Ratgebertexte für die Firmenwebseite: Mit Schreibersinn und Meisterverstand

Ratgebertexte für die Firmenwebseite: Mit Schreibersinn und Meisterverstand
Foto: Christian Seidel / pixelio.de

Es dürfte nur noch wenige Handwerksbetriebe geben, die nicht mit einer zumindest kleinen Webseite im Internet vertreten sind. Viele Firmenchefs wissen zudem auch, dass eine der simpelsten Möglichkeiten für ein besseres Ranking seiner Homepage auf Suchmaschinen darin besteht, die Seite regelmäßig um informative, hochwertige Inhalte zu ergänzen.

Ratgeber, die sich direkt an den potenziellen Kunden richten, sind dabei eine geradezu ideale Kombination. Denn einerseits sorgen sie für die ständige Aktualität, zum anderen nehmen sie den Leser mit, erklären, geben Tipps und führen ihn somit über einen indirekteren Weg an den Handwerksbetrieb heran, den er vielleicht sonst nie kennengelernt hätte – ein wichtiger Marketingbaustein, denn der Betrieb, der dem Leser heute gute Tipps gibt, ist mit hoher Sicherheit morgen derjenige, den dieser Leser ruft, wenn er Handwerksleistungen benötigt. Daher ist es wichtig, qualitativ hochwertige Ratgeber für den Leser zu liefern.

1. Eine stabile Themenwahl

"Worüber soll ich denn schreiben?" fragt sich nun mancher Leser. Ganz einfach: Schöpfen Sie aus dem gewaltigen Wissen, das Sie in Ihrer Eigenschaft als Handwerksmeister besitzen. Es gibt in jeder handwerklichen Sparte zwischen Tiefbau und Dachdeckung unzählige Themen, über die es sich zu schreiben lohnt. Einige Denkanstöße:

  • Erklärende Texte über einzelne Fachgebiete. Etwa: "Der richtige Sonnenschutz für den Bau"
  • Hilfestellungen für Arbeiten, für die Kunden sowieso selten bis nie den Handwerker benötigen würden. Etwa: "Fenstermechaniken pflegen wie ein Profi" für eine Fensterbauer-Homepage oder "Ordnung in der Holzwerkstatt" aus Sicht eines Schreinermeisters.
  • Auswahlhilfen für Themen, bei denen der Kunde die Qual der Wahl hat. Beispielsweise "Tipps für die Planung des Spülbereichs" vom Küchenbauer oder "Fest, abnehm- oder klappbar: Welche Anhängerkupplung solls sein?" aus der Feder eines Kfz-Meisters
  • Erklärendes über interessante Projekte, ggf. sogar als multimedialer Mehrteiler im Stil von "Wie das altdeutsche Schieferdach ein neues Leben bekam" vom Dachdeckermeister.

Wichtig ist nur, dass man in seinem handwerklichen Fachbereich bleibt und darauf achtet, dass jeder Artikel einzigartig ist – auch in dem Sinne, dass man niemals „Copy + Paste“ macht, d.h. keine Texte, auch nicht auszugsweise, anderer kopiert –Urheberrechtsverletzung.

2. Werbegedanken hintenanstellen

Natürlich, originärer Sinn und Zweck dieser Artikel ist es, für sein eigenes Unternehmen zu werben. In den Texten selbst jedoch hat Werbung keinen Raum. Auch Laien sind heute in der Lage, werbliche Texte von solchen zu unterscheiden, in denen sie echten informativen Mehrwert bekommen.

Genau darum sollte es auch gehen. Wenn der Leser im Umfeld eines derart gehaltvollen Textes eine Möglichkeit bekommt, das Unternehmen zu kontaktieren – etwa durch Einbindung eines Buttons, der auf eine Seite mit Kontaktdaten führt – genügt das völlig. Der Leser befindet sich ja bereits auf der Firmenhomepage und weiß dementsprechend, dass dieses Informationsangebot somit gewerblicher Herkunft ist.

3. Flüssiges Schreiben

Wir kommen zum wahrscheinlich schwierigsten Punkt dieses Artikels, dem attraktiven, leserfreundlichen, verständlichen Schreiben selbst. Wer das als Handwerksmeister nicht eben als Hobby betreibt, wird darin wahrscheinlich nur rudimentäre Erfahrungen besitzen.

Tatsächlich ist es jedoch in der Praxis meist nicht so schwer. Das wichtigste, was man sich merken sollte:

  1. Man schreibt für berufsferne Laien. Die Verwendung von Fachwörtern und Abkürzungen sollte nach Möglichkeit unterbleiben oder jedes dieser Elemente mit einem Link zu einer Lexikon-Seite auf der Homepage unterlegt werden.
  2. Bitte nicht zu gestochen schreiben. „Das Fundament der schaffenden Zunft beruht auf Aurum“ klingt im Vergleich zum inhaltsgleichen „Handwerk hat goldenen Boden“ einfach nur hölzern.
  3. Aktiv schreiben, notfalls mit man-Konstruktion. Also nicht „Zunächst wird die Tapete angefeuchtet“, sondern „Zunächst feuchtet man die Tapete an“. Es heißt nicht umsonst unpersönliches Passiv – denn es liest sich auch unpersönlich und somit abweisend.
  4. Nach Möglichkeit nicht mehr als maximal 20 Wörter pro Satz. Wenn sich ein Lang-Satz nicht flüssiger verkürzen lässt, dann mit Gedankenstrichen, Doppelpunkten und Semikolons arbeiten.
  5. Hat man einen Absatz fertig, sollte man ihn online auf seine Lesbarkeit hin abklopfen. Dazu kommt der sogenannte Flesch-Reading-Ease-Score zum Einsatz, ein standardisierter Lesbarkeitsindex – der übliche Standard in der Schreiberwelt. Für handwerkliche Ratgebertexte sollte man einen Score zwischen 45 und 60 anpeilen. Der ist halbwegs anspruchsvoll, aber immer noch für alle Lesergruppen verständlich.

4. Schön untergliedert

Was die großen Ratgeber-Schreiber dieser Welt alle von den normalen Journalisten und auch den Romanautoren unterscheidet, ist ein spezielles Detail: Der Textfluss.

In der Zeitung wird alles untereinandergeschrieben, im Buch besteht jede einzelne Seite nur aus Sätzen. Wer jedoch Ratgeber in diesem Sinne verfasst, befindet sich thematisch viel dichter an jenen Büchern und Skripten, die man damals auf der Meisterschule benutzte.

Ratgeber haben keine Story, die als roter Faden verfolgt werden kann. Außerdem muss man bedenken, dass sie für die digitale Welt geschrieben werden müssen, wo die Bildschirmgrößen von dutzenden Zoll eines PCs bis zum Mini-Display eines kleinen Smartphones reichen.

Das bedeutet:

  1. Fließtext in viele einzelne Abschnitte unterteilen. Spätestens alle drei, vier Sätze sollte ein Absatz folgen, damit auch auf kleinen Displays keine große Textmasse entsteht, die unübersichtlich wirkt.
  2. Wenn man etwas mit kurzen Stichsätzen abkürzen kann, sollte man es auch tun – und sie wie diese Punkte hier untereinander gliedern.
  3. Immer versuchen, aus dem ganzen Artikel eine Abfolge von Ereignissen zu machen, die mit Zwischenüberschriften untergliedert wird – das kann "Schritt 1, 2". usw. sein, aber auch spezifischer sein: "1: Die Wahl der richtigen Pflanzstelle. 2: Das Ausheben des Loches. 3: Das Einschlämmen des Umfeldes".

Auf diese Weise sieht der ganze Ratgeberartikel schmackhafter fürs Auge aus und hilft dem Leser, nicht den Faden zu verlieren.

5. Die digitale Welt liebt digitale Medien

Abermals möchten wir an dieser Stelle an all die Handbücher aus der Meisterschule erinnern, weil diese natürlich auch – sehr professionelle, spezifische – Ratgebertexte sind. Sehr häufig wird man darin Grafiken gesehen haben, Fotos mit erklärenden Bildunterschriften, vielleicht Zeichnungen.

Diese grafischen Elemente waren darin, weil es stimmt, dass ein Bild manchmal mehr als tausend Worte sagt. Man könnte beispielsweise ellenlang über die Unterschiede zwischen Mauerwerkssteinen auf einer Hochbauer-Homepage schreiben. Ebenso gut könnte man aber auch eine bebilderte Tabelle erstellen, in der alle Fakten eng beieinanderliegen.

Es ist natürlich auch problemlos möglich, Videos einzubinden, sofern das darin Gezeigte zum Thema passt.

Nie sollte man jedoch eines vergessen: Die besten Ratgebertexte sind die, bei denen alles aus einer Hand kommt. Wer also beispielsweise als Dachdeckermeister erklären möchte, wie ein Dachstuhl aufgebaut wird, sollte selbst mit Foto- oder Videokamera hochsteigen und knipsen. Nebenbei hat man den Vorteil, niemals bildrechtliche Scherereien befürchten zu müssen, wie sie beim Verwenden von Stockfotos mitunter schon durch eine falsche Urheberangabe entstehen können. 

6. Rechtschreibung ist eine Bringschuld

Vielleicht hat der eine oder andere schon mitbekommen, wir sehr Sprachwächter über das Internet klagen, welche negativen Folgen es doch für die deutsche Schriftsprache habe. Vieles davon mag überzogen sein, an einem Punkt haben die Sprachschützer jedoch recht: Das Internet darf bei aller Lockerheit nicht als regelloser Raum gesehen werden.

  1. Niemand erwartet auf einer Handwerker-Webseite Rechtschreibsicherheit wie im Duden. Aber die Grundregeln von Groß- und Kleinschreibung sowie der Kommasetzung muss man einfach umsetzen, sonst wirkt auch ein ansonsten guter Text unprofessionell.
  2. Jedes Schreibprogramm verfügt über eine zuschaltbare Rechtschreibkontrolle. Diese sollte immer eingeschaltet sein. Sie wurde genau deshalb programmiert, weil nicht jeder ein Deutsch-Oberstudienrat ist.
  3. Der Duden hat natürlich eine Webseite, auf der man nachschlagen kann.

Dazu ein finaler guter Rat: Wenn man ein Fachwort nutzen will, das man selbst schon falsch schreibt, sollte man es weglassen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass längst nicht jeder Leser es kennt – und darum genau geht es ja: Jedem Besucher seiner Webseite ein handwerklich professionelles Thema laiengerecht zu erklären. Eine Mehrarbeit zwar, aber eine, die sich immer bezahlt macht, wenn sie gut ist.