Renovierung: Was kann der Kunde selbst und wo muss der Profi ran?

Renovierung: Was kann der Kunde selbst und wo muss der Profi ran?
Foto: Roland Riethmüller

Egal, ob Haus oder Wohnung: Wenn sie in die Jahre kommen, sind Renovierungen unumgänglich. Oder beim Kauf eines Altbaus, den man vor dem Bezug erst nach den eigenen Wünschen herrichten und aufhübschen will. Dabei tendieren manche Menschen dazu, einfach die notwendigsten Reparaturen vorzunehmen, um das Gebäude instand zu halten. Andere wiederum achten darauf, bei der Renovierung modernste Technik einfließen zu lassen. Wenn schon, denn schon.

Allerdings sind den Künsten der Hobby-Handwerker oft Grenzen gesetzt. Wenn es gut aussehen und fachlich korrekt ausgeführt sein soll, muss der Profi Hand anlegen. Welche Dinge können begabte Heimwerker selbst tun und in welchen Bereichen sollte der Profi ran?

Erstes Kriterium: Budget und Fähigkeiten

Eine wichtige Rolle wird bei jeder Entscheidung das Budget spielen. Wer wenig Geld investieren kann oder will, der möchte notgedrungen vieles in Eigenregie erledigen. Die wenigsten Menschen sind aber handwerklich in allen Bereichen gleich gut begabt. Wie oft hat man denn schon einen Laminatboden mühsam herausgerissen oder den Dachstuhl höher gesetzt, um Platz für ein neues Kinderzimmer zu schaffen?

Daher müssen die Grenzen zwischen „Do-it-yourself“ und „Do-it-for-me“ auf jeden Fall dort gezogen werden, wo die eigenen Fähigkeiten nicht besonders ausgeprägt sind oder keine Vorkenntnisse vorhanden sind. Das Ergebnis könnte unschön aussehen und zur Ausbesserung nach einigem Materialverbrauch dann doch den Einsatz eines „echten“ Handwerkers erforderlich machen. Wer ein wenig kreativ und handwerklich begabt ist, kann durchaus hochwertige Umbauarbeiten selbst realisieren.

Zweites Kriterium: Sicherheitsrisiken und Vorschriften

Es ist ein Unterschied, ob man ohne Vorkenntnisse versucht, eine Wand selbst zu streichen, die hinterher ungleichmäßig angemalt ist oder ein Dach zu decken, das nicht dicht ist und beim nächsten Regen einen Wasserschaden verursacht. Oder wenn man dabei von der Leiter oder vom Dach fällt, weil man noch nie zuvor dort herumgeklettert ist, geschweige denn, mit Dachziegeln und Dämmungen zu tun hatte.

Daher ist es unbedingt wichtig, alle gefährlichen und kritischen Arbeiten den Profis zu übertragen, die genau wissen, wie sie die Arbeit korrekt verrichten müssen, ohne dass sie selbst, das Gebäude oder jemand anderes zu Schaden kommt.

Dazu kommen gesetzliche Vorschriften wie beispielsweise die Niederspannungsanschlussverordnung, die genau regelt, welche Arbeiten an den Elektroinstallationen von Privatpersonen vorgenommen werden dürfen und welche der Elektriker erledigen muss. Dazu gleich noch mehr im separaten Absatz.

Auch wer neue Rohre verlegen möchte, weil die alten vielleicht rosten oder Zimmer und somit Anschlüsse getauscht werden müssen, kann dies nur in bescheidenem Rahmen tun, denn er darf sich nicht an den öffentlichen Wasser- und Abwasserleitungen zu schaffen machen.

Ein weiteres Sicherheitsrisiko sind Eingriffe in tragende Teile. Wer Wände einreißt oder durch irgendwelche baulichen Veränderungen die Statik verändert (auch unwissentlich), der riskiert einen Einsturz. Ohne die fachliche Beratung durch einen Architekten oder Statiker sollten solche massiven Eingriffe nicht vorgenommen werden.

Sonderkriterien: Banken und Versicherungen

Beim Bauen und Renovierungen prüfen die Banken bei den Kreditanfragen auch die Höhe der Eigenleistungen. Die Grenze liegt durchschnittlich bei 10 bis 20 Prozent. Die Banken prüfen dabei auch, inwiefern die Materialkosten einbezogen sind und ob der Kunde handwerkliche Begabungen vorweisen kann, eventuell selbst Handwerker ist und ob er die Arbeiten innerhalb eines realistischen Zeitraums umsetzen kann. Banken geben jedoch häufig nur grünes Licht bei Eigenleistung statt Eigenkapital, wenn die Kunden wirklich entsprechende Fähigkeiten nachweisen können.

Kunden, die damit rechnen, etwas selbst herzustellen oder selbst einen Boden zu verlegen, obwohl sie keine Ahnung davon haben, verschätzen sich leicht sowohl zeitlich als auch mit den Materialkosten. Spätestens, wenn sie ihren Stundeneinsatz dann in Geld umrechnen, liegen sie teurer als wenn ein Profi die Arbeit ausgeführt hätte.

Wichtig sind auch die Versicherungen. Eigenleistungen sind in Ordnung. Aber einer alleine wird nicht alle Arbeiten bei einer großen Renovierung in kurzer Zeit ausführen können. Also werden Freunde und Familie hinzugezogen, die gerne tatkräftig aushelfen. Aber was ist, wenn etwas passiert? Vor der Renovierung ist also zu klären, inwiefern die Helfer von der eigenen Versicherung abgedeckt sind. Profis kennen sich besser aus und haben einen eigenen gültigen Versicherungsschutz.

Werkzeug

Für bestimmte Arbeiten sind auch passende Werkzeuge wichtig. Einen Malerpinsel zu beschaffen, ist nicht das Problem. Aber beispielsweise für das Verlegen von Böden und das Entfernen der alten Böden, braucht man teilweise Spezialwerkzeug. Beispielsweise einen Bodenstripper, den man für das Entfernen von Teppichen, Fliesen, Parkettböden, oder Beschichtungen benötigt.

Diese Geräte hat man im Normalfall nicht im eigenen Werkzeugvorrat. Diese Maschinen können selbstverständlich geliehen werden, aber klappt auch der Umgang mit einem unbekannten Gerät auf Anhieb oder kommt es eher zu einer Verschlechterung der zu renovierenden Flächen? Zudem kostet der Verleih auch Geld und je länger der ungeübte Handwerker braucht, desto teurer kommt die Angelegenheit.

Demgegenüber sind Profis schneller und geübter im Umgang und bringen das benötigte Werkzeug mit an die Baustelle. Unter dem Strich wird das wohl die günstigere und zudem fehlerfreie Variante werden.

Müllentsorgung und Bauschutt

Bei großen Renovierungsarbeiten entsteht oft eine Menge Bauschutt. Aber wohin damit? Teppichreste, Tapetenreste, altes Holz, Dachziegel, Dämmwolle, Mauerreste, … Welcher Abfall ist wo zu entsorgen? Hier sind die meisten überfragt. Einfach alles in die Mülltonne stopfen ist natürlich auch nicht möglich.

Hier ist es besonders hilfreich, wenn ein professionelles Entsorgungsunternehmen zu Rate gezogen wird. Diese Unternehmen kennen sich genau aus und sorgen für eine korrekte Entsorgung, die aber keine Bußgelder nach sich zieht, wie es bei falscher Entsorgung passieren könnte.

Elektrik

In allen Räumen ist mindestens für die Beleuchtung, aber auch für Telefon, Radio, TV oder Küchengeräte (Herd, Kühlschränke), sowie Waschmaschine und Ähnliches Elektrik wichtig. Aus Sicherheitsgründen ist jedoch streng geregelt, was der Privatmann erledigen darf und wo zwingend ein Fachmann Hand anlegen muss.

Dazu gibt es sogar eine gesetzliche Regelung, nämlich die Niederspannungsverordnung, die besagt, dass nur Elektriker, die in das Installateur-Verzeichnis eines Stromnetzbetreibers eingetragen sind, an elektrischen Anlagen arbeiten dürfen. Da auch eine Schlafzimmerlampe oder eine beliebige Steckdose am öffentlichen Versorgungsnetz angeschlossen sind, darf der ambitionierte Heimwerker im Grunde genommen nicht einmal eine Lampe selbst anschließen.

Der Heimwerker darf also beispielsweise die neue Anlage planen und entsprechende Schlitze für die Stromleitungen in die Wand stemmen, Glühbirnen wechseln und Kinderschutz an den Steckdosen anbringen, aber das war es dann auch.

Der Fachmann ist zu rufen bei der Neuverlegung der Hausinstallationen, Arbeiten am Hausanschluss- oder Sicherungskasten, dem Anschluss von Lampen, dem Anbringen oder Austauschen von Steckdosen, dem Anschluss und der Reparatur des Elektroherds.

Sogar das Verlegen von Leerrohren und Leitungen, dem Einziehen von Kabeln und Drähten darin, dem Setzen der Unterputzdosen oder der Befestigung des Verteilers und des Zählerschranks dürfen höchstens unter der Aufsicht einer fachlich ausgebildeten Person vorgenommen werden!

Dacharbeiten

Alle Arbeiten am Dach und Arbeiten, die die Statik betreffen, sollten aus Sicherheitsgründen ganz dringend von Fachleuten ausgeführt werden. Fehler in diesen Bereichen können lebensgefährlich sein.

Möbel renovieren

Viele Menschen haben Spaß daran, in neu renovierte Räume mit neuem Anstrich und neuen Teppichen auch ihre Möbel aufzupolieren. Aber wer sich nicht damit auskennt, kann hier versehentlich großen Schaden anrichten.

Beispielsweise durch falsches Abbeizen können unschöne Verfärbungen entstehen oder die Beschläge werden mit einem zu scharfen Reinigungsmittel bearbeitet. Bei billigen Möbeln mag das keine große Rolle spielen, doch bei wertvollen Antiquitäten oder Stücken mit einem hohen ideellen Wert sollte nur ein Fachmann Hand anlegen.

Fazit: Was bleibt also am Ende für den Heimwerker und für den Profi übrig?

Man kann sagen, dass Renovierungen am schnellsten und besten von einem Profi erledigt werden. Profis haben die notwendigen Kenntnisse und Werkzeuge und können besonders folgende Arbeiten schnell und fachgerecht erledigen:

  • Tätigkeiten, die Eingriffe in die Bausubstanz und in tragende Teile betreffen
  • Dacharbeiten
  • elektrischen Arbeiten
  • Rohranschlüsse
  • Umfangreiche Arbeiten wie das Verlegen von Fußbodenheizungen
  • Alle sicherheitsrelevanten Arbeiten und Arbeiten, bei denen gesetzliche Vorschriften verbindlich eingehalten werden müssen

Ein Laie, der ein klein wenig handwerkliches Feingefühl an den Tag legt, kann durchaus folgende Tätigkeiten alleine durchführen:

  • Abschleifen der alten Lacke von Tür- und Fensterrahmen oder Holztreppen
  • Abklopfen des Außenputzes
  • Ausbauen der Bad-Armaturen
  • Ausbauen von Türen und Fenstern
  • Deinstallation alter Heizkörper
  • Entfernung alter Tapeten und Bodenbeläge