Unternehmen erhalten weniger Kredite: Wie stehen die Chancen für Handwerksbetriebe?

Unternehmen erhalten weniger Kredite:  Wie stehen die Chancen für Handwerksbetriebe?
Foto: Roland Riethmüller

In den letzten Jahren schien es mit der Wirtschaft nur noch bergauf zu gehen. Inzwischen mehren sich Anzeichen, dass die Konjunktur mit einem Dämpfer rechnen muss. Trump und dessen erratische Wirtschaftspolitik sind nur eine Herausforderung. Auch Ereignisse wie der Ausbruch des Corona-Virus in Asien bereiten Sorgen. Welche Auswirkungen ergeben sich für Handwerksbetriebe in Deutschland?

Auf den ersten Blick haben diese wenig mit der weltpolitischen Lage zu tun. Auf der anderen Seite haben wirtschaftliche Missstimmungen das Potenzial, auch die Handwerker zu treffen – wenn Banken zu einer rigorosen Vergabepolitik bei Krediten zurückkehren. Einer Pressemeldung zufolge geht die Kreditneuvergabe bereits zurück. Steckt dahinter vielleicht ein Alarmsignal für Handwerker, die in den kommenden Monaten eigentlich eine Finanzierung geplant haben?

Die Gründe für den Kreditrückgang

Unternehmen greifen heute in sehr vielen Szenarien zu Finanzierungen. Angesichts der Entwicklung, welche die Pressemeldung der KfW umreißt, gleich alle Alarmglocken schrillen zu lassen, ist allerdings doch deutlich übers Ziel hinausgeschossen. Fakt ist, dass Banken bzw. die Kreditanstalt für Wiederaufbau nach wie vor ein positives Wachstum im gewerblichen Segment sehen. Fakt ist aber auch eine zunehmende Verlangsamung der Kreditaufnahme durch Unternehmen.

Im zweiten Quartal 2019 erreichte die Zuwachsrate 7,0 Prozent, was in jedem Fall ein beachtliches Ergebnis darstellt. Der Einschnitt auf 4,6 Prozent für das Folgequartal ist daher deutlich spürbar. Trotzdem haben Unternehmen gegenüber dem Vorjahr immer noch eine anhaltende Nachfrage nach neuen Finanzierungen. Aber: Die KfW geht von einer sich weiter verlangsamenden Entwicklung aus. Gründe gibt es hierfür verschiedene.

  • Politische Instabilität: Seit der Wahl Donald Trumps und dem Brexit hat sich das Wirtschaftsklima verändert. Globaler Handel scheint zu einer Zielscheibe geworden zu sein. Die politischen Verwerfungen zwischen den USA und China oder den Vereinigten Staaten und der EU sind deutlich sichtbar. Und belasten den Handel. Viele Unternehmen sind inzwischen zurückhaltender, was neue Investitionen angeht.
  • EZB-Politik: Die Europäische Zentralbank hat in den zurückliegenden Jahren den Kapitalmarkt und die Wirtschaft massiv unterstützt. Niedrige Leitzinsen und Anleihekäufe gehörten zu den Hauptinstrumenten. Inzwischen setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Möglichkeiten schrumpfen.

Beide Faktoren tragen dazu bei, dass belastende Faktoren zunehmend in den Fokus rücken. Für Unternehmen bedeutet dies, dass Kapazitäten wieder zurückgefahren werden. Mittelfristig dürfte sich hieraus ein Szenario ergeben, welches weniger Investitionen nach sich zieht. Und damit verringert sich folgerichtig auch die Nachfrage nach neuen Anlagen und Maschinen. Trends, die sich auch auf die Kreditvergabe auswirken können.

Noch sieht die KfW entsprechend der Pressemeldung anscheinend ein Klima günstiger Finanzierungskonditionen. Es häufen sich allerdings Signale, die eine zunehmend „steife Brise“ – in Form höherer Ablehnungsquoten – voraussagen.

Wie stehen die Chancen für Handwerksbetriebe auf eine Kreditfinanzierung?

Handwerksbetriebe gehören wie jedes andere Unternehmen auch zum Geschäftskundensegment für die Banken. Im direkten Vergleich mit privaten Haushalten gelten hier mitunter andere Regeln. Dies betrifft zum einen Tatsache, dass Geschäftskonten nur in seltenen Fällen ohne Kontoführungsgebühr auskommen. Auf der anderen Seite wirken sich die Unterschiede auch bei der Antragstellung und eigentlichen Kreditvergabe aus.

Ein sehr wichtiger Aspekt ist und bleibt für den positiven Bescheid zum Kreditantrag immer noch die Bonität. Unternehmen/Handwerksbetriebe haben hier insofern ein Problem, als dass sie aus Sicht der Banken natürlich erheblichen Unsicherheiten gegenüberstehen. Zahlen Kunden ihre Rechnungen nicht pünktlich, entstehen sehr schnell Engpässe in der Liquidität. Verschärft wird eine solche Situation durch die Tatsache, dass Handwerksbetriebe laufende Kosten zu decken haben. Es geht hier um Werkzeuge, Lohnkosten und Materialkosten. Dieser Mangel an finanzieller Sicherheit ist einer der Hauptgründe dafür, dass Unternehmen oft sehr viel höhere Hürden bei der Kreditvergabe zu überwinden haben als private Haushalte.

Kleine Betriebe haben es immer noch schwerer

Besonders schwer haben es in der Kreditvergabe immer noch kleine Betriebe und Neugründungen. Hier geht es einerseits um das wirtschaftliche Risiko, das durchaus sehr real sein kann. Auf der anderen Seite spielt eine Rolle, dass neue Betriebe einerseits kaum belastbare Zahlen vorweisen können. Auf der anderen Seite schwankt die wirtschaftliche Situation in vielen Neugründungen deutlich.

Welche Unterlagen braucht eine Bank, um über den Kredit letztlich zu entscheiden? Wichtige Dokumente sind:

  • Unterlagen zum Kreditnehmer (bei Einzelunternehmen)
  • Bilanzen oder
  • Steuerbescheide
  • BWA
  • Vertragsdokumente oder
  • Auftragsbücher.

Dass es Banken so genau wissen wollen, hat natürlich den Grund in der Bonitätsprüfung. Anhand dieses Einblicks in die wirtschaftliche Entwicklung kann der Kreditgeber abschätzen, wie riskant die Kreditvergabe wird.

Kreditvergabe wird gerade im privaten Bereich immer unkomplizierter

Unternehmen sind auf schnelle Kreditentscheidungen angewiesen, sehen sich in einem zunehmend von Spannungen geprägten Umfeld aber mit Herausforderungen konfrontiert. Private Haushalte bekommen von dieser Entwicklung zumindest derzeit nicht allzu viel mit. Ein Grund: Die Konditionen für private Darlehen sind seit Jahren ausgezeichnet. Und es zeichnet sich hier bisher auch kein erkennbarer Trendwechsel ab. Die Zinsen – sowohl für den Bereich der Baufinanzierung als auch den Konsumfinanzierungen – sind seit Jahren laut Bundesbank auf einem sehr niedrigen Niveau.

Und es gibt noch ein paar positive Veränderungen: Die Kreditvergabe an Haushalte und private Kreditnehmer ist in den letzten Jahren einfacher geworden. So lassen sich neben einem Vergleich der Angebote heute auch schon viele weitere Schritte des Antragsprozesses online ausführen. Gute Beispiele sind das Videoident-Verfahren und das Hochladen von Kreditunterlagen.

Mitverantwortlich für diese Entwicklung ist die zunehmend stärker werdende Präsenz der FinTech-Branche. Diese Dienstleister setzen auf eine starke Digitalisierung des Vergabeprozesses. Mit dem Einsatz von Algorithmen kann das Prozedere deutlich gestrafft werden. Die Bewertung der Bonität ist wesentlich schneller erledigt. Außerdem sorgen:

  • Digitaler Kontocheck
  • Video-Ident-Verfahren
  • Upload der Dokumente ins digitale Postfach

für einen deutlich weniger zeit- und personalintensiven Aufwand für die Antragsbearbeitung. Wann können Handwerker damit rechnen, dass solche Rahmenbedingungen auch im Bereich der Kreditvergabe für Geschäftskunden Einzug halten?

Gerade im Bereich der KMUs haben die technischen Möglichkeiten bereits Einzug gehalten. Ein Beispiel ist die Rechnungsvorfinanzierung, welche heute komplett digitalisiert angeboten wird. Aber auch niedrige Summen werden von Banken inzwischen für Gewerbekunden automatisiert verarbeitet. Wo es wahrscheinlich noch etwas dauern wird, bis Digitalisierung und Algorithmen das Ruder übernehmen, sind Förderdarlehen und Kredit mit höheren Summen. Hier werden Banken auch in Zukunft noch sehr genau hinschauen.

Bankkredit vs. Förderdarlehen

Handwerksbetriebe bekommen immer noch Kredite. Diese Nachricht stellen wir hier bewusst voran. Welche Kredite eigenen sich für diese Zielgruppe besonders? Pauschal ist die Beantwortung schwierig. Generell ist zu prüfen, wo es die besten Konditionen gibt. Gerade für eine langfristige Finanzierung kann über Förderkredite nachgedacht werden.

Diese können allerdings im Vergabeverfahren einen etwas längeren Atem voraussetzen. Auf der anderen Seite wäre es falsch, klassischen Bankfinanzierungen von vornherein eine Absage zu erteilen. Gerade, wenn schnell Liquidität in überschaubarem Rahmen gefragt ist, hat diese Finanzierungsoption durchaus Vorteile. Letztlich kommt es sehr stark auf die Rahmenbedingungen an. Eine Rolle spielt dabei auch, wie der Handwerksbetrieb wirtschaftlich aufgestellt ist.

Tipp: Sofern sich die Ablehnung des Antrags abzeichnet, kann Crowdfunding auch für Handwerker eine ernstzunehmende Option sein.

Fazit: Handwerker müssen bei Krediten genau hinschauen

Die Kreditneuvergabe ist 2019 stark geschrumpft. Diese Erkenntnis suggeriert, dass es Unternehmen heute schwerer haben, sich mit Liquidität zu versorgen. Teilweise stimmt dieses Argument. Banken schauen sich angesichts veränderter Rahmenbedingungen die Anträge einfach genauer an. Der Rückgang lässt sich aber auch noch anders erklären – durch ein Abflauen der Nachfrage. Geopolitische Faktoren belasten die Wirtschaft. Und damit sinkt einfach die Auslastung der Kapazitäten. Für Handwerker bedeutet die Pressemeldung nicht, dass plötzlich der Kreditmarkt austrocknet. Aber: Wer nach Finanzierungen als Handwerker sucht, muss einfach genau hinschauen. Dies gilt einerseits für die Konditionen, auf der anderen Seite aber auch für dir Frage, ob sich das Unternehmen die zusätzlichen Schulden überhaupt leisten kann. Stimmt die Bilanz, sollte einer Kreditvergabe eigentlich nichts im Weg stehen.