Reparatur-Dienstleistungen biete große Chance fürs Handwerk

News , 27.03.2019 , Frank Kessler Reparatur-Dienstleistungen biete große Chance fürs Handwerk
Foto: Roland Riethmüller

Die nachbarschaftliche Hilfe in Reparaturinitiativen stellt keine Konkurrenz zum professionellen Handwerk dar. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die die Bedeutung der Reparaturen näher untersucht hat. Im Gegenteil, Handwerksbetriebe und Reparaturinitiativen können voneinander profitieren. Für das Handwerk bietet sich ein hohes Potenzial für Umsatzsteigerung, lokaler Kundenbindung und Nachwuchswerbung. Denn vor allem mit einer Fokussierung auf Nachhaltigkeit sollten Auszubildende besser angesprochen werden.

Reparatur-Dienstleistungen besitzen eine "gewichtige ökonomische Relevanz" für das deutsche Handwerk. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren der Studie "Handwerk und Reparatur - ökonomische Bedeutung und Kooperationsmöglichkeiten mit Reparaturinitiativen". Durchgeführt wurde die Studie für das Umweltbundesamt vom Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen). Zwar liegt der Anteil der Reparaturen am Gesamtumsatz des Handwerks unterhalb der 10-Prozent-Marke. Doch eine Konkurrenz zwischen reparierenden Handwerksbetrieben und Reparaturinitiativen von Ehrenamtlern besteht aus Sicht vieler Handwerksbetriebe und Reparaturinitiativen nicht. Stattdessen bieten sich interessante Möglichkeiten der Kooperation.

Vor allem Kleinbetriebe übernehmen Reparaturen

Insgesamt erwirtschafteten Handwerksbetriebe im Jahr 2014 etwa 31 Milliarden Euro durch Reparatur-Dienstleistungen. Die Summe steht für etwa sechs Prozent des gesamten Umsatzes aller Handwerksbetriebe im Jahr 2014. Ungefähr 46.000 Handwerksbetriebe mit etwa 213.000 Angestellten kümmern sich ausschließlich um Reparaturen. Besonders häufig übernehmen Kleinbetriebe mit maximal vier Angestellten reparierende Arbeiten. Am gesamten durch Reparaturen erwirtschafteten Umsatz haben Handwerksbetriebe einen Anteil von etwa 44 Prozent. Überdurchschnittlich hoch ist ihr Anteil bei der Reparatur von nicht baurelevanten Produkten wie Kraftfahrzeugen, Schmuck, Schuhen, Lederwaren, Haushalts- und Gartengeräten sowie Unterhaltungselektronik. Doch auch das Baugewerbe ist mit Reparaturen von elektrischen Ausrüstungen (z.B. Gebäudeelektrik) und Metallerzeugnissen (vor allem im SHK-Bereich) vertreten.

Reparaturinitiativen haben auch idealistische Motive

Während für Handwerksbetriebe beispielsweise die Neukundengewinnung und der Umsatz Anreize für Reparaturen bilden, herrschen laut der Studie bei Reparaturinitiativen andere Motive vor. Für sie stehen unter anderem das ehrenamtliche Engagement, idealistische Motive sowie eine Nachhaltigkeitsorientierung im Vordergrund.

Als Hemmnisse für die Übernahme von Reparaturarbeiten sehen die Studienautoren bei Handwerksbetrieben neben der Frage nach der Wirtschaftlichkeit der Reparaturen zum Beispiel fehlende Arbeitskapazitäten sowie die notwendige Qualifikation auf dem Stand der Technik. Bei den Reparaturinitiativen gehören die Koordination und Gewinnung potenzieller Freiwilliger, die Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit sowie die Verfügbarkeit von Räumlichkeiten und Ressourcen zu den Hemmnissen.

Handwerker und Initiativen sehen hohes Potenzial für Kooperationen

Die für die Studie befragten Personen aus dem Handwerk und den Reparaturinitiativen sahen deutliche Kooperationspotenziale. So könnten sich beide Akteure verstärkt vernetzen und ihr Wissen digital weitergeben. Zusätzlich halten die Studienautoren gemeinsame Workshops, Reparatur-Siegel und Nachwuchswerbung für denkbar. Erhebliche Potenziale besitzen die Kooperationen laut der Studie für Handwerksbetriebe bei Aufgaben wie der Umsatzsteigerung, lokaler Kundenbindung und Nachwuchswerbung.

Die Studienautoren wandten sich darüber hinaus mit einigen Handlungsempfehlungen nur ans Handwerk oder die Reparaturinitiativen. Für die Reparaturinitiativen empfahlen sie beispielsweise den Ausbau der statistischen Erfassung und Sichtbarkeit. Handwerksbetriebe sollten dagegen verstärkt "Reparatur und Nachhaltigkeit" thematisieren, um Auszubildende zu gewinnen, und für Reparaturen in Ausbildungsstätten werben.