legen ihren Fokus sehr oft auf die Karosserie-Lackierung.

In beiden Bereichen müssen sich Maler und Lackierer nicht mit Techniken auskennen, um Farbe schnell und deckend zu verarbeiten. Wichtig ist das Wissen um:

  • die Vorbereitung des Untergrundes
  • die Witterungsbeständigkeit
  • die gesundheitlichen Risiken eingesetzter Lacke und Farben.

Einfaches Beispiel: Im Innenbereich dürfen bestimmte Farben aufgrund ihrer Zusammensetzung nicht verarbeitet werden.

Damit Farben und Lacke dauerhaft halten, muss der „Malgrund“ richtig vorbereitet sein. Das Streichen mit Einlassgrund ist nur ein Punkt. Häufig kommen Maler mit Metallen in Berührung, die mit einem Anstrich versehen werden sollen. Und der Karosserie-Lackierer ist mit solchen Untergründen regelmäßig konfrontiert.

Korrosion ist ein Zusatzproblem vieler Kunden

Warum also nicht in Sachen Rostschutz eine Zusatzqualifikation aufbauen? Unter dem Themenkreis Korrosionsschutz werden heute von verschiedenen Seiten Weiterbildungen zur Korrosionsschutz-Kompetenz angeboten – unter anderem durch den VDI. Die Voraussetzungen und Kursinhalte variieren. Oft sind die Kurse aber in:

  1. Basis-Seminare
  2. Aufbau-Seminare

aufgeteilt. Welchen Vorteil hat diese zusätzliche Kompetenz? Selbständige Handwerker weiten damit ihr Leistungsportfolio erheblich aus und können Kunden noch besser beraten. Gerade im Außenbereich ist Witterungsbeständigkeit ein großes Thema. Korrosion sorgt hier auch bei verhältnismäßig haltbaren Materialien wie Stahl oder Eisen für eine Zersetzung. Darüber hinaus ist sogar Edelstahl davon betroffen, wie hier erklärt wird

Speziell für Lackierer hat diese Zusatzkompetenz also sehr viele Vorteile. Dies gilt auch im Bereich der Restauration von Oldtimern. Hier ist der Korrosionsschutz besonders wichtig.

Die Zusatzkompetenz zielt nicht nur darauf ab, Kunden zu einer verbesserten Beständigkeit von Bauteilen beraten zu können. Es muss auch darum gehen, wie dieser Schutz aktiv gestaltet werden kann. Hinsichtlich der Kosten, welche für solche Seminare zu tragen sind, können Handwerker Förderungen in Anspruch nehmen. Möglich ist Unterstützung beispielsweise durch die Agentur für Arbeit.

Heizungs- und Sanitärinstallateure: Der Weg zum Energieexperten

Das Thema Energieeffizienz ist in den letzten Jahren zunehmend wichtiger geworden. Seitens der Bundesregierung wird mit Neuregelungen in der Energieeinsparverordnung – kurz EnEV – versucht, Bauherren zu mehr Effizienz anzuhalten. Aber auch im Bereich von Modernisierungen ist die Energieeinsparung zu einem bestimmenden Themenkomplex geworden.
Viele Bauherren und Eigentümer greifen heute zu den angebotenen Förderungen. Damit versuchen Bund und Länder, die Energieeffizienz im Gebäudesektor zu erhöhen. Um in den Genuss der Fördermittel, etwa von:

  • KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau)
  • BAFA

zu kommen, sind allerdings einige Hürden zu nehmen. Laien überblicken kaum, welche Maßnahmen förderfähig sind – und welche davon für die eigene Immobilie in Frage kommen. Energieberater sind das Bindeglied.

Als Energieexperte durch staatliche Förderungen bezahlt werden

Für Experten in der Gebäudetechnik und dem Bauwesen – also auch aus dem Segment der Sanitärtechnik – ergibt sich damit die Möglichkeit einer zusätzlichen Qualifikation. Die Tätigkeit als Energieberater eröffnet für Meisterbetriebe viele neue Möglichkeiten in Bezug auf die Begleitung von Kunden auf dem Weg zum klimatechnisch modernen Eigenheim und der dafür nötigen Förderung.
Bereits die Tätigkeit eines Energieberaters ist schließlich förderfähig. Wie werden Handwerker zu Energieberatern? Grundsätzlich darf in diesem Zweig nur tätig werden, wer:

Seminare und Weiterbildungen zum Energieberater werden von verschiedenen Stellen, wie Berufsbildungsinstituten, angeboten. Allerdings sind die Seminare nicht kostenfrei und müssen parallel zum beruflichen Alltag absolviert werden. Bezüglich der Kosten können sich Handwerker die Weiterbildung finanziell fördern lassen. Möglich sind unter anderem:

  • Bildungsprämie der Agentur für Arbeit
  • Begabtenförderung
  • Bildungsdarlehen
  • Aufstiegs-BAföG.

Durch die zusätzliche Fachkompetenz als Energieberater erweitert sich nicht nur das Leistungsportfolio eines Handwerksbetriebs aus der Sanitärtechnik. Kunden können dank dieser Zusatzleistung in Zukunft noch umfassender und ganzheitlich beraten und von Anfang an betreut werden. Heizungs- und Sanitärinstallateure kombinieren im Job als Energieberater das Wissen aus den Seminaren mit ihrer praktischen Erfahrung aus dem beruflichen Alltag.

Experten für Alarmanlagen und Sicherheit: Als Smart-Home-Profi für die Zukunft gerüstet

Digitalisierung ist in vielen Branchen angekommen. Inzwischen wird sogar schon von Industrie 4.0 gesprochen. In privaten Haushalten wird zuerst an PC und Tablet gedacht. Digitale Medien sind aber schon lange auch in anderen Bereichen im Einsatz. Beispiel Stromverbrauch: Viele Haushalte nutzen inzwischen Steckdosen, die via Bluetooth mit dem Smartphone kommunizieren.

Hierdurch können die Steckdosen nach einem festgelegten Schema deaktiviert werden. Oder Nutzer steuern die Steckdosen einfach aus der Ferne vom Büro aus und behalten mit dem Handy den Stromverbrauch im Auge.

Smart Home mehr als die Kommunikation der Haushaltsgeräte untereinander und mit dem Internet. Dank der smarten Haushaltselektronik:

  1. lässt sich der Stromverbrauch aktiv beeinflussen
  2. können neue Sicherheitskonzepte entwickelt werden.

Ein ideales Kompetenzfeld, um sich als Profi für Sicherheitstechnik und Alarmanlagen weiterzuentwickeln und Kunden zusätzliche Leistungen anzubieten.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Spezialisierung

Welche Bereiche umfasst die Zusatzqualifikation als Smart-Home-Experte? Entwickeln können sich Experten in unterschiedliche Richtungen. Ein Bereich deckt beispielsweise die Frage ab, wie sich mittels Smart Home die Sicherheit der eigenen vier Wände erhöhen lässt. Außenkameras und Bewegungsmelder, die miteinander verbunden sind, wären ein Ansatz. Dank Digitalisierung kann das Sicherheitskonzept um eine Kamera erweitert werden, welche Bilder – nach Aktivierung durch den stummen Alarm – ans Handy der Bewohner oder einen Sicherheitsdienst sendet.

Sich mit Sicherheitsfragen beim Thema Smart Home auseinandersetzen heißt auch, Kunden bzw. Nutzer für Risiken zu sensibilisieren. In den letzten Monaten haben Hacks von Baby-Monitoren in den USA für Aufsehen und Berichte selbst in renommierten Nachrichtenmagazinen gesorgt.

Scheinbar ist es Hackern gelungen, die Sicherheitssysteme der Geräte zu umgehen – um sich in den Live-Feed der Geräte einzuschalten. Diese Berichte machen deutlich, dass Sicherheitsexperten, die sich mit Smart Home Lösungen beschäftigen, immer bidirektional denken müssen. Digitale Geräte, die permanent am Netz hängen, erfordern entsprechende Sicherheitsmaßnahmen. Sicherheits-Profis, die sich in beide Richtungen weiterbilden und immer auf dem neuesten Stand sind, haben auf jeden Fall eine interessante und spannende Zukunftsperspektive.

Fazit: Zusatzleistungen schärfen das berufliche Profil

Wer sich als Handwerker selbständig macht, bekommt viel zu tun. In den letzten Jahren sind die Wartezeiten für Kunden zunehmend länger geworden. Fachbetriebe sollten aber eines nicht vergessen: Wer rastet, der rostet. Auch im Handwerk sind Innovationen inzwischen an der Tagesordnung. Und dabei geht es nicht nur um die Kompetenz in den Kerngeschäftsfeldern. Haben Handwerker den Mut für einen Blick über den Tellerrand, können sie sich viele neue Kompetenzen und Leistungen erschließen.

Und auf diese Weise Kunden noch engmaschiger betreuen – um ihnen zusätzliche Leistungen anzubieten, was letztlich das Firmenprofil noch stärker herausstellt. Klar muss Handwerkern an diesem Punkt aber sein, welche Herausforderungen eine solche Zusatzqualifikation mit sich bringt. Neben dem Zeitfaktor geht es auch um die Frage, welche Kosten durch Seminare und Kurse entstehen. Wer Interesse daran hat, kann aktiv auf Unterstützung durch Fördermaßnahmen hinarbeiten.