Bauwirtschaft im Strukturwandel mit immer mehr kleinen Baubetrieben

News , 19.10.2010 , Roland Riethmüller Bild zu: Bauwirtschaft im Strukturwandel mit immer mehr kleinen Baubetrieben
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Das Ifo-Institut hat die Struktur der Bauwirtschaft in den vergangenen Jahren analysiert und einen grundlegender Strukturwandel in der Deutschen Bauwirtschaft festgestellt. Während sich die Anzahl der Beschäftigten in den vergangenen zwei Jahrzehnten halbierte, verschwanden große Bauunternehmen bei gleichzeitigem Anstieg der Zahlen für kleine Baubetriebe. Zudem spielt Deutschland im Vergleich der internationalen Baukonzerne kaum noch eine Rolle.

Die Bauwirtschaft in Deutschland wird aufgrund ihrer Bedeutung für die Volkswirtschaft zu den Schlüsselindustrien gezählt. Doch sie war - und ist immer noch - einem fundamentalen Strukturwandel unterworfen. Bei einem Vergleich stellte das Ifo-Institut fest, dass in der Bauwirtschaft kaum noch ein Stein auf dem anderen steht und sich die Struktur innerhalb der letzten zwanzig Jahre grundlegend verändert hat.

Sinkende Baunachfrage und reduzierte Bauinvestitionen

Dies zeigen zum einen die Bauinvestitionen, die zwar in Folge der Wiedervereinigung und durch staatliche Programme sowie hohe steuerliche Anreize bis 1995 florierten. Aufgrund schwindender Baunachfrage ab 1996 sank dieser Anteil jedoch innerhalb von knapp 15 Jahren von 14 auf 10 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt in 2009. Bereit 2005 wurde preisbereinigt nur noch drei Viertel der zehn Jahre zuvor gemeldeten Bauinvestitionen verzeichnet. Und auch die Struktur veränderte sich: Während 1995 noch 55 Prozent der Bauinvestitionen auf den Wirtschafts- und Wohnungsbau entfiel, verringerte sich der Anteil der Neubautätigkeit zugunsten der Bestandsmaßnahmen und baunaher Dienstleistungen.

Anzahl der Beschäftigten am Bau halbiert

Besonders dramatisch zeigen sich die Umwälzungen an der Anzahl der Beschäftigten. Während in 1995 noch 1,434 Millionen Personen im Baugewerbe tätig waren, halbierte sich die Zahl auf 715.000 in 2009. Mit fast 80 Prozent von 100.000 auf 20.000 Beschäftigte haben dabei Großunternehmen die größten Verluste hinnehmen müssen. Betriebe mit 50 bis 499 und 10 bis 49 Personen sind um 65 bzw. 48 Prozent geschrumpft. Lediglich die Kleinstbetriebe haben um 17 Prozent von 162.000 in 1995 auf 190.000 Beschäftigte zugelegt.

Drastischer Rückgang großer Bauunternehmen

Die Anzahl der Betriebe ist im Vergleich von 1995 bis 2009 leicht gestiegen. Zwar ist die Anzahl anfangs deutlich angewachsen und hat in den Jahren 1998 bis 2000 kurzfristig die Höhe von 80.000 überschritten, doch ist die Gesamtanzahl danach bis 2009 wieder auf ein fast vergleichbares Niveau gesunken.

Die grundlegenden Änderungen ergaben sich vielmehr im dramatischen Rückgang der Betriebe mit 500 und mehr Beschäftigten. Während 1991 noch 180 große Bauunternehmen gezählt wurden, arbeiten 2009 nur noch 25 in der deutschen Bauwirtschaft. Dafür stieg die Anzahl der Kleinstbetriebe bis 9 Mitarbeiter im gleichen Zeitraum um 38 Prozent an.

Zahlreiche traditionsreiche Baukonzerne verschwanden

Mit dem Rückgang der großen Bauunternehmen sind auch zahlreiche renommierte Baukonzerne vom Markt verschwunden. Teils durch Insolvenzen, teils jedoch auch durch Unternehmensausgründungen, Portfolio-Bereinigungen oder Aufspaltung von Unternehmensteilen in kleinere Einheiten sind Unternehmen entweder ganz aufgelöst oder von ausländischen Wettbewerbern aufgekauft worden. Besonders deutlich merkt man den Einfluss des Strukturwandels bei der Betrachtung der Top 10 Baufirmen in Deutschland. Von den höchstplatzierten des Jahres 1990 erscheinen in der Liste 2008 nur noch die Bauunternehmen Hochtief AG und Bilfinger Berger AG. Drei Unternehmen mussten Insolvenz anmelden und fünf Unternehmen wurden durch ausländische Unternehmen übernommen. In der Top 10 Liste sind folglich nur noch zwei Unternehmen in deutscher Hand, was sich durch das Übernahmeangebot von Hochtief durch die spanische ACS bald ändern könnte. Das Beratungsunternehmen Deloitte LLP listet in ihrer Top 50 Liste nicht ein einzige Bauunternehmen aus Deutschland. Die meisten Baukonzerne kommen aus Großbritannien (13), den Niederlanden (7) und Spanien (6).

Mehr zu den Hintergründen des Strukturwandels im Baugewerbe:
http://www.meistertipp.de/aktuelles/news/hintergruende-zum-dramatischen-strukturwandel-der-bauwirtschaft