Erste Hilfe ist Arbeitgeberpflicht!

Ein Unfall am Arbeitsplatz ist in keinem Bau- oder Handwerksbetrieb erwünscht. Wenn es trotz Bemühungen dennoch zu einem Arbeitsunfall kommt, ist schnelles Handeln wichtig. Die Beschäftigten müssen wissen, was zu tun ist! Jeder Betrieb ist verpflichtet, die  Erste Hilfe gut zu organisieren, sodass im Ernstfall schnell und sicher gehandelt werden kann. Dadurch können, Unfall- und Verletzungsfolgen verringert und die Fehlzeiten der Beschäftigten reduziert werden. Insbesondere durch den §10 des Arbeitsschutzgesetzes und den §24 bis §28 der DGUV Vorschrift 1 wird der Betrieb zur Organisation der Ersten Hilfe verpflichtet.

Zu den Pflichten des Betriebes zählen:

  • die Ausbildung eines Ersthelfer,
  • die Bereitstellung von Erste-Hilfe-Material,
  • das Erstellen eines Alarmplans,
  • die Gewährleistung der sofortigen Ersten Hilfe,
  • der sachkundige Transport des Verletzten,
  • die Vorstellung des Verletzten bei einem Arzt,
  • die Dokumentation jeder Ersten-Hilfe-Maßnahme in einem Verbandbuch,
  • die Unterweisung und Information der Beschäftigten.

Ersthelfer im Betrieb: Wie viele benötigt der Betrieb?

Gemäß §26 DGUV Vorschrift 1 muss in einem Handwerksbetrieb ab 2 Beschäftigten ein Ersthelfer benannt und ausgebildet werden. Bis zu einer Anzahl von 20 Beschäftigten bzw. anwesenden Versicherten ist ein Ersthelfer auf der Baustelle oder in einem anderen Arbeitsbereich ausreichend. Bei mehr als 20 anwesenden Versicherten müssen auf Baustellen 10 Prozent aller Beschäftigten als Ersthelfer ausgebildet sein.

Es kann aber auch viele Vorteile für den Betrieb mit sich bringen über die Vorschriften hinaus zu gehen und jeden Beschäftigten zum Ersthelfer auszubilden:

  • Der Handwerksbetrieb ist frei von Zwängen bezüglich der Teamzusammenstellung.
  • Bei einem einzigen Ersthelfer auf der Baustelle besteht das Risiko, dass dieser selbst verunglückt.
  • Die Bereitschaft eines jeden, Erste Hilfe zu leisten, fördert die Kollegialität im Team.

Ausbildung der Ersthelfer – Was muss der Betrieb beachten?

Es ist eine “Bürgerpflicht“ bei Arbeitsunfällen zu helfen. Erste Hilfe will aber auch gelernt sein. Ein Betrieblicher Ersthelfer muss für die Grundausbildung einen 8 Doppelstunden umfassenden Kurs absolvieren. Im Grundlagenkurs lernen die Teilnehmer, Unfallsituationen richtig einzuschätzen sowie die richtigen Maßnahmen durchzuführen. Nach Kursabschluss sind alle Teilnehmer in der Lage, im tatsächlichen Notfall schnell und sicher helfen und auch mit den alltäglichen "kleinen" Katastrophen sicher umgehen zu können. Die Erste-Hilfe-Kurse können sowohl bei einer zur Ausbildung von der Berufsgenossenschaft ermächtigten Organisation als auch bei der Berufsgenossenschaft selbst durchlaufen werden. Alle zwei Jahre ist eine Nachschulung bzw. Fortbildung in Erster Hilfe im Umfang von 4 Doppelstunden erforderlich. Sie dient der Auffrischung und Vertiefung der bestehenden Kenntnisse. In der Praxis empfiehlt es sich, örtliche Organisationen anzusprechen und deren Angebote zu nutzen. Örtliche Organisationen sind z. B.:

  • das Deutsche Rote Kreuz,
  • der Arbeiter-Samariter-Bund,
  • die Johanniter-Unfall-Hilfe,
  • der Malteser-Hilfsdienst.

In der Regel sind diese Organisationen mit den Vorgängen der Berufsgenossenschaft vertraut und können selbst mit der Berufsgenossenschaft die Ausbildung bzw. Nachschulung abrechnen.

Autorenhinweis

Die Autorin, Frau Simone Piede (Dipl. Sportwissenschaftlerin, Betriebliche Gesundheitsmanagerin), ist Beraterin für betriebliches Gesundheitsmanagement bei der uve GmbH für Managementberatung. Die 1988 gegründete uve GmbH ist bundesweit tätig und hat ihren Hauptsitz in Berlin. Die Schwerpunkte des Unternehmens liegen in den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement, Qualitäts-, Umwelt- und Risikomanagement, Organisationsentwicklung und Projektsteuerung sowohl für die Handwerksbranche als auch für die Ver- und Entsorgungsbranche.


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