Von Handwerkern wird vermehrt auch ein Blick für Wohndesign und Einrichtung erwartet

Von Handwerkern wird vermehrt auch ein Blick für Wohndesign und Einrichtung erwartet
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Handwerkern werden heutzutage mit zunehmender Häufigkeit ganzheitliche Dienstleistungen abverlangt. So ist nicht mehr nur der Blick für das eigene Handwerk ausreichend, sondern auch darüber hinaus. Kunden haben nämlich des Öfteren eine Vision von dem perfekten Bad, der perfekten Küche oder einer anderen Räumlichkeit. Diese Vision muss von Handwerkern umgesetzt und bei Wunsch der Kunden eventuell sogar erweitert werden.

Handwerker, die sich rein auf ihr Handwerk fokussieren, lassen sich Kundenpotenziale entgehen oder riskieren eine nach Ermessen des Kunden schlechte Bewerkstelligung der gewünschten Arbeit. Dies gefährdet unter Umständen den eigenen Beruf.

Der Kunde ist tatsächlich König!

Früher war es eine Floskel, dass der Kunde König ist. Seit Beginn und Weiterentwicklung des Internets ging alles langsam seinen Weg und sorgte dafür, dass Unternehmen ihre Dienstleistungen vermehrt an Kunden ausrichten mussten. Die globalen Big Player und Konzerne waren gewissermaßen als erstes gefordert, da ihnen die Vordenker- und Pionierrolle naturgemäß zugesprochen wird. Konzerne und Unternehmen, die ihr Geschäft am Kunden vorbei ausrichteten, mussten Einbußen hinnehmen, wie es in den USA beim Riesen Walmart der Fall war.

Im Handwerk ist die Notwendigkeit, die Dienstleistungen am Kunden auszurichten, mittlerweile auch angekommen. Konfiguratoren auf den Websites von größeren Handwerksbetrieben ermöglichen es den Kunden, Küchen, Bäder, Gärten, elektronische Systeme und weitere Komponenten nach eigenen Vorstellungen und im Rahmen großzügiger Möglichkeiten selbst zu gestalten – und wehe dem, der nicht ausreichend Gestaltungsmöglichkeiten über den Konfigurator zur Verfügung stellt! Denn die Kunden sind kreativ geworden. Sie haben durch die Inspirationen, die über Bilder in den Sozialen Medien rasant verbreitet werden, gewissermaßen Blut geleckt und wollen die kreativsten Designs in der eigenen räumlichen Ausstattung in die Tat umsetzen. Nicht selten erklären Kunden zum Beispiel, sie hätten bereits ein bestimmtes Bett auf betten.de gekauft oder eine Einbauküche bei IKEA und zeigen Fotos davon. Der Handwerker soll daraufhin dem Design der Ausstattung seine Arbeit in den entsprechenden Räumlichkeiten einpassen.

Bei einem großen Handwerksbetrieb ist es jetzt schon oder in baldigen Zeiten ein Muss, den Kunden vielfältige Optionen zur Konfiguration zu geben und diese digital attraktiv aufzubereiten. Der Kunde möchte sehen, was er bekommt, noch bevor er es bekommt.

Vermehrt Konkurrenz durch Kooperationen

Die Tatsache, dass Kunden sich eine möglichst ganzheitliche Dienstleistung wünschen, die nahezu alle Aspekte des Handwerks berücksichtigt oder über das Handwerk in herkömmlichem Sinne hinausgeht, begünstigt, dass Handwerker sich zu Kooperationen mit anderen Handwerkern zusammenschließen. Über solche Kooperationen berichten wir in unserem Beitrag Vertrauen durch Kooperationen. Von Kooperationen profitieren nahezu alle Seiten: Denn die kooperierenden Handwerker, die durch ihre Leistungen natürlich nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern sich ergänzen sollen, erschließen sich neue Kunden, indem sie sich gegenseitig die Kontakte zuspielen. An die Kunden wiederum wird zumeist ein Preisvorteil weitergereicht. Einzelne Handwerker und Handwerksbetriebe sind im Nachteil, sofern sie keine Kooperationen vorzuweisen haben. Jene wiederum, die Kooperationen unterhalten, profitieren durch diese Kooperationen in Form einer erhöhten Auftragslage und einer verbesserten Abdeckung der Kundenbedürfnisse. Um die Anforderungen des Kunden im Bereich des Wohndesigns und der Einrichtung abzudecken, ist insbesondere eine Kooperation mit Raumausstattern und Architekten vorteilhaft.

Ansprüche steigen konstant

Ein Grund, weswegen die Ansprüche an Handwerker konstant steigen, ist die permanente Entwicklung. Dazu trägt einerseits die Digitalisierung samt neuen Geräten bei, andererseits das vielfältige Kreativitätsangebot, das sich über die Sozialen Medien verbreitet.

Digitalisierung und Smart Home

In einem Interview der Süddeutschen Zeitung mit Hans Auracher, dem Vorstandsmitglied im Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechniken Handwerke, wurde auf die Anforderungen durch die Digitalisierung eingegangen. Auracher betont dabei, dass sich allem voran breit aufgestellte Unternehmen mit einem hohen Dienstleistungsangebot nicht mehr erlauben können, Personen einzustellen, die auf einem Ausbildungsniveau von vor 20 Jahren sind. Dies gehe nur noch bei Einzelunternehmern, die sich ihr Geld als Hausmeister oder durch langjährige Stammkunden verdienen. Ausbildungsbetriebe und auf dem Markt aktive Unternehmen bräuchten Mitarbeiter, die auf dem neuesten technischen Stand wären und ihre Kenntnisse permanent auffrischen würden. So sei es mittlerweile unumgänglich, dass ein Handwerker imstande wäre, Wetterfühler so zu verbauen, dass bei Sonneneinstrahlung die Rollläden herunterfahren. Als „Smart Home“ bezeichnet man es, wenn in Gebäuden die einzelnen technischen Geräte miteinander vernetzt sind und ein intelligentes Gesamtsystem bilden, das über Vernetzung Großteile oder einzelne Bereiche im Haushalt automatisiert oder leichter bedienbar macht.

Auracher gibt zugleich aber Entwarnung: Grundsätzlich stelle die Entwicklung des Smart Home bei Unternehmen, die schon seit längerem auf dem Markt wären und sich auf dem neuesten Stand gehalten hätten, vor keine neuen Herausforderungen. Denn das Smart Home sei im Gewerbebereich bereits langfristig etabliert und komme nun in den Privathaushalten an. Demzufolge sind Handwerksbetriebe, die im Gewerbebereich vernetzte Technik in den vergangenen Jahren installiert haben, für die Zukunft gut besetzt.

Kreativität durch Soziale Medien

In unserem Beitrag über den Nutzen einer Aktivität von Handwerksbetrieben in den Sozialen Netzwerken haben wir beleuchtet, dass die Sozialen Netzwerke und Medien ein wichtiger Vertriebskanal für Handwerker sind. Neben dem Vertrieb über Soziale Medien ist die Inspiration als eine zentrale Komponente zu nennen.

Soziale Netzwerke, die in diesem Kontext wichtig sind:

  • Facebook
  • Xing
  • LinkedIn
  • Instagram
  • Pinterest

Die drei erstgenannten sind primär für den Vertrieb geeignet. Instagram und Pinterest wiederum sind zwei Social-Media-Plattformen, die durch den Austausch an Bildern dominieren. Die Nutzer abonnieren die favorisierten Kanäle und es darf davon ausgegangen werden, dass sich bevorstehende Kunden Impressionen zu bestimmten Dienstleistungen einholen, ehe sie einen Handwerksbetrieb mit der Dienstleistung beauftragen. Auf Basis des Kreativitätsangebots in den Sozialen Medien wird mit zunehmender Häufigkeit die Messlatte für Handwerker gelegt: Ein Handwerker muss in der Lage sein, die Einrichtungsideen und das Wohndesign von Impressionen aus den Sozialen Medien nachvollziehen und umsetzen zu können. Dabei liefern die Kunden nicht unbedingt genaue Ausführungen zu dem, wie die Dienstleistung verlaufen soll. Sie vertrauen darauf, dass Handwerker dazu imstande sind, Vorlagen aus den Sozialen Medien akkurat umzusetzen