News, 22.05.2017, Roland Riethmüller

Bauwirtschaft sucht digitale Geschäftsmodelle

Bauwirtschaft sucht digitale Geschäftsmodelle

Foto: Roland Riethmüller

Viele Geschäfte werden bereits seit Jahrzehnten erfolgreich betrieben. Doch schützt das heute längst nicht mehr davor, im Zeitalter der Digitalisierung zu überleben. Daher ist es wichtig, regelmäßig das eigene Geschäft in Frage zu stellen und über neue digitale Geschäftsmodelle nachzudenken. Das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk unterstützt genau bei dieser digitalen Transformation. Denn die Digitalisierung muss als Chance begriffen werden, um nachhaltig am Markt zu bestehen.

Die aktuelle Entwicklung lehrt uns, dass selbst etablierte Unternehmen heute vor den tiefgreifenden Veränderungen der Digitalisierung nicht geschützt sind. Kodak gilt als eines der prominentesten Beispiele für einen alt eingesessenen Konzern, der die Auswirkungen eklatant unterschätzt hat. Innerhalb kurzer Zeit hat die Digital-Fotografie derart stark an Einfluss gewonnen, dass der einstige Technologiepionier komplett aus dem Geschäft gedrängt wurde. Das liegt im wesentlichen daran, dass die sogenannten "Digital Natives“ mit dem Internet aufgewachsen sind und völlig neue Denkweisen haben. Dabei finden sie immer häufiger Lösungen für Unzulänglichkeiten, die von der Gesellschaft seit Jahrzehnten bereits als gegeben akzeptiert waren. Durch die geänderten Rahmenbedingungen und neuen Möglichkeiten stellen sie damit etablierte Geschäftsmodelle auf dem Kopf und schaffen so eine völlig neue Ordnung der Wertschöpfungskette.

Kompetenzzentrum Digitales Handwerk hilft bei Digitalisierung

Damit die Unternehmer künftig in den neuen Wertschöpfungsketten überhaupt noch eine bedeutende Rolle spielen, sollten sie regelmäßig selbst das eigene Geschäftsmodell in Frage stellen. Auf der diesjährigen Regionalkonferenz des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk wurde genau dies in die Praxis umgesetzt. "Damit wir unsere Betriebe noch besser auf ihrem Weg in die Digitalisierung unterstützen können, haben wir vor einem Jahr gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk gegründet“, erklärt Dirk Palige, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Doch das Ziel der gemeinsamen Initiative ist nicht nur die Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung. Mit der Regionalkonferenz soll ein Forum geboten werden, auf dem Trends und Chancen diskutiert sowie innovative Ansätze zur Gestaltung von neuen Geschäftsmodellen im Handwerk dargestellt werden sollen.

Gefahr der digitalen Spaltung

"Gerade jetzt, wo es dem Handwerk gut geht, müssen sich die Betriebe mit der Digitalisierung beschäftigen. Ansonsten drohen Wettbewerbsnachteile“, betont Stefan Schnorr, Abteilungsleiter Digital- und Innovationspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), die Dringlichkeit zur Digitalisierung. "Wer die Digitalisierung nicht mitmacht, nicht als Chance ergreift und die Potentiale individuell für seinen Betrieb nutzt, den wird es irgendwann nicht mehr geben.“ Diese Bedrohung wird auch digitale Spaltung genannt. Dabei kann das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk die Betriebe zwar nicht eigenständig digitalisieren, jedoch entsprechend sensibilisieren, motivieren und Hilfestellung geben. Immerhin hat eine aktuelle Studie von Bitkom und dem ZDH ergeben, dass 69 Prozent der Handwerksbetriebe die Digitalisierung als Chance begreifen und positiv in eine digitale Zukunft blicken.

Neue Geschäftsmodelle in der Bauwirtschaft finden

So gibt es bereits heute zahlreiche Beispiele für digitale Geschäftsmodelle im Handwerk. Auch Julia Kasper, Geschäftsführerin der Tischlerei Holzgespür zeigte eindrucksvoll auf der Regionalkonferenz, wie das traditionelle Handwerk und digitale Geschäftsmodelle verbunden werden können. Vor allem durch externe Impulse aus dem Studium hatte sie neue Blickwinkel auf das Geschäft ihrer Eltern bekommen. "Wir haben dann überlegt, wie man diese Schlüsselressourcen umdenken und digitale Prozesse miteinbeziehen kann.“ 

Dabei ist das Business Modell Canvas ein Hilfsmittel, neue Geschäftsmodelle zu finden. Denn Technologie ist oftmals nur Mittel zum Zweck. Wichtiger ist ein neuartiger Umgang mit Kunden und ihren Bedürfnissen, dem eigenen Wertversprechen, den Vertriebskanälen, Kundenbeziehungen und Erlösströmen. Zusammen mit einem Überblick über die wichtigsten Partner, Schlüsselressourcen und -aktivitäten können so neue Erlösmodelle ermittelt und Kostenstrukturen angepasst werden. Schließlich ist es besser, das eigene Geschäftsmodell zu transformieren als die Geschäftsgrundlage an neue Branchenplayer zu verlieren.

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