Der spektakuläre Abriss der Berliner Westendbrücke zeigt, wie effizient moderner Brückenrückbau funktionieren kann: Trotz laufendem Bahnbetrieb beseitigte ein Berliner Abbruchunternehmen in nur zwei Wochen das komplexe Spannbetonbauwerk. Mit 99 Prozent Recyclingquote und einer perfekt koordinierten Logistik gilt das Projekt als Meilenstein für die Bauwirtschaft. Das Zusammenspiel von Ingenieurkunst, Teamgeist und Behördenschnelligkeit macht den Brückenabriss zu einem Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen und urbanes Infrastrukturmanagement.
Der Rückbau der Berliner Westendbrücke gilt als ein Musterbeispiel für effizienten Brückenabriss unter extremem Zeitdruck. RWG I Abbruch und Tiefbau, ein Tochterunternehmen von Heidelberg Materials Mineralik, hat das komplexe Spannbetonbauwerk in nur zwei Wochen beseitigt – und das bei laufendem Bahnbetrieb. Dabei gehört die Westend- und die benachbarte Ringbahnbrücke zu den am stärksten befahrenen Verkehrsadern Berlins. Über die im Jahr 1963 errichteten Bauwerke rollen täglich mehr als 90.000 Fahrzeuge. Das ist zu heutiger Zeit deutlich weit mehr, als ursprünglich vorgesehen. Nachdem an der Ringbahnbrücke ein Riss im Tragwerk entdeckt wurde, erfolgte die sofortige Sperrung und der Beschluss zum Abriss. Aufgrund der engen Verflechtung der beiden Bauwerke und der Dringlichkeit entschieden die Behörden, auch die Westendbrücke zurückzubauen. „Da der Bahnausfall teuer und für Reisende nervig ist und das Schadensausmaß auch an der etwa einen Kilometer entfernten Westendbrücke erheblich war, lag es auf der Hand, auch gleich die Westendbrücke abreißen zu lassen“, erläutert Sebastian Krohn, Projektingenieur bei der Deges.
Genehmigungen im Eiltempo und komplexe Abbruchplanung bei Spannbeton
Normalerweise vergehen mehrere Wochen, bis Schwertransporte für Großgeräte genehmigt sind. Beim Abriss der Westendbrücke jedoch lief alles anders. „Bei uns war der Bagger am nächsten Tag da“, berichtet RWG-Geschäftsführer Oliver Schumacher. Möglich wurde das durch die enge Zusammenarbeit mit den Behörden, die angesichts der Dringlichkeit sämtliche Anträge in Rekordzeit bearbeiteten. So waren Lärmschutz, Nachtarbeit und Transportgenehmigungen innerhalb weniger Tage erteilt.
Die besondere Bauweise der Westendbrücke stellte das Team vor zusätzliche Herausforderungen. „Die Westendbrücke zum Beispiel hat nur einen Festpunkt; alles andere sind Pendelstützen“, erklärt Krohn. „Das heißt, die Brücke kann während des Baggereingriffs theoretisch nach allen Seiten kippen.“ Um Risiken zu vermeiden, musste die Reihenfolge der Abbruchschritte exakt geplant und koordiniert werden.
Schutz der Gleise und zusätzliche Hürden: Asbest und Stellwerk
Bevor die eigentlichen Rückbauarbeiten beginnen konnten, war ein aufwendiger Schutz der Gleisanlagen erforderlich. Innerhalb kürzester Zeit wurden fast 13.500 Kubikmeter Schottertragschicht angeliefert, um die Bahninfrastruktur abzusichern. In Spitzenzeiten waren bis zu 50 Fachkräfte gleichzeitig im Einsatz, um auf rund 4.000 Quadratmetern Vlies und Schutzlagen einzubauen.
Trotz der engen Zeitvorgaben musste das Team zusätzliche Aufgaben schultern. Beim Rückbau wurde Asbest entdeckt, der als Gefahrstoff aufwendig gesichert und entsorgt werden musste. Außerdem kam ein altes Stellwerk der Bahn hinzu, das ebenfalls abgerissen werden sollte. Dennoch blieb der ambitionierte Zeitplan bestehen.
Urban Mining und vorbildliches Zusammenspiel aller Beteiligten
Bemerkenswert ist nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Nachhaltigkeit: Fast alle Materialien werden recycelt und wiederverwendet. „In unserem Fall liegen wir bei 99 Prozent“, betont Schumacher mit Blick auf die Recyclingquote. Der anfallende Bauschutt wurde vollständig aufbereitet und als Sekundärrohstoff in die Kreislaufwirtschaft zurückgeführt. Schadstoffe wie Asbest wurden konsequent ausgeschleust und fachgerecht entsorgt.
Am 28. April konnte die Bahn den Betrieb planmäßig wieder aufnehmen. Für Krohn und Schumacher steht fest: Die Kombination aus Teamgeist, Sachverstand und Professionalität war entscheidend. „Das Projekt zeigt, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen“, fasst Schumacher zusammen. „Die Einsatzbereitschaft aller am Projekt Beteiligten war einzigartig.“


















Geht doch!