Im deutschen Handwerk erreicht der Krankenstand im vergangenen Jahr neue Höchstwerte. Wie in den Vorjahren ist dabei das Bau- und Ausbaugewerbe besonders stark betroffen. Insgesamt hat sich demnach die Zahl der Atemwegserkrankungen und Corona-Fälle verdoppelt, was auf die Lockerungen der Hygieneregeln zurückzuführen ist. Allerdings ist die durchschnittliche Krankheitsdauer zurückgegangen, weil Atemwegsinfekte nicht so langwierig sind. Langzeiterkrankungen sind dagegen rückläufig.
Der Krankenstand erreichte im deutschen Handwerk im letzten Jahr mit 6,9 Prozent einen Höchststand. Die Quote lag somit 1,4 Prozentpunkte über dem Vorjahr. Da waren es nur 5,5 Prozent. Insgesamt waren 71,6 Prozent der handwerklichen Beschäftigten für mindestens einen Tag krankgeschrieben. Somit stieg auch die Arbeitsunfähigkeitsquote um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das sind die neusten Zahlen der Fehlzeitenanalyse der IKK classic. Ausgewertet wurden die Zahlen von 450.000 Beschäftigten aus dem Handwerk, die einen Krankengeldanspruch haben. Dagegen ist die Krankheitsdauer von 17,3 Tagen auf 13,6 Tage gesunken. Ebenfalls verringert haben sich die Langzeiterkrankungen von 56,3 Prozent auf 46,1 Prozent.
Atemwegserkrankungen sind stark angestiegen
Zum ersten Mal landeten Atemwegserkrankungen auf dem zweiten Platz bei den am häufigsten auftretenden Krankheitsursachen. Mit 22,4 Prozent hat sich ihr Anteil verdoppelt. Im Jahr 2021 waren es noch 11,2 Prozent. Fehlzeiten wegen Corona sind darin nicht enthalten. Eine Covid-Erkrankung war für 10,2 Prozent der Krankheitstage im Handwerk verantwortlich. Beim Nichthandwerk waren es 11,6 Prozent. „Im Handwerk zeigt sich eine Entwicklung, die wir im vergangenen Jahr auch in anderen Branchen beobachten konnten“, erklärt Juliane Mentz, Pressesprecherin der IKK classic. „Besonders auffällig ist der starke Anstieg der Atemwegserkrankungen, der vermutlich auf die Lockerung der Hygiene-Regelungen und die Normalisierung der Arbeitswelt zurückzuführen ist.” Auf Platz eins der krankheitsbedingten Fehlzeiten lagen Muskel- und Gelenkerkrankungen. Hier waren es 29,6 Prozent. Im Jahr davor lag der Krankenstand noch bei 35,6 Prozent. Verletzungen und Vergiftungen sind zu 14,2 Prozent für Krankmeldungen verantwortlich. Die Zahl der Betroffenen, die sich aufgrund psychischen Krankheiten im Krankenstand befanden, lag bei 12,8 Prozent. Trotzdem ist der Krankenstand bei den psychisch Kranken im Handwerk von 2,8 auf 3,3 Arbeitsunfähigkeitstage gestiegen. Mentz macht deutlich, dass Beschäftigte im Handwerk von psychischen Erkrankungen weniger betroffen seien, als die Beschäftigten in anderen Wirtschaftszweigen. Gezeigt habe sich auch, dass Handwerkerinnen und Handwerker insgesamt zufriedener in ihrem Beruf seien, als der Bevölkerungsdurchschnitt.
Unterschiedlicher Krankenstand je nach Gewerbe und Region
Mit einem Krankenstand von 7,8 Prozent war das Bau- und Ausbaugewerbe erneut besonders stark betroffen. Den niedrigsten Krankenstand hatte das Gewerbe Körperpflege und Reinigung.

















