Körperschonendes Arbeiten dank technischer Helfer

Frank Kessler | 14.06.2012 Körperschonendes Arbeiten dank technischer Helfer
Foto: Roland Riethmüller

Die Arbeit im Bauhandwerk, ferner in Teilen der nachgeschalteten Industrie, ist davon gekennzeichnet, dass dabei Gewichte bewegt werden müssen. Dabei muss man nicht einmal nur auf Einzelgewichte wie Mauersteine oder Balken abheben, sondern auch die Summe niedriger Lasten – ein Dachdecker, der den ganzen Tag Betondachsteine verlegt, hat zum Feierabend auch teils mehrere Tonnen bewegt.

So unumgänglich diese Gewichte auch sind, sie sind eine Belastung. Die „Diagnose Rücken“ ist bei einer überwältigenden Mehrheit der Erwachsenen prävalent; auch auf dem Bau – der Rücken ist keine Bürokrankheit.

Hinzu kommen Leiden, die direkt an zu hohen Gewichten festgemacht werden können. Allen voran der Leistenbruch und zudem immer wieder Unfallverletzungen aufgrund unsachgemäßer Handhabung.

Zusammen ergibt das eine Tatsache: Jedes technische Hilfsmittel, das man für seinen Job ergreifen kann, sollte man auch nutzen. Denn in der Summe sind deren Anschaffungs- und Betriebskosten immer geringer als die Kosten, die durch Krankheitstage, Behandlung, Berufsunfähigkeit entstehen. Für Bau und Industrie besonders nützliche Helfer zeigt der folgende Artikel.

1. Die korrekte Grundhaltung

Grundhaltung – hinter diesem Wort verbergen sich gleich zwei Dinge, die direkt mit schweren Lasten verbunden sind.

Zum einen ist es eine buchstäblich körperliche Grundhaltung. Heben aus den Knien, Einnehmen optimaler Positionen, um nur zwei zu nennen. Das verhindert zwar nicht generell Schäden durch hohe Lasten, beugt aber diesen zumindest vor.

Zum anderen ist es auch eine psychische Grundhaltung: Die „Awareneness“ darüber, dass übermäßiges körperliches Schuften weder ehrt, noch honoriert wird, sondern nur eine vorzeitige Degradierung der eigenen Arbeitskraft nach sich zieht. Und damit verbunden auch die Einsicht, dass jedes technische Hilfsmittel genutzt werden sollte, weil es den Job verbessert, nicht etwa weniger hochwertig macht.

Beides ist eine Fleißaufgabe. Etwas, dessen man sich immer wieder erinnern muss, bis es einem in Fleisch und Blut übergeht, automatisch so zu handeln. Und es ist gerade für Meister etwas, das an die nachfolgenden Handwerkergenerationen weitergegeben werden muss – ebenso durch Vorleben wie konsequentes, wiederkehrendes Auffordern.

2. Tragegestelle

Warum hat eine Planierraupe Ketten? Warum haben Schwertransport-Plattformen teils dutzende Räder? Weil die materialschonendste Art, schwere Lasten zu tragen, darin besteht, ihr Gewicht auf so viele Einzelpunkte wie möglich zu verteilen.

Wer händisch schwere Lasten trägt, belastet primär Arme und den Schulterbereich und somit unnötig wenige Tragepunkte. Die wohl universellsten und persönlichsten Helfer für das gesamte Bauhandwerk sind deshalb Tragegurtsysteme.

Sie verteilen eine Last auf den ganzen Körper, nicht nur die eigentlichen „Ankerpunkte“. Damit wird ebenso wie bei den eingangs erwähnten Beispielen die Einzelbelastung geringer, der Verschleiß sinkt.

3. Kransysteme

Für all jene Lasten, die zu hoch für den Menschen sind, haben Elektrik und Hydraulik schon seit geraumer Zeit übernommen.

Leider jedoch kommen sie häufig nur dort zum Einsatz, wo die Belastung klar oberhalb der Menschenkraft liegt. In der „Grauzone“ dazwischen wird häufig falsch agiert – was immer bedeutet, dass menschliche Muskelkraft eingesetzt wird. Und der omnipräsente Gabelstapler ist auch nicht immer die optimale Lösung.

Das wiederum bringt uns zum mobilen Portalkran. Er ist die Antwort überall dort, wo Lasten in einem räumlich relativ festen Umfeld transportiert werden sollen – etwa in Lager- oder Montagehallen. Dabei ist er so flexibel, dass er grundsätzlich eingesetzt werden kann. Also auch dort, wo eine Last eigentlich vom Menschen zu stemmen wäre, aber es einfach körperschonender ist, wenn die Technik übernimmt.

4. Transport- und Arbeitstische

Je nach Branche muss auf der Baustelle mit schweren/sperrigen Bauteilen hantiert werden, ohne dass es eine Möglichkeit gäbe, maschinell zu unterstützen. Rechnet man noch all jene Gewerke hinzu, die schwere Maschinen benötigen, kommt ein großer Personenkreis zusammen.

Für sie wurden Transport- und Arbeitstische ersonnen. Bosch fertigt sie ebenso wie es andere Werkzeughersteller tun. Und die Geräte machen wirklich Sinn. Nicht nur, weil sie es ungleich leichter machen, schweres Gerät manuell zu bewegen, sondern weil sie gleichsam auch eine Arbeitsposition in körperschonender Höhe ermöglichen – wo heute nicht selten mangels Hilfsmittel nach wie vor auf dem Boden gesägt und geschraubt wird.

5. Rollkoffer/Werkzeugtransportboxen

Jeder Handwerker, der in die Ferne reist, sieht sie am Flughafen zu tausenden: Simple Roll-Trolleys für alles zwischen aufgegebenem und Handgepäck.

Und obschon es längst ähnliche Lösungen für die Baustelle gibt, findet sich dort nach wie vor immer noch der überflüssig schwere Ziehharmonika-Werkzeugkasten aus Metall, der klassische Elektrokoffer. Und wenn es die nicht sind, ist natürlich der Eimer immer ein gern genommenes Provisorium.

Stellt sich die Frage: Warum bloß? Es gibt mittlerweile für wirklich jede Branche, jede Berufssparte dazu passende Transportsysteme mit Rollen – sowohl für die dauerhafte Lagerung von Werkzeug wie den Transport situationsabhängig zusammengestellter Sortimente. Mittlerweile existieren sogar Werkzeugboxen, die von der Pritschen-Ladefläche durch entsprechende Hebepunkte blitzschnell per Stapler oder Baukran als Ganzes an Ort und Stelle gehievt werden können – alles auch im besten Sinne der BG.

Bloß eines muss (und sollte) kein Bauhandwerker mehr tun: Gerät zu tragen, das auch genau so gut und schnell gerollt werden kann. 

6. Hebehilfen zum Auf- und Abladen

Egal ob Rüttelplatte, Betonmischer oder mitgebrachte Kleinmengen an Farbe, Putz und Co. Was das Ab- bzw. Aufladen auf den Pritschenwagen anbelangt, geht es heute zumindest direkt auf der Baustelle oft noch händisch zu.

Das passiert selbst in Unternehmen, bei denen in der Firma das Verladen maschinell unterstützt wird. Bloß: Eine gut hundert Kilo schwere Rüttelplatte von der Pritsche abzuladen, mag bei zwei Leuten nach einer managebaren Last klingen – sie ist es jedoch nicht.

Aus genau dem Grund gibt es mittlerweile und ebenfalls von diversen Herstellern Abladehilfen. Letzten Endes nichts mehr als an der der Pritsche montierte, schwenkbare Kräne, die mit Seilwinde und Umlenkrollen arbeiten.

Keine große Investition, kaum Wartungsaufwand, keinerlei Betriebskosten – nur ungleich leichteres Verladen von Dingen, die auf lange Sicht jeden Bauarbeiter überfordern.

7. Motorisierte Schubkarren

Loses Schüttgut, welches nicht von Bagger und Co. bewegt wird, kennt auch heute noch in vielen Firmen nur eine Alternative: Schaufel und Schubkarre.

Primär deshalb, weil motorisierte Schubkarren in früheren Zeiten schlicht nicht mit den kompakten Abmessungen des „Einachs-, Zweihand-, Dreiseitkippers“ konkurrieren konnten. Allerdings sollte man einsehen, dass auch hierbei die Zeit nicht stehenblieb.

Längst gibt es Motorschubkarren, die ebenso kompakt sind wie der Klassiker. Auch hier gilt: Es gibt keine echte Ausrede mehr.