Zukunft Hochbau: 3D-Betondruck beschleunigt Bauzeiten

Foto: Matthäi

Der 3D-Betondruck nimmt Fahrt auf: In Niedersachsen entsteht derzeit ein zweigeschossiges Bürogebäude, dessen Wände automatisiert aus dem Drucker kommen. Das Pilotprojekt zeigt, wie Bauunternehmen Bauzeiten verkürzen, Fachkräfte entlasten und Kosten senken können. Gleichzeitig liefert es praxisnahe Erkenntnisse für digitales und nachhaltiges Bauen. Damit hat das innovative Bauvorhaben Signalwirkung für Hochbau, Handwerk und die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Bauwirtschaft.

Auch wenn der 3D-Betondruck noch kein Produkt im Massenmarkt ist, werden immer wieder Gebäude in der innovativen Bauweise errichtet. Aktuell entsteht im niedersächsischen Selsingen ein zweigeschossiges Bürogebäude, dessen tragende Wände weitgehend automatisiert aus dem Drucker kommen. Das Projekt gilt als eines der ersten dieser Art in Norddeutschland und zeigt, wie digitale Bauverfahren Tempo, Präzision und Ressourceneffizienz im Hochbau verbessern können. Gleichzeitig rückt es zentrale Branchenthemen wie steigende Baukosten, Fachkräftemangel und nachhaltiges Bauen in den Fokus. Das Gebäude wird für die Matthäi Schlüsselfertigbau GmbH errichtet und dient künftig als neuer Firmensitz. Dabei liefert das Projekt wichtige Erkenntnisse zur praktischen Umsetzung innovativer Bauverfahren. So dauerte allein der Druck der Wände im Erdgeschoss rund 50 Stunden, im Obergeschoss weitere 55 Stunden. Auf einer Grundfläche von rund 300 Quadratmetern entsteht ein Bürogebäude, dessen Fundament, Decken und Dach weiterhin konventionell hergestellt werden.

3D-Betondruck als Beschleuniger auf der Baustelle

Der Einsatz automatisierter Drucktechnologie kann den Wandbau deutlich beschleunigen und zugleich die Ausführungsqualität erhöhen. Besonders bei komplexen Geometrien spielt die digitale Fertigung ihre Vorteile aus. Anders als bei Fertigteilen erfolgt der Aufbau direkt auf der Baustelle, was Transportkosten reduziert und Logistikprozesse vereinfacht. Gerade in Zeiten knapper Fachkräfte kann diese Technologie Arbeitsabläufe effizienter gestalten und Personalressourcen gezielter einsetzen. Doch auch in wirtschaftlicher Hinsicht eröffnet der 3D-Betondruck neue Perspektiven. Kürzere Bauzeiten senken Geräte- und Finanzierungskosten und ermöglichen eine schnellere Projektabwicklung. Hinzu kommt ein präziser Materialeinsatz, der Abfall reduziert und die Nachhaltigkeit im Bauprozess stärkt. Die Branche steht dabei vor der Aufgabe, geeignete Baustoffe zu nutzen, die sowohl eine reibungslose Verarbeitung im Druckprozess als auch eine hohe Standfestigkeit gewährleisten.

Innovationstreiber für nachhaltiges Bauen

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist ein speziell entwickelter Trockenmörtel für 3D-Druck-Anwendungen. Die Produktentwicklung zielt darauf ab, digitale Bauprozesse mit klimafreundlichen Lösungen zu verbinden. „Um bezahlbares Wohnen zu ermöglichen, Klimaschutz voranzutreiben und die ökologische Wende unserer Volkswirtschaft zu schaffen, transformieren wir uns und unsere Branche“, sagt Fenja Josefin Thießen, Leiterin Vertrieb Binder Solutions bei Holcim Deutschland. Denn auch aus Sicht der Baustoffindustrie wird der 3D-Betondruck als Schlüsseltechnologie bewertet. Dabei setzt Holcim Deutschland konsequent auf nachhaltige und digitale Innovationen. „Mit dem Hochleistungs-Trockenmörtel TectorPrint 3D bieten wir einen Schlüssel für nachhaltiges, weil superschnelles und ressourceneffizientes Bauen an“, betont Simon Liebl, Leiter Business Development. Das Produkt werde nun in den deutschen Markt eingeführt und solle gemeinsam mit innovativen Planern und Bauausführenden dazu beitragen, den Wandel der Branche hin zu effizienteren Bauprozessen zu beschleunigen.

Signalwirkung für Bauunternehmen und Handwerk

Das Pilotprojekt besitzt nicht nur technologische, sondern auch strategische Bedeutung für die Bauwirtschaft. Es zeigt, wie Bauunternehmen durch Digitalisierung ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern und gleichzeitig auf steigende Kosten reagieren können. „Die gesamte Matthäi-Gruppe ist stolz darauf, das erste 3D-Druck-Gebäude in Norddeutschland realisieren zu dürfen“, freut sich Geschäftsführer Bernd Mergard. „Gemeinsam mit unseren Partnern gehen wir einen wichtigen Schritt in die Zukunft des Bauens.“ Denn mit dem Fortschritt im 3D-Betondruck rückt ein neues Kapitel im Hochbau näher. Für Bauunternehmer und Handwerksbetriebe entsteht die Chance, Bauprozesse effizienter, nachhaltiger und wirtschaftlicher zu gestalten und sich frühzeitig auf die Anforderungen einer digitalisierten Baupraxis einzustellen.

Wird der 3D-Betondruck klassische Bauweisen bald verdrängen?

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