Ein Häuschen für den Meister: 6 Tipps für höchste Handwerkertauglichkeit

Frank Kessler | 27.02.2020 Ein Häuschen für den Meister: 6 Tipps für höchste Handwerkertauglichkeit
Foto: Roland Riethmüller

Man muss nicht zwingend im Baugewerbe arbeiten, um irgendwann festzustellen, dass das Wohnen zur Miete einen nicht mehr so recht zufriedenstellt. Für viele Meister kommt demnach irgendwann der Punkt, an dem die Losung lautet „ein Eigenheim muss her“. Allerdings ist klar, dass das kein normales Haus wird, wie es sich Angehörige anderer Berufsgruppen errichten lassen.

Sowohl der Bau selbst wie das große Drumherum zwischen Bauphase, Finanzierung und Co. müssen auch hier „meistergerecht“ sein. Sechs wichtige Tipps dazu liefert der folgende Artikel.

1. Tipp: Das eigene Gewerk – nur das eigene Gewerk

Meister, die nicht in der Baubranche beheimatet sind, dürfen diesen Tipp überspringen. Für sie ändert sich nichts, da sie – wie die allermeisten Normalverbraucher – auf die Spezialisten vom Bau angewiesen sind. Alle anderen sollten diesen gutgemeinten Ratschlag jedoch umso mehr beherzigen:

Natürlich wird man es sich als Elektrotechniker, als Sanitärmeister, als Dachdecker und Co. nicht nehmen lassen, dieses Gewerk am eigenen Haus gänzlich in Eigenleistung zu stemmen. Und das ist auch vollkommen richtig so. Denn natürlich lassen sich auf diese Weise wahrscheinlich hohe Beträge sparen.

Aber: selbst eine jahrzehntelange „disziplinübergreifende“ Erfahrung am Bau sollte einen nicht dazu verleiten, ins Gebiet der anderen Handwerker vorzudringen. Weder durch Ratschläge noch Eigenleistung. Hier kann sich jeder Handwerker an die eigene Nase fassen und sich folgendes fragen:

Wie fänden Sie es, wenn Sie am Haus eines Handwerksmeisters arbeiten würden und der würde Ihnen Ihre Arbeit erklären oder mit Eigenleistung „zwischenfunken“?

Exakt, die meisten würden sich zurecht gestört fühlen. Besser ist folgendes: Die eigenen Kontakte in die Baubranche nutzen, um sich für die Fremdgewerke seine Leute sorgsam zusammenzusuchen. Dann kann man darauf vertrauen, dass diese im eigenen Sinne arbeiten.

Tipp: Auch als Handwerksmeister sollte man sich bei der Eigenleistung an die guten Regeln der Stundenkalkulation halten. Schließlich muss man unterdessen auch noch seinem eigentlichen Job nachkommen.

2. Tipp: Nicht nur selbst kalkulieren

Wer bereits beim Bau von hunderten Häusern mithalf, wird dabei natürlich auch einiges über das Thema Finanzierung gelernt haben – das gilt doppelt, wenn man ein selbstständiger Handwerksmeister ist, der auf diese Weise auch am Finanz-Ruder seines Unternehmens steht.

Just diese Tatsachen sollten einen jedoch nicht in trügerischer Sicherheit wiegen. Auch als Meister kann man sich beim eigenen Haus durchaus verkalkulieren – schon, weil viele Menschen hier viel eher geneigt sind, mit großzügigem Augenmaß zu arbeiten, statt den erforderlichen nüchternen Zahlen.

Bedeutet, man sollte in jedem Fall neutrale Berechnungshilfen nutzen, um die Finanzierung, Abtragungszahlungen usw. durchzurechnen und sich nicht nur auf das eigene Wissen verlassen; auch wenn es schwerfallen mag.

3. Tipp: Nicht zu dicht an der Firma bauen

Wir kommen zu einem sehr kniffligen Punkt, der exakten Lage des Hauses. Gerade selbstständige Meister mit eigener Firma sind hiervon betroffen – ist der Firmengrund doch oft bereits im eigenen Besitz und je nach Art der in diesem Gebiet möglichen baulichen Nutzung wäre es rechtlich kein Problem, hier auch das eigene Haus hinzusetzen.

Just das ist eine Entscheidung, bei der wenige Vor- gegen eindeutige Nachteile stehen:

Vorteile:

  • Baugrundstück findet sich bereits im Besitz.
  • Arbeit befindet sich ohne Pendeln direkt vor der Haustür.
  • Haus kann je nach Gewerk als repräsentatives Aushängeschild gestaltet werden.

Nachteile:

  • Die Arbeit befindet sich direkt vor der Haustür; erfahrungsgemäß leidet dadurch die Work-Life-Balance.
  • Direkt vor der Tür befindet sich ein Handwerksbetrieb mit allen Notwendigkeiten. Das kann den optischen Reiz des Hauses teils stark reduzieren, ist auch je nach Art des Wohngebiets ein großmaßstäblicher Nachteil.
  • Mitunter werden (potenzielle) Kunden auch außerhalb der Geschäftszeiten stören.
  • Der Handwerksbetrieb verliert diese Grundstücksfläche für später vielleicht wünschenswerte Erweiterungen.
  • Im Urlaubs- und Krankheitsfall wird es sehr schwerfallen, sich wirklich vom Betrieb und den Mitarbeitern abzuschotten.

Die bessere Lösung, die selbst wiederum keine gravierenden Nachteile produziert, ist es, das Baugrundstück im engen Radius von wenigen Kilometern um die Firma zu suchen. So ist man dennoch nötigenfalls minutenschnell vor Ort, hat umgekehrt aber nicht andauernd die Arbeit im Augenwinkel.

4. Tipp: Vorsicht bei Handschlag-Verträgen

Es ist egal, um welchen Beruf es genau geht. Die allermeisten Handwerker fühlen sich einander Gewerk-übergreifend in gewisser Hinsicht zusammengehörig. Dabei spielt eine jahrhundertealte Tradition ebenso eine wichtige Rolle wie der Faktor der trotz aller technischen Errungenschaften nach wie vor harten körperlichen Arbeit im Handwerk.

Just das führt aber beim Eigenheim vieler Handwerksmeister zu einem Problem: Man sucht sich seine Leute aus – Firmen, die man aus professioneller Zusammenarbeit vielleicht schon seit Jahrzehnten sehr genau kennt. Und man neigt dazu, dadurch automatisch die Distanz zu verringern.

Da macht vielleicht der Tiefbaumeister auf dem „kurzen Dienstweg“ mit dem Elektromeister die Leistungen per Handschlag aus, gibt der Malermeister den Auftrag für die Heizungsanlage im kurzen Telefongespräch.

Ja, solche Abkürzungen können funktionieren. Sie können aber auch gewaltige Probleme heraufbeschwören – etwa dann, wenn just bei einem solchen, per Handschlag beschlossenen Gewerk etwas schiefgeht. Ohne ordnungsgemäßen Vertrag wird es dann problematisch – und das Gegenüber kann seine Hände in Unschuld waschen.

Bedeutet: Auch wenn man alle Gewerke nur von bestens bekannten, vielleicht sogar befreundeten Firmen ausführen lässt, sollte man dennoch auf das normale Vertrags-Prozedere bestehen. Das ist kein Vertrauensbruch, sondern ganz normale Absicherung, wie man sie im beruflichen Alltag auch nie schleifen lassen würde.

5. Tipp: Das Haus dem Beruf anpassen

Gibt es „saubere“ Handwerkssparten? Absolut. Für den Schreinermeister beispielsweise kann es nach Feierabend genügen, eine kurze „Luftdusche“ zu nehmen, um Holzfasern von der Kleidung zu entfernen und er kann sein Eigenheim nicht minder sauber betreten als die meisten Büroarbeiter.

Doch auch das ist nicht die Majorität. Die sieht so aus, dass die allermeisten Handwerker nach Feierabend mehr oder weniger deutliche Spuren der Arbeit an sich und der Kleidung tragen. Es beginnt bei schlammigen Sicherheitsschuhen von der Baustelle, zieht sich über die so schwierig aus Kleidung zu entfernenden Wandfarben und endet bei Öl, Bremsstaub und Co. in den Sachen von Automobil-Meistern noch längst nicht. 

In einem normalen Haus hat man zwei Möglichkeiten:

  1. Man entledigt sich an nicht einsehbarer Stelle der Kleidung und betritt dann das Haus.
  2. Man lässt nur die Schuhe „schmückend“ vor der Haustür, geht ansonsten angekleidet hinein.

In beiden Fällen entfernt man dann die körperlichen Spuren des Tagwerks im normalen Badezimmer – und sorgt durch die dabei auftretenden Schmutz-Spritzer schnell für einen schiefhängenden Haussegen.

Nein, so sollte man als bald eigenheimbesitzender Handwerksmeister nicht vorgehen. Viel besser ist es, diese Tatsache in den Hausbau zu integrieren. Das kann beispielsweise dadurch geschehen, dass man an geeigneter Stelle eine Art „Schleuse“ errichtet: Ein über eine zusätzliche Außentür zugänglicher (und unbedingt beheizter) kleiner Raum mit eigener Dusche und Waschbecken; Sogar eine eigene Waschmaschine macht Sinn, weil viele Arten von „Handwerksschmutz“ sowohl dem Gerät zusetzen wie sich mitunter beim Waschen auch in der restlichen Kleidung verteilen können (Stichwort Metallspäne).

Ergänzt man diese Schleuse noch um eine Durchgangstür ins Haus, kann man beim Nachhausekommen alles ablegen, kann sich gründlich reinigen und frisch und sauber das Haus betreten – zu jeder Jahreszeit.

6. Tipp: Unbedingt eine kleine Werkstatt inkludieren

Es gibt Handwerksmeister, für die endet sämtliche Beschäftigung mit dem Beruf mit dem Feierabend und beginnt erst wieder am nächsten Morgen. Viele von uns sind jedoch mit einer Leidenschaft dabei, die weit über die reine berufliche Notwendigkeit hinausgeht. Und so ist es völlig normal, dass viele auch nach Feierabend den Wunsch verspüren, im privaten Rahmen zu basteln, sich mit Neuheiten zu beschäftigen, zu testen und auszuprobieren.

Wer zu diesen Handwerkern gehört, sollte bei seinem Haus keineswegs darauf verzichten, dieser Leidenschaft genügend Raum zu geben – in Form einer Werkstatt. Auch weil sie es ermöglicht, diesem Steckenpferd nachzugehen, ohne dazu in der Freizeit in die Firma zu müssen, weil nur dort die passenden Werkzeuge warten.

Tipp: Selbstständige Meister sollten es sich im Zuge dessen auch nicht nehmen lassen, im Haus ein vollwertiges Büro einzurichten. Dann können sämtliche administrativen Dinge im Kreis der Familie geschehen – statt nach Feierabend und ganz alleine in den Firmen-Räumlichkeiten.