Fleißiger Handwerker oder erfolgreicher Unternehmer?

Frank Kessler | 23.06.2011 Bild zu: Fleißiger Handwerker oder erfolgreicher Unternehmer?
Foto: Roland Riethmüller

Die meisten Handwerker wählen ihren Beruf, da sie handwerklich begabt sind und sie die praktische und abwechslungsreiche Arbeit mögen. Doch wer finanziell besser dastehen möchte, denkt schon mal ab und an über eine Selbstständigkeit nach. Sein eigener Chef sein und ein eigenes Unternehmen hochziehen ist ein reizvoller Gedanke. Oder auch die Übernahme eines bereits bestehenden Betriebes ist keine Seltenheit.  – Doch um mit seinem Unternehmen erfolgreich zu sein, bedarf es mehr als nur Fleiß und handwerklichen Könnens.

Sicher muss erstmal der Wille da sein, etwas selbstständig auf die Beine zu stellen. Aber ist auch die Bereitschaft da, die Verantwortung für ein Unternehmen zu tragen?  Verantwortung für seine Arbeit zu übernehmen ist das tagtägliche Brot eines Handwerkers – doch die Verantwortung für einen Betrieb zu übernehmen ist nochmal eine andere Nummer. Zudem kommt für den Chef jede Menge Papierkram auf einen zu: Rechnungen sind zu schreiben, Verträge abzuschließen, steuerliche Angelegenheiten zu bearbeiten und einiges mehr.

Chefsache ist Typsache

Wer sich vor dieser Arbeit nicht scheut und zum Verantwortungsbewusstsein auch Leistungsbereitschaft und eine gute Kommunikationsfähigkeit mitbringt, darf diesen Schritt gerne wagen.  

Kommunikation als Schlüsselkompetenz

Eine gute Kommunikationsfähigkeit ist das A und O eines gut funktionierenden Betriebes. Dabei zählt die betriebsinterne Kommunikation genauso wie die externe Kommunikation mit dem Kunden. Zuständigkeiten oder Anweisungen müssen klar formuliert und wichtige Informationen zeitnah weitergegeben werden. Die Wünsche des Kunden müssen entgegengenommen und entsprechend umgesetzt werden. Hakt der Informationsfluss, haken auch die Abläufe im Betrieb, was sich letztendlich nachteilig auf die Finanzlage auswirkt. Eine fehlerhafte, unzureichende Kommunikation gehört damit zu einer der häufigsten fünf Managementfehlern, die ein Handwerker machen kann. Werden beispielsweise Informationen unter den verschiedenen Handwerkern auf der Baustelle nicht ausgetauscht, kann es schnell zu Fehlern kommen, die einiges an Folgekosten nach sich ziehen.

Fehler auf dem Bau

Je weniger Fehler auf den Baustellen passieren, desto besser für den eigenen Betrieb. Nichts desto trotz: Fehler passieren. Häufen sich Fehler, so sollte der Grund dafür analysiert werden. Oftmals sind es tatsächlich auch Kommunikationsfehler. Wichtig ist auch drauf zu achten, welche Verträge mit den Bauherren abgeschlossen wurden. Bei Verträgen nach VOB/B sind zusätzliche Bitten von Bauherren zu berücksichtigen und umzusetzen. Dafür besteht seitens des Kunden kein Rücktrittsrecht bei einem Mangel. Bei einem BGB-Vertrag besteht in solchen Fällen ein Rücktrittsrecht und die Verjährungsfrist von Mangelansprüchen ist ein Jahr länger als unter einem VOB/B-Vertrag. Auf der Seite von refrago.de findet  sich ein detaillierter Vergleich, der die beiden Vertragsarten gegenüberstellt. Auch wenn der Artikel mehr auf Bauherrn gemünzt ist, ist er dennoch ebenfalls für Handwerker interessant, da auch auf häufige Gründe für Verzögerungen auf dem Bau eingegangen wird.

Die richtige Kundenwahl

Nicht jeder Kunde ist gut für das Geschäft. Dies mag anfangs seltsam klingen, allerdings wer jedoch schon einige Jahre mit seinem Betrieb auf dem Markt ist, wird diese Erfahrung bestätigen können. Es gibt schwierige Kunden, die an allem und jeden etwas auszusetzen haben, schlechtesten falls nur aus dem Grund, sich irgendwie vor dem Zahlen drücken zu wollen. Bei einem kleineren Betrieb, kann ein Kunde mit einem großen Projekt, der nicht zahlt, den Betrieb in die Insolvenz treiben.

Vorsicht ist geboten, wenn der Betrieb bei einem Kunden schon der Betreiber Nr. X ist. Es ist oftmals nicht so, dass der Vorgängerbetrieb zu schlecht war und deswegen gewechselt wurde, sondern dass der Vorgängerbetrieb seine Arbeit eingestellt hat, weil er nicht bezahlt wurde. Von daher ist es dringend anzuraten seine Leistungen in Abschnitte einzuteilen, die auch im Falle eines Zahlungsausfalls nicht zur Insolvenz führen. Außerdem ist es ratsam mit den anderen Handwerkern auf der Baustelle im Gespräch zu bleiben. Gibt es Anhaltspunkte, dass der Kunde andere Handwerksbetriebe nicht oder nur sehr unregelmäßig bezahlt, ohne das es ersichtlich mit der erbrachten Leistung zu tun hat, sollte von dem Kunden Abstand genommen werden. 

Der richtige Auftrag

Ähnlich wie beim Kunden, gibt es auch Aufträge, die auf den ersten Blick lukrativ und begehrenswert erscheinen, sich dann aber als Kostenfalle entpuppen. Dabei kann der Auftrag auch von einem seriösen und soliden Kunden kommen. Vor allem bei Aufträgen, bei denen überwiegend mit Pauschalpreisen gearbeitet wird, muss auf eine realistische Kosteneinschätzung geachtet werden. Bei Ausschreibungen von Städten und Kommunen sollte sich niemand von den hohen Auftragssummen blenden lassen. Werden hier die benötigten Arbeitszeiten falsch kalkuliert und zu tief angesetzt, um den Zuschlag zu erhalten, muss am Ende mit starken Umsatzeinbußen gerechnet werden.
Auch Aufträge über Generalbauunternehmer können schwierig sein. Für gewöhnlich werden vom Generalbauunternehmen pauschale Pakete mit den Handwerksbetrieben vereinbart. Fehlende Absprache, Unvorgesehenheiten oder fehlerhafte Kommunikation mit dem Kunden, dem oft mehr versprochen wurde, als im Pauschalpaket vorhanden ist, führen oft zu Verzögerungen und Mehrkosten. Der Gewinn wird kaum noch über die Materialien, sondern hauptsächlich über die Arbeitszeit generiert, daher sind solche Großprojekte mit Pauschalpreisen mit Vorsicht zu genießen.

Gerade im Zeitalter der Digitalisierung, wo Bauherren, bzw. Kunden sich jederzeit über die Herstellerpreise von Materialien im Netz informieren können, nimmt die Bedeutung am Verdienst über die reine Arbeitszeit weiter zu.

Die Selbstständigkeit

Erfolgreicher Unternehmer und fleißiger Handwerker schließen sich keinesfalls aus. Es gibt nur einige Schlüsselkompetenzen auf die zu achten ist. Dazu gehört neben der Kommunikationsfähigkeit auch ein Gespür für die richtigen Kunden und die richtigen Aufträge. Die aktuelle Situation zeigt: Die Auftragslage im deutschen Handwerk ist derzeit noch ausgesprochen gut, was wohl auch auf absehbare Zeit vorerst so bleiben wird. Zudem steigt die Eigenkapitalquote der Baubetriebe immer weiter an.  Wer genügend Tatendrang, Leistungsbereitschaft und Ausdauer verspürt, sollte sich überlegen, die Wirtschaft durch ein eigenes Unternehmen weiter zu stärken. 

Weitere Informationen:
Die 5 Management-Fehler eines Handwerkers
Tipps beim Verhalten bei Verzug am Bau