Wenn der Meister Papa wird: Tipps für die kürzesten neun Monate Ihres Lebens

Frank Kessler | 06.02.2020 Wenn der Meister Papa wird: Tipps für die kürzesten neun Monate Ihres Lebens
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"Wir bekommen ein Baby". Hinter diesen vier Worten dürfte die größte Umwälzung stecken, die ein Handwerksmeister im Leben erfahren wird. Doch wo für weibliche Meisterinnen natürlich schon durch den notwendigen Schutz von Mutter und Kind vieles für die kommenden Monate feststeht, müssen werdende Väter ihre Rolle und Aufgaben oft erst finden.

Nicht gerade hilfreich ist es dabei, dass die neun Monate in Wahrheit um einiges kürzer sind. Bis die Schwangerschaft bemerkt wird, vergehen mindestens zwei Wochen, bis ein Arzt das Ergebnis heimischer Tests bestätigt, ziehen weitere Tage ins Land. Zudem werden die verbliebenen Monate rasend schnell verfliegen, sodass viele werdende Väter kaum wissen, was sie wann wieso tun sollten.

Exakt das will der folgende Artikel erleichtern. Er zeigt die wichtigsten Aufgaben für den väterlichen Part der künftigen Familie, die bis zur Geburt erledigt werden sollten.

1. Vorarbeiten, delegieren, freiräumen

Für schwangere Frauen ist die Marschrichtung klar: Zwar gibt es für selbstständige Handwerksmeisterinnen (ungleich zu angestellten) keine Pflicht, Mutterschutz wahrzunehmen; allerdings werden die allermeisten Frauen natürlich die anstrengenden, gefährlichen Parts des Handwerks selbstständig einstellen.

Werdende Väter haben dagegen den Vorteil, keinerlei körperliche Einschränkungen zu erfahren – sieht man vom sogenannten Couvade-Syndrom ab, durch das auch Männer während der Schwangerschaft einige Pfunde zulegen. 

Allerdings möchte der selbstständige Papa in Spe natürlich nicht gerade auf der Baustelle sein, wenn der Anruf kommt „es geht los“. Der erste und gleichsam längste Schritt besteht darin, über die verbliebenen Monate dafür zu sorgen, dass man für die Zeit des Geburtstermins so weit wie möglich spontan und frei sein kann.

Das heißt:

  • Die Mitarbeiter instruieren und ihnen sagen, dass sie zu diesem Termin mehr Arbeit übernehmen werden müssen – das werden die meisten problemlos akzeptieren.
  • Nach Möglichkeit versuchen, Termine, die verschiebbar sind, entweder in die erste Schwangerschaftshälfte zu legen oder (weit) hinter den Entbindungstermin –in den ersten Wochen werden auch Selbstständige zuhause sein wollen.
  • Ggf. überlegen, ob man zumindest für die Zeit der Geburt und unmittelbar danach auf Leiharbeit zurückgreifen kann/möchte.

Ob man allerdings so weit gehen sollte, Aufträge „nur“ wegen der Geburt abzulehnen, ist ein sehr schwieriges Thema, das man objektiv für seinen Betrieb sorgfältig durchkalkulieren sollte – zwingend notwendig ist es nur selten.

Letzten Endes sollte man versuchen, so zu agieren, dass man sechs freie Wochen hat: Zwei vor dem berechneten Geburtstermin, weil ein Kind immer auch früher kommen kann, und vier danach, um in Ruhe mit der neuen Familie zusammen zu sein.

2. Handwerker für das Baby sein

Es gibt schwangerschaftsthematische Elemente, in die kann man sich als Mann auch dann nicht ansatzweise hineinversetzen, wenn man es von Hebammen und Co. präzise erklärt bekommt – etwa, wie sich die hormonelle Veränderung anfühlt.

Wo man allerdings als Handwerksmeister in seinem Element ist, ist bei den wohnlichen Bedürfnissen, die ein Neugeborenes hat und der technischen Ausstattung, die der Nachwuchs sehr bald benötigen wird. In die räumlichen Planungsgrundlagen des Kinderzimmers kann man sich einlesen und dann anhand dessen mit all seinen Fähigkeiten loslegen.

Denn: Auch wenn es sich dabei vielleicht um fachfremde Arbeiten handelt – welcher Heizungsbauer hat schon genügend Holz-Routine, um eine selbstkonstruierte Krippe zu bauen? – hat man natürlich generelle handwerkliche Fähigkeiten, die weit über denen anderer Väter liegen und sich auf das Thema Kinderzimmer anpassen lassen.

Und man sollte sie nutzen, um seinem Sprössling ein wahrhaft „handwerkergerechtes“ Ambiente zu schaffen, das weit über die Welt zusammengekaufter Fertigmöbel hinausgeht.

3. Als Fels in der Brandung auftreten

Schwangerschaften stellen für viele Beziehungen eine Belastungsprobe dar, besonders, wenn es sich um das erste Kind handelt. Beide haben Sorgen, Wünsche, ganz eigene Empfindungen.

Rechnet man dann noch hinzu, dass die hormonelle und körperliche Umstellung für werdende Mütter teilweise sehr belastend sein kann, sind alle Zutaten für häufige Streits vorhanden.

Viele Väter reagieren darauf mit Abschottung, vergraben sich in ihrer Arbeit, weil sie glauben, so das Problem lösen zu können. Der gute Handwerksmeister tut das jedoch nicht. Denn obschon es natürlich jeden Streit vermeidet, wenn einer der Streitenden schlicht nicht anwesend ist, ist Abwesenheit weder eine Lösung für das Problem noch für seine Symptome.

Anders formuliert:

Eine Beziehung kann nur dann an den unvermeidlichen
Schwangerschafts-Krisen wachsen, wenn man sie
gemeinsam überwindet.

Sich in Arbeit abzuschotten führt nur dazu, dass die werdende Mutter sich im Stich gelassen fühlt. So hart es klingt: Hier ist der Mann gefragt, der als „Blitzableiter“ an der Seite seiner Partnerin stehen und „es einfach aushalten“ muss.

Nichts von diesen Ausbrüchen ist persönliche Kritik, sondern eine Ausprägung der Umstände, die das Leben eines Menschen gehörig umkrempeln. Soll heißen, auch wenn eine Frau dank Rückenschmerzen, ständigem Sodbrennen, Hormon-Chaos und all den anderen Nebenwirkungen der Schwangerschaft ziemlich „ruppig“ auftreten mag, ist das kein Vorwurf gegen den Vater, sondern eher der Wunsch nach Linderung. Da sind Liebe und Verständnis die besten Antworten.

4. Planer und Logistiker für die heiße Phase sein

Eine Geburt ist, aus Sicht der Mutter, oftmals nichts anderes als reines (Gefühls-)Chaos:

  • Auch wenn die Wehen zum vorausberechneten Datum beginnen, fühlt man sich absolut noch nicht soweit – hier zeigt sich, wie schnell die neun Monate vergingen.
  • Man hat Schmerzen, die in immer kürzeren Abständen kommen und stärker werden.
  • Angst, weil man garantiert von unglaublich langen, schmerzhaften, blutigen, vielleicht lebensbedrohenden Geburten anderer Mütter gehört hat.

Das alles führt, wenn die Wehen losgehen, dazu, dass werdende Mütter schlicht nicht mehr konzentriert nachdenken können.

An diesem Punkt bekommt der Meister den vielleicht wichtigsten Job dieser ganzen neun Monate übertragen: Er muss rational und kühl agieren, muss wissen, was wann zu tun ist, bis die Frau in die Obhut der Hebamme bzw. der Ärzte übergeben ist.

Das ist auch für den Vater schwer genug. Zwar hat der keine Schmerzen, wird aber selbst genügend Ängste haben und mit seiner Frau mitleiden und nach der Geburt alles andere im Kopf haben als Einkaufslisten. Just aus diesem Grund sollte man schon lange vorher seine Helfer zusammentragen:

  • Sobald die Geburtsklinik feststeht, die exakte Route sowie Ausweichrouten (Stau) herausfinden – sowohl von Zuhause aus wie dem etwaigen Umweg, falls man von der Firma aus startet. Diese Route fährt man einige Male zu verschiedenen Uhrzeiten (auch nachts) ab, damit sie sich einprägt und man mit einer in den Wehen liegenden Partnerin auf dem Beifahrersitz nicht durch die Navi-App des Handys tippen muss.
  • Die Babyschale anschaffen und mehrfach üben, wie man sie ins Auto bringt, dort befestigt und wieder herausnimmt.
  • Die Geburtstasche nach den etablierten Regeln packen und dafür sorgen, dass man sie immer griffbereit hat. Dazu vielleicht auch eine eigene Tasche befüllen – eine Geburt kann sich hinziehen. 
  • Eine Mappe zusammenstellen, in der man alles zusammenträgt, was für die Geburt bzw. die danach vom Papa zu beantragende Geburtsurkunde notwendig ist. Bedeutet: Personalausweise, Geburtsurkunden, Heiratsurkunde, Familienstammbuch, Mutterpass, Versichertenkarte. Am besten diese Mappe in die mütterliche Geburtstasche packen.

Als letztes sollte man dann in den finalen Wochen vor dem großen Termin die EC-Karte zücken und Vorräte beschaffen, damit in den Tagen nach der Geburt niemand in den Supermarkt muss. Was genau man für das Baby benötigt, sollte man am besten die Hebamme fragen – hier gibt es unterschiedliche Philosophien; man fährt am besten damit, sich an das zu halten, was die eigene Hebamme rät.

Allerdings sollte man bei dieser Einkaufstour auch nicht Mama und Papa vergessen. Als Papa wird man vielleicht am Tag der Geburt den engsten Freunden und Familienmitgliedern ein Glas Sekt spendieren möchten, vielleicht den Angestellten in der Firma ein Frühstück. Und natürlich will man auch selbst genügend Nahrung zuhause haben und die Mama braucht nach den Strapazen der Geburt sogar eine sehr gezielte Ernährung.

Ein Einkaufswagen wird da vermutlich nicht ausreichen. Allerdings hat man dann das gute Gewissen, wirklich in Ruhe die ersten Tage als Familie genießen zu können – denn der Morgen, an dem das Handwerk wieder sein Recht einfordert, kommt noch früh genug.