Fachkräftemangel am Bau: Pilotprojekt qualifiziert Fachkräfte

Foto: skarie20 / envatoelements

Trotz hoher Nachfrage nach Fachkräften bleiben noch immer gewisse Potenziale in der Bauwirtschaft ungenutzt. Ein neues Pilotprojekt in Süddeutschland zeigt, wie praxisnahe Qualifizierung Arbeitssuchende schnell für Hoch- und Tiefbau fit macht kann. Gleichzeitig erschließt das Programm damit für Bauunternehmen neue Arbeitskräfte. Die Aussichten sind vielversprechend, denn das Modell verbindet Intensivkurs, Baustellenpraxis und Sprach-Training intelligent miteinander. Damit könnte es auch bundesweit zum Wegweiser für die Bauwirtschaft werden.

Der akute Fachkräftemangel auf deutschen Baustellen trifft auf eine anhaltend hohe Zahl an Arbeitssuchenden mit teilweise sogar praktischer Vorerfahrung. Ein neues Pilotprojekt im Bildungszentrum Bau Aalen zeigt, wie beide Herausforderungen zusammengeführt werden können: Mit einem kompakten Intensivkurs werden Arbeitssuchende gezielt auf Tätigkeiten im Baugewerbe vorbereitet und gleichzeitig Betrieben neue Zugänge zu dringend benötigtem Personal eröffnet. Initiiert wurde das Projekt von der Bildungsakademie der Bauwirtschaft Baden-Württemberg in Kooperation mit weiteren Institutionen. Sieben Teilnehmer erhalten in einem mehrwöchigen Kurs grundlegende Qualifikationen für Hoch- und Tiefbau. Der Ansatz ist praxisnah und konsequent auf Beschäftigungsfähigkeit ausgerichtet. Ausbildungsleiter Wolfgang Seckler beschreibt die Zusammensetzung der Gruppe so: „Wir haben sieben Männer unterschiedlichen Alters und aus allen Erdteilen der Welt bei uns.“ Die Teilnehmer stammen überwiegend aus der Langzeitarbeitslosigkeit oder aus laufender Jobsuche, bringen aber teils umfangreiche Vorerfahrung aus dem Bauumfeld mit.

Fachkräftemangel erfordert praxisnahe Qualifizierung statt Warteschleifen

Der Kurs ist auf neun Wochen angelegt und kombiniert handwerkliche Grundlagen mit spezifischen Inhalten aus Hoch- und Tiefbau. In den Werkhallen des Bildungszentrums wird gesägt, geschalt und montiert – realitätsnah und unter Anleitung erfahrener Ausbilder. Ziel ist es, die Teilnehmer so vorzubereiten, dass sie unmittelbar im betrieblichen Alltag eingesetzt werden können. Unterschiede im Kenntnisstand werden bewusst genutzt: Wer Vorerfahrung mitbringt, erhält anspruchsvollere Aufgaben und kann sein Können weiter vertiefen.

Internationale Erfahrung trifft deutsche Baupraxis

Ein Beispiel ist Oday aus Syrien, der bereits einen Abschluss als Bauingenieur besitzt, der in Deutschland allerdings nicht anerkannt wird. Für ihn bietet der Kurs eine neue Perspektive: „Der Kurs hier hat drei Teile. Erst kommen die Grundlagen, dann Hochbau und danach Tiefbau.“ Sein Ziel ist eine weiterführende Ausbildung im Baubereich. Auch Oleksii, gelernter Zimmerer aus der Ukraine, nutzt das Angebot zur beruflichen Neuorientierung. „Ich habe 18 Jahre Erfahrung in der Ukraine und vieles ist für mich nicht neu“, erklärt Okeksii. „Aber wir arbeiten dort viel mit skandinavischer und amerikanischer Bauweise. In Deutschland gibt es ein paar Unterschiede, das ist interessant.“

Sprache als Schlüssel zur Integration auf der Baustelle

Ergänzt wird die praktische Ausbildung durch einen fachbezogenen Deutschkurs. Dabei stehen sowohl Werkzeug- und Materialbegriffe als auch grundlegende Kommunikationssituationen auf der Baustelle im Fokus. Diese Kombination aus Praxis und Sprache gilt als entscheidender Faktor, um die Vermittlung in Betriebe zu erleichtern und Missverständnisse im Arbeitsalltag zu vermeiden.

Pilotprojekt ist ein Modell mit Signalwirkung für die Bauwirtschaft

Schon jetzt zeichnen sich gute Vermittlungschancen ab. Mehrere Teilnehmer könnten im Frühjahr in Beschäftigung gehen. Für Bauunternehmen eröffnet das Pilotprojekt einen zusätzlichen Weg, dem Fach- und Arbeitskräftemangel zu begegnen. Gleichzeitig zeigt das Modell, wie Qualifizierung, Integration und Arbeitsmarktbedarfe wirksam verzahnt werden können. Damit handelt es sich um einen Ansatz, der über Aalen hinaus Bedeutung für die gesamte Bauwirtschaft haben dürfte.

Reichen solche Pilotprojekte aus, um den Fachkräftemangel am Bau zu lösen?

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