Noise-Control beim Hausbau: Bau- und Raumakustik beachten

Frank Kessler Noise-Control beim Hausbau: Bau- und Raumakustik beachten
Foto: Roland Riethmüller

Noise-Control ist im Grunde die moderne Bezeichnung für das, was es schon seit jeher gab: den Schallschutz. Was sich jedoch geändert hat, sind die Bedürfnisse der Häuslebauer, die nach immer mehr Ruhe fordern, und der Lärm der Umwelt, der immer massiver zu werden scheint. An den Schallschutz zu denken und diesen beim Hausbau zu berücksichtigen, macht also in jedem Fall Sinn – doch worauf kommt es an?

Alte Häuser sind häufig hellhörig und nicht für ein modernes, ruhiges Lebensumfeld gebaut. Doch in diesem Gebiet gibt es für zeitgemäßes Bauen viele Innovationen. Einen Überblick über die Akteure der Branche bietet die acoustex, die Fachmesse für akustische Lösungen. Dort versammeln sich seit 2018 Aussteller aus sämtlichen Branchensegmenten im Akustikbereich, mit vielen praxisorientierten Inhalten, inklusive Architekten und Bauphysikern. Zukunftsweisende Akustiklösungen beim Hausbau sind dort ein großes Thema.

Der Schallschutz beim Hausbau ist vielfältig

Schallschutz bedeutet für sich betrachtet zunächst einmal die Verringerung des Schalls von einer Schallquelle auf den Empfänger. Je nachdem, um welche Art von Schall es sich handelt, sind verschiedene Schallschutzmaßnahmen geboten, um den Geräuschpegel zu reduzieren. Bekannt ist der Verkehrslärm, der als Luftschall die Bewohner eines Hauses erreicht und je nach Intensität sogar Fenster, Türen oder Wände zum Schwingen bringen könnte. Andere Arten sind der Trittschall und der Körperschall. Die rechtlichen Anforderungen rund ums Thema Bauakustik und Schallschatz sind im Baulexikon Baunetz-Wissen zusammengefasst.

Die Klassiker beim Schallschutz: Fenster und Türen

Zu den ersten Maßnahmen, die beim Schallschutz wichtig sind, zählen die Wahl des Baumaterials, die Wahl der Fenster und die Wahl der Türen. Was wie wirkt, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Schwere Bauteile, wie etwa Kalksandstein, Beton oder Vollziegel, werden vom Luftschall vergleichsweise wenig berührt. Gefüllte Maurerziegel können sogar auf Schallschutzwerte von bis zu 60 Dezibel kommen. Das sorgt für mehr Ruhe im Rauminneren. Um nicht nur die Luftschallemissionen zu verringern, sondern auch die Trittschallemissionen zu reduzieren, ist die Bodeneindeckung von großer Bedeutung. Zurück zu Teppich und PVC muss jedoch heute keiner mehr. Auch Laminatböden gibt es längst mit einer funktionieren (!) Trittschalldämmung.

Mit Schallschutzfenster bleibt der Lärm sicher draußen

Mit Blick auf die Fenster gibt es spezielle Schallschutzfenster, die den Lärm einer vielbefahrenen Straße ebenso abschirmen wie den der rücksichtslosen Nachbarn. Aus dem Fensterrahmen und der Schutzverglasung ergibt sich ein sogenanntes Schalldämmmaß, das angibt, wie sehr der Außenlärm reduziert werden kann. Als Faustregel gilt dann beispielsweise, dass ein Schalldämmwert von 30 dB an einer wenig befahrenen Straße ratsam ist, die in 26 bis 35 Meter Entfernung liegt. Ein Fenster mit dem Schalldämmwert von 30 dB würde den Außenlärm um 30 dB reduzieren. Von den insgesamt sechs Schallschutzklassen (SSK), werden vor allem Fenster in den Schallschutzklassen zwei bis vier verbaut. Diese reduzieren den Schall um 30 bis 34 dB (bei SSK 2), um 35 bis 39 dB (bei SSK 3) und um 40 bis 44 dB (bei SSK 4).
Griffiger für Häuslebauer ist oft auch die Verkehrsdichte, der messbare Außenlärmpegel rund ums Eigenheim oder die Entfernung des Wohnhauses zur Straße. Die Schallschutzklasse I ist dann die beste Wahl, wenn der Außenlärmpegel bei 55 dB liegt, die Verkehrsdichte sich zwischen 10 und 50 Fahrzeugen pro Stunde bewegt und das Wohnhaus mehr als 35 Meter von der Straße entfernt liegt.

Diese Türen halten besonders viel Lärm vom Wohnraum ab

Verbundsicherheitsglas ist nicht nur sicherer als Einscheibensicherheitsglas, sondern bietet sowohl mehr Wärmedämmung als auch mehr Schallschutz. Verbundsicherheitsglas besteht aus zwei einzelnen Sicherheitsglasscheiben, die mit einer Folie umhüllt sind. Diese sehen die Häuslebauer natürlich nicht, allerdings ist das Angebot vor allem bei Familien mit Kindern oder Haustieren sehr beliebt. Wenn eine Glastür mit Verbundsicherheitsglas zerbrechen würde, würde die Folie die Splitter zusammenhalten, so dass die Verletzungsgefahr vergleichsweise gering wäre. Türen mit Glaselementen werden vor allem deswegen verbaut, um Licht ins Rauminnere zu lassen.

Ist der Häuslebauer hingegen an einer Kunststofftür interessiert, entscheidet vor allem die Einlage darüber, wie schalldicht die Tür wird. Eine Einlage aus Röhrenspanplatten ist die Option mit dem größten Schallschutz-Potential. Es handelt sich dabei um eine Spanplatte, die mit Röhren durchbrochen ist. Diese Türen sind langlebig und sorgen sowohl für eine angenehme Wärmedämmung als auch für einen guten Schallschutz. Noch einen Tick mehr Lärm halten Kunststofftüren mit einer Einlage aus einer Vollspannplatten zurück. Der Nachteil: Sie sind sehr schwer und könnten sich verziehen.

Ähnlich wie bei Fenstern sollten Türen auch mit Blick auf die Nutzung und die Schallschutzklasse ausgewählt werden. Im Schlafzimmer, im Kinderzimmer sowie in Büroräumen in Privatgebäuden sind höhere Schallschutzklassen zu empfehlen. Türen der Schallschutzklasse 1 reduzieren den Lärm bereits um 25 bis 29 Dezibel. Türen der Schallschutzklasse 2 reduzieren den Schall um 30 bis 34 Dezibel. Türen der Schallschutzklasse 3 reduzieren den Schall um 35 bis 39 Dezibel.

Der neue Trend heißt „Silent Living & Working“

Auf einen der Immobilie angepassten Schallschutz zu achten, ist mittlerweile nicht mehr genug. Stattdessen geht es darum, den privaten Wohnraum als ruhigen Rückzugsort auszurichten bzw. ein ruhiges Arbeiten im Home-Office zu ermöglichen. Die Noise-Control – also die aktive Kontrolle über fremdeinwirkende Geräuschkulissen – ist dabei nur ein Teil. Darüber ist auch die Raumakustik ein entscheidender Faktor, was in der Praxis bedeutet: Die sogenannte Nachhallzeit sollte (in Wohn- und Arbeitsräumen) möglichst gering sein.