Bauwirtschaft trotzt Negativtrend: Ausbildungszahlen steigen

Foto: seventyfourimages / envatoelements

Entgegen dem bundesweiten Negativtrend steigen die Ausbildungszahlen in der Bauwirtschaft deutlich. Denn während insgesamt weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen werden, gewinnt das Bauhauptgewerbe spürbar an Nachwuchs. Gleichzeitig schwächeln erstmals die E-Handwerke. Für die Bauwirtschaft ergibt sich daraus eine klare Entwicklung: Der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte nimmt weiter zu und die Ausbildung wird zunehmend zum entscheidenden Faktor für die Zukunftssicherung von Betrieben.

Die Entwicklung der Ausbildungszahlen in Deutschland zeigt ein widersprüchliches Bild: Während die Gesamtzahl der Auszubildenden branchenübergreifend leicht rückläufig ist, stemmt sich die Bauwirtschaft erfolgreich gegen diesen Trend. Gleichzeitig melden jedoch die E-Handwerke erstmals seit Jahren einen leichten Rückgang. Das ist ein Signal, das die gesamte Bau- und Ausbaubranche aufhorchen lässt. Denn nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts ist die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2025 insgesamt um 2,8 Prozent gesunken. Auch die Gesamtzahl der Auszubildenden ging leicht zurück. Doch im Bauhauptgewerbe zeigt sich ein anderes Bild: Hier legten die Ausbildungszahlen deutlich zu. 13.977 neue Auszubildende im ersten Lehrjahr bedeuten ein Plus von 13,3 Prozent, insgesamt sind damit 40.043 junge Menschen in der Branche tätig, was einem Anstieg um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Bauwirtschaft setzt starkes Signal im Wettbewerb um Nachwuchs

Die Bauwirtschaft profitiert damit von stabilen Rahmenbedingungen und klaren Karriereperspektiven. „Die Bauwirtschaft stemmt sich erfolgreich gegen den gesamtwirtschaftlichen Trend“, bringt es Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), auf den Punkt. „Die Zahlen zeigen, dass die Ausbildung am Bau für junge Menschen eine überzeugende Wahl ist, gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.“ So bleiben vor allem klassische Bauberufe wie Zimmerer, Tiefbaufacharbeiter und Maurer gefragt. Die Branche punktet mit sicheren Arbeitsplätzen, praxisnaher Ausbildung und Aufstiegsmöglichkeiten bis in die Unternehmensführung. „Es ist kein Zufall, dass sich immer mehr junge Menschen für eine Ausbildung am Bau entscheiden“, betont Pakleppa. „Unsere Branche bietet sichere Arbeitsplätze, attraktive Aufstiegschancen und echte Perspektiven. Nach einer erfolgreichen Ausbildung stehen einem alle Türen offen – bis zum Meister und Geschäftsführer.“

E-Handwerke melden erste Delle in den Ausbildungszahlen seit Jahren

Anders stellt sich die Situation in den E-Handwerken dar, die eng mit der Bauwirtschaft verflochten sind. Hier ist im Jahr 2025 erstmals seit dem Jahr 2014 ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Die Zahl der Auszubildenden sank minimal um 0,2 Prozent auf 46.403. Trotz dieses Rückgangs bleibt das Niveau hoch. Es handelt sich um den zweithöchsten Wert der vergangenen 20 Jahre. Besonders betroffen sind einzelne Fachrichtungen wie die Informations- und Automatisierungstechnik. Gleichzeitig gibt es aber auch positive Entwicklungen: So wächst etwa der Bereich Gebäudesystemintegration deutlich, und der Frauenanteil steigt spürbar. Die Zahl weiblicher Auszubildender legte um 4,6 Prozent zu. Das ist das Ergebnis gezielter Nachwuchskampagnen.

Fachkräftesicherung bleibt zentrale Herausforderung

Trotz der unterschiedlichen Entwicklungen eint beide Branchen ein zentrales Thema: der zunehmende Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs. Die wirtschaftliche Lage hinterlässt auch in der Ausbildung Spuren. „Die aktuellen Rückgänge sind auch der wirtschaftlich schwierigen Lage geschuldet“, mahnt Jörg Feddern, Vizepräsident im Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). „Einmal mehr müssen wir deshalb die Bundesregierung auffordern, endlich mit einer verlässlichen Wirtschaftspolitik für Wachstumsbedingungen in den Zukunftsfeldern zu sorgen.“ Zugleich wird deutlich, dass langfristige Strategien entscheidend sind. Feddern unterstreicht: „Nachwuchsarbeit wird in den nächsten Jahren angesichts des demographischen Wandels sogar noch wichtiger, denn wir befinden uns im Wettkampf um die besten Köpfe.“ Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe ergibt sich daraus eine klare Botschaft: Wer jetzt in Ausbildung investiert, sichert sich nicht nur Fachkräfte, sondern stärkt auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit in einem zunehmend angespannten Markt.

Wird die Bauwirtschaft den Fachkräftemangel wirklich in den Griff bekommen?

 

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