Trotz Wirtschaftskrise: Rechnungen am Bau schneller bezahlt

Foto: olgaseleznevaphoto / envatoelements

Die Bauwirtschaft verzeichnet im Jahr 2025 entgegen dem allgemeinen Trend kürzere Zahlungsziele und deutlich gesunkene offene Rechnungsbeträge. Andere Branchen müssen deutlich längere Fristen hinnehmen. Gleichzeitig meldet Creditreform für die Baubranche eine schnellere Begleichung offener Posten bei zugleich geringeren Ausfallrisiken. Dennoch setzen wirtschaftliche Unsicherheit und verkürzte Fristen vor allem kleinere Betriebe unter Druck – eine Entwicklung, die die Liquiditätsplanung am Bau zunehmend herausfordert.

Die wirtschaftliche Krise hinterlässt deutliche Spuren im Zahlungsverhalten deutscher Unternehmen. Während sich die Zahlungsziele im B2B-Geschäft im ersten Halbjahr 2025 erneut verlängerten, gingen Verzugsdauer und offenes Forderungsvolumen spürbar zurück. Laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform liegt das durchschnittliche Zahlungsziel inzwischen bei 31,46 Tagen – vor zwei Jahren waren es noch 29,93 Tage. Besonders auffällig: Rechnungen von Unternehmen der Bauwirtschaft werden aktuell schneller beglichen als im Vorjahr, während andere Branchen mit längeren Fristen kämpfen. Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung sind verstärkte Bonitätsprüfungen und ein strengeres Risikomanagement. „Viele Lieferanten und Dienstleister sehen sich nach mehr als zwei Jahren Krise gezwungen, ihren Kunden entgegenzukommen und längere Zahlungsfristen zu gewähren“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. „Insbesondere große und marktmächtige Abnehmer dürften derzeit Druck auf ihre Lieferanten ausüben.“ Dennoch verkürzte sich die durchschnittliche Verzugsdauer auf 7,89 Tage, der niedrigste Wert seit einem Jahrzehnt.

Baugewerbe mit kürzeren Fristen, aber sinkenden Beträgen

Im Baugewerbe wurden Zahlungsziele zuletzt leicht reduziert. Mit durchschnittlich 28,48 Tagen liegen sie unter dem branchenübergreifenden Mittelwert und haben sich im Vergleich zum Vorjahr verkürzt. Gleichzeitig sank der Wert verspätet beglichener Rechnungen am Bau auf 915 Euro. Das entspricht einem Rückgang um fast zwei Drittel gegenüber des vergangenen Jahres 2024. Damit gehört die Branche zu den Bereichen mit den niedrigsten offenen Beträgen. Die geringeren Volumina spiegeln gleichzeitig die verhaltene Auftragslage wider, reduzieren aber zugleich das Risiko großer Zahlungsausfälle.

Großunternehmen profitieren, kleine Betriebe unter Druck

Während kleine Unternehmen im Schnitt nur noch 26,19 Tage Zahlungsfrist erhalten, genießen Großunternehmen mit über 250 Beschäftigten nun durchschnittlich 33,97 Tage – fast einen Tag mehr als im Vorjahreszeitraum. Jörg Urbscheit, Analyst im Debitorenregister Deutschland (DRD), sieht darin eine klare Verschiebung: „Die zunehmende Differenzierung der Finanzierungskonditionen nach Kundengruppen – etwa hinsichtlich Unternehmensgröße oder Branche – erfordert derzeit aber eine erhöhte Aufmerksamkeit seitens der Lieferanten.“

Schnellerer Zahlungseingang senkt Risiken

Im Schnitt beglichen Unternehmen ihre Rechnungen im Jahr 2025 nach 39,35 Tagen. Das ist fast drei Tage schneller als noch vor einigen Jahren. Dieser Trend reduziert das Ausfallrisiko und verbessert die Liquidität der Gläubiger. Besonders stark verbessert hat sich das Zahlungsverhalten in der Konsumgüterindustrie und im Handel, während in der Chemiebranche und bei personenbezogenen Dienstleistungen teils längere Forderungslaufzeiten verzeichnet wurden. Für die Bauwirtschaft bedeutet die aktuelle Entwicklung ein zweischneidiges Szenario: Einerseits werden Rechnungen schneller bezahlt und in geringerer Höhe verspätet, was das Risiko mindert. Andererseits verschärfen kürzere Zahlungsziele und die wirtschaftliche Unsicherheit den Druck auf kleinere Betriebe, ihre Liquidität eng zu steuern.

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