Digitalisierungsgrad im Handwerk korreliert nicht mit Betriebsstruktur

Digitalisierung am Bau , 07.12.2018 , Frank Kessler Digitalisierungsgrad im Handwerk korreliert nicht mit Betriebsstruktur
Foto: Roland Riethmüller

Eine aktuelle Untersuchung über den Digitalisierungsgrad im Handwerk macht einiges deutlich. So hat sich gezeigt, dass die Struktureigenschaften der Betriebe kaum einen Einfluss auf die Digitalisierung haben. Man kann viel eher davon ausgehen, dass es im wesentlichen an der Affinität des Unternehmers und auch der Mitarbeiter liegt, inwieweit der Digitalisierungsprozess fortschreitet.

In Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Digitales Handwerk vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hat das Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) eine Auswertung in Sachen Digitalisierungsgrad im Handwerk erstellt. Die gewonnenen Daten stammen aus den Antworten von 350 Betrieben. Dabei ergibt sich aus den Befragungen grundsätzlich folgender Trend: Die Digitalisierung nimmt zu, je größer das Unternehmen ist. Unterschiede zwischen den einzelnen Gewerbegruppen sind dabei fast gar nicht zu finden. Bei den Handwerken für den privaten Bedarf zeigen sich starke digitalisierte Kundenbeziehungen. Die Ergebnisse der Bedarfsanalyse zeigen aber auch, dass es bei den Unterstützungsangeboten für das Handwerk wichtig ist, den Stein zunächst ins Rollen zu bringen. Was die IT-Sicherheitsmaßnahmen betrifft, so zeigen sich durchgehend hohe Werte. Das bedeutet, dass in allen Bereichen das Thema IT-Sicherheit trotz der Defizite einen hohen Stellenwert hat.

Unzureichende Kenntnisse bei den Handwerksbetrieben über die einzelnen Abläufe

Über die genauen Abläufe im Unternehmen haben die Handwerksbetriebe häufig nur unzureichende Kenntnisse. Schwachstellen, die das Unternehmen betreffen, bleiben so unerkannt. Betriebsinhaber und Führungskräfte wissen oftmals nicht, wie es in der Realität aussieht. Schwachstellen lassen sich deshalb durch das Modellieren eines Prozesses schnell aufdecken. Außerdem wird dadurch sichtbar, welche Optimierungspotentiale ausgereizt werden können. So kann schnell entschieden werden, ob und welche Prozesse digital unterstützt werden sollen und somit effizienter werden. Auch Arbeitseinsätze können damit besser geplant und optimiert werden. Dadurch wird nicht nur eine hohe Planungsqualität erreicht, sondern der Aufwand auch erheblich reduziert. Auch bei der Produktrealisierung können durch neue Technologien die Abläufe vereinfacht werden.

Digitale Kompetenz bei den Mitarbeitern

Die Digitalisierung ist jedoch nicht nur ein reines technisches Thema. Nur durch die Akzeptanz der Mitarbeiter in den Unternehmen hängt der Erfolg der Digitalisierungsmaßnahme ab. Deshalb ist es in jeder Branche, nicht nur im Handwerk, besonders wichtig, die Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren. Es ist essentiell, die Fähigkeiten und Kompetenzen der Mitarbeiter zu kennen, um den Digitalisierungsgrad zu erhöhen. Für das Handwerk bedeutet dies, zunächst den Grundstein zu legen, damit weitere Maßnahmen folgen können. Die Befragung fand zwischen dem Sommer 2017 und Mai 2018 statt.