Steigende Baupreise: Warum Projekte kaum kalkulierbar sind

Foto: halfpoint / envatoelements

Massive Energieverteuerungen, volatile Rohstoffmärkte und steigende Baupreise bringen Bauunternehmen zunehmend in eine wirtschaftliche Zwickmühle. Vor allem Diesel- und Bitumenpreise treiben die Kosten, und das in der Regel bei fixierten Angeboten. Die Bauwirtschaft warnt, dass die kurzfristigen und massiven Preissteigerungen für die Bauunternehmen nicht mehr planbar seien. Um dagegen Bauprojekte wieder kalkulierbar und wirtschaftlich umsetzbar zu machen, seien flexible Preisgleitklauseln dringend erforderlich.

Explodierende Energie- und Materialpreise bringen den Baumittelstand zunehmend in Bedrängnis. Insbesondere die drastischen Verteuerungen bei Diesel und Bitumen erschweren die Kalkulation von Bauprojekten massiv und gefährden die wirtschaftliche Stabilität vieler Unternehmen. Auslöser der aktuellen Entwicklung sind im Wesentlichen die geopolitischen Krisen, die die Märkte für Energie und Rohstoffe massiv unter Druck setzen. Für Bauunternehmen bedeutet das: Angebote werden auf einer Kostenbasis erstellt, die sich innerhalb kürzester Zeit drastisch verändern kann. Nachträgliche Anpassungen sind jedoch in vielen Fällen nicht möglich. „Für die Unternehmen sind die kurzfristigen und massiven Preissteigerungen nicht mehr planbar“, erklärt Michael Gilka, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB). Der Verband fordert deshalb dringend verlässliche und praxisnahe Preisanpassungsmechanismen, um die Risiken aus volatilen Märkten besser abfedern zu können.

Kostenexplosion trifft besonders den Asphaltbau

Die Auswirkungen zeigen sich besonders deutlich im Straßenbau. Asphaltmischgut, dessen Herstellung stark von Bitumen als Erdölprodukt abhängt, ist erheblich teurer geworden. Preissteigerungen von bis zu 30 Prozent sind laut BVMB keine Seltenheit. Gleichzeitig drohen Versorgungsengpässe, die Projekte zusätzlich verzögern könnten. Für Bauunternehmen entsteht so eine doppelte Belastung: steigende Einkaufspreise bei gleichzeitig fixierten Angebotspreisen.

Hinzu kommt, dass selbst politische Entlastungsmaßnahmen bislang kaum ausreichen. Zwar wird die temporäre Senkung der Energiesteuer als Schritt in die richtige Richtung bewertet, doch angesichts hoher Steueranteile und weiter steigender Transport- und Produktionskosten bleibt die Wirkung begrenzt. Viele Betriebe sehen sich gezwungen, Mehrkosten eigenständig zu tragen. Das hat direkte Auswirkungen auf Margen und Liquidität.

Forderung nach flexiblen Preisanpassungen mit Preisgleitklauseln

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Diskussion um Preisgleitklauseln neue Dynamik. Die BVMB fordert eine grundlegende Reform der bestehenden Regelungen, die bislang als zu kompliziert und bürokratisch gelten. Ziel sei eine flexiblere Handhabung bei öffentlichen Bauaufträgen sowie mehr Spielraum für individuelle Vereinbarungen zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern. „Diese außergewöhnliche Situation sowie die zentrale Bedeutung der Bauwirtschaft für unsere Gesellschaft sollten die Politik dringend dazu veranlassen, für bessere Rahmenbedingungen zu sorgen“, betont Gilka. Konkret fordert der Verband eine dauerhafte und praxisnahe Preisgleitung, die zentrale Kostenfaktoren wie Löhne, Geräte und Baustoffe berücksichtigt. In vielen europäischen Ländern sind solche Mechanismen längst Standard. Dort greifen automatische Preisanpassungen bereits bei vergleichsweise kurzen Bauzeiten.

Steigende Baupreise: Deutschland im europäischen Vergleich im Rückstand

Während Staaten wie Frankreich oder Belgien bereits ab drei Monaten Vertragslaufzeit verpflichtende Preisgleitungen vorsehen, hinkt Deutschland hinterher. Auch in Österreich, Spanien oder den Niederlanden gehören flexible Preisanpassungen längst zur gängigen Praxis. Hierzulande hingegen werden entsprechende Instrumente nur selten genutzt. Gerade für kleine und mittelständische Bauunternehmen stellt dies ein erhebliches Risiko dar. Die Kombination aus volatilen Märkten und starren Vertragsbedingungen gefährdet zunehmend die wirtschaftliche Umsetzung von Bauprojekten. Ohne strukturelle Anpassungen droht sich diese Entwicklung weiter zu verschärfen, was spürbare Folgen für die gesamte Bauwirtschaft hätte.

Sind Bauprojekte ohne Preisgleitklauseln noch wirtschaftlich machbar?

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