In der aktuellen Zeit des Fachkräftemangels stehen viele Handwerksbetriebe vor einem heiklen Dilemma: Wie geht man als Führungskraft mit Mitarbeitenden um, die aufgrund ihrer Expertise praktisch unersetzlich erscheinen, aber durch ihr Verhalten das Betriebsklima nachhaltig belasten? Eine Situation, die mehr Handwerksbetriebe betrifft, als man zunächst vermuten würde.
Häufig beginnt es schleichend: Eine fachlich hochqualifizierte Person, vielleicht sogar die einzige Spezialistin oder der einzige Spezialist für bestimmte Aufgabenbereiche, entwickelt ein problematisches Verhalten. Typische Warnsignale sind:
- Eigenständige „Anpassung“ von Arbeitszeitregelungen
- Vernachlässigung wichtiger administrativer Aufgaben
- Selbstständige Gewährung von Sonderrechten
- Unsachgemäßer Umgang mit Firmeneigentum
- Missachtung betrieblicher Hierarchien
- Toxisches Verhalten
Anzeichen erkennen – die verborgenen Kostentreiber
Was viele Betriebsinhaber unterschätzen: Die stillschweigende Duldung solchen Verhaltens verursacht oft höhere Kosten als zunächst erkennbar:
- Teamdynamik: Die Motivation der anderen Mitarbeitenden leidet erheblich, wenn Einzelne offensichtlich Sonderrechte genießen. Leistungsträger stellen sich die Frage, „warum soll ich mich anstrengen, wenn das schlechte Verhalten anderer geduldet wird?“
- Unternehmenskultur: Etablierte Regeln und Strukturen verlieren ihre Verbindlichkeit, was langfristig die Betriebsabläufe gefährdet.
- Wirtschaftliche Aspekte: Erhöhter Zeitaufwand für Konfliktmanagement, sinkende Teamproduktivität und steigender Verwaltungsaufwand belasten den Unternehmenserfolg.
Lösungsstrategie: Klare Strukturen und konsequentes Handeln
1. Grundlagen schaffen
- Entwicklung eindeutiger betrieblicher Leitlinien und Regeln
- Transparente Kommunikation der Erwartungshaltung
- Konsequentes gerechtes Behandeln aller Teammitglieder
2. Strukturiertes Eskalationsmodell einführen
Bewährt hat sich ein dreistufiges Vorgehen:
- Klärendes Erstgespräch mit konkreten Vereinbarungen. Hier hilft das AAA FeedBack Instrument, wie es das Institut Perspektive Handwerk vermittelt.
- Formelle Verwarnung bei wiederholten Verstößen
- Abmahnung mit klarer Kündigungsandrohung
3. Nachhaltige Implementierung
- Sorgfältige Dokumentation aller Regelverstöße
- Zeitnahe und angemessene Reaktion auf Fehlverhalten
- Einheitliche Standards für alle Mitarbeitenden
Die Chance zum Neuanfang
Die Sorge vor dem Verlust wichtiger Leistungstragender ist verständlich, darf aber nicht zur Handlungslähmung führen. Die Praxis zeigt:
- Neue Mitarbeitende bringen oft frische Impulse und Innovationen
- Nach dem Ausscheiden „schwieriger“ Teammitglieder verbessert sich häufig die gesamte Teamdynamik
- Die Investition in eine Neubesetzung rentiert sich meist schneller als die Duldung problematischen Verhaltens
Weiterbildung und Unterstützung
Um Ihre Führungskompetenzen gezielt weiterzuentwickeln und solchen Situationen professionell zu begegnen, bieten sich verschiedene Möglichkeiten:
Führungskräfte-Lehrgänge
Die Handwerkskammern, Bildungszentren des Handwerks und insbesondere das Institut Perspektive Handwerk bieten speziell auf Handwerksbetriebe zugeschnittene Führungskräfte-Seminare an. Diese vermitteln praxisnah die notwendigen Werkzeuge für eine erfolgreiche Führung von Mitarbeitenden. Besonders empfehlenswert sind die Module:
- Konfliktmanagement im Handwerksbetrieb
- Erfolgreiche Führung von Mitarbeitenden
- Kommunikation und Gesprächsführung
Business Mentoring
Das Institut Perspektive Handwerk bietet mit seinem Business Mentoring-Programm eine individuelle Begleitung für Führungskräfte an. Erfahrene Mentoren unterstützen dabei:
- Herausfordernde Führungssituationen zu analysieren
- Maßgeschneiderte Lösungsstrategien zu entwickeln
- Ihre persönlichen Führungskompetenzen zu stärken
Fazit
Echte Führungskompetenz zeigt sich nicht im Festhalten an problematischen Teammitgliedern, sondern im Mut zu notwendigen Veränderungen. Ein konsequentes, faires und transparentes Vorgehen stärkt langfristig den gesamten Betrieb – auch wenn der Weg dorthin zunächst herausfordernd erscheint.
Die vermeintliche Unentbehrlichkeit einzelner Mitarbeitender darf nicht zur Achillesferse der Unternehmensführung werden. Nur wer als Führungskraft den Mut hat, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, sichert nachhaltig die Zukunftsfähigkeit des Betriebs. Und das gilt auch für toxische Führungskräfte!
| Autorenhinweis Dirk Abel und Peter Liepolt, Institut Perspektive Handwerk | ![]() |
