Weniger DIY, mehr Aufträge: Handwerk profitiert jetzt

Foto: duallogic / envatoelements

Die Bereitschaft zu Do-It-Yourself in Europa sinkt deutlich. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach professionellen Handwerkerleistungen. Immer mehr Haushalte verzichten auf Eigenleistung und setzen bei Renovierungen auf Fachbetriebe, zudem steigen die Ausgaben pro Projekt spürbar. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe entsteht damit ein attraktiver Markt: weniger Aufträge insgesamt, aber höhere Umsätze und anspruchsvollere Projekte. Wer auf Qualität, Spezialisierung und Sanierung setzt, kann vom aktuellen Wandel nachhaltig profitieren.

Die europäische Heimwerkerkonjunktur ist spürbar eingebrochen. Doch genau daraus ergeben sich für das Handwerk neue Chancen. So zeigt eine aktuelle Verbraucherstudie von BauInfoConsult: Während immer weniger Haushalte selbst zu Werkzeug greifen, steigt gleichzeitig das Interesse, Arbeiten an professionelle Betriebe zu vergeben. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe entsteht damit ein attraktives Spannungsfeld zwischen rückläufiger Nachfrage insgesamt und steigenden Auftragsvolumina pro Projekt. Denn die Zahlen sind eindeutig: „Die Haushalte in Europa haben ihre Aktivitäten in den eigenen vier Wänden zum Jahresende deutlich reduziert.“ Gleichzeitig erreichte auch die klassische Do-it-yourself-Aktivität ein historisches Tief. Dennoch entwickelt sich das sogenannte Do-It-For-Me-Segment stabiler als erwartet, also die Vergabe an Handwerksbetriebe. Besonders auffällig ist dabei die Entwicklung der Projektbudgets. Trotz sinkender Gesamtaktivität geben Haushalte mehr Geld pro Renovierung aus. Diese Verschiebung deutet auf eine zunehmende Professionalisierung der Aufträge hin und stärkt die Rolle qualifizierter Fachbetriebe.

Weniger Renovierungsprojekte, aber höhere Umsätze

Die Studie zeigt, dass nur noch 34 Prozent der europäischen Haushalte Renovierungsmaßnahmen durchführen. Das ist ein historischer Tiefstand seit dem Jahr 2018. Dennoch steigen die durchschnittlichen Auftragsvolumen. So seien die Ausgaben für die Renovierungsarbeiten der Haushalte im vierten Quartal 2025 nochmals um fünf Prozent gegenüber den letzten drei Monaten aus dem Jahr 2024 gestiegen. Das bedeutet für Bauunternehmen einen schrumpfenden Markt in der Breite, jedoch einen Anstieg an Tiefe. Projekte werden komplexer, anspruchsvoller und damit auch margenstärker. Gleichzeitig sorgt das gestiegene Preisniveau dafür, dass Investitionsentscheidungen hinausgezögert werden. Das bleibt ein klassisches Risiko in konjunkturell schwachen Phasen.

Handwerk bleibt gefragt – trotz Unsicherheit

Interessant ist die Entwicklung der Auftragsbereitschaft. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten verbessert sich die Einschätzung zur Vergabe von Handwerkerleistungen deutlich. Der sogenannte Auftragssaldo hat sich spürbar verbessert und signalisiert steigenden Bedarf an professionellen Dienstleistungen. „Dennoch sind die Verbraucher stärker als zuvor daran interessiert, Handwerkeraufträge zu vergeben – und die Ausgaben pro Handwerkerprojekt sind sogar deutlich gestiegen.“ Für Betriebe im Bau- und Ausbaugewerbe eröffnet sich damit die Chance, sich gezielt auf hochwertige Leistungen und beratungsintensive Projekte zu positionieren.

Strategische Chancen für Bauunternehmen

Die aktuellen Marktdaten machen deutlich, dass das Wachstum weniger über Masse, sondern über Qualität entsteht. Wer als Handwerksbetrieb oder Bauunternehmen auf Spezialisierung, Energieeffizienz, Sanierungskompetenz und Komplettlösungen setzt, kann vom Strukturwandel profitieren. Gleichzeitig gewinnt die Kundenansprache an Bedeutung. Da viele Haushalte Investitionen als „ungünstig“ bewerten, sind Vertrauen, Transparenz und klare Kalkulation entscheidende Faktoren für die Auftragsvergabe. Damit zeigt die Entwicklung insgesamt einen klaren Trend: Weg vom klassischen Heimwerken, hin zu professionellen Dienstleistungen. Für die Bauwirtschaft ist das kein Rückschlag, sondern eine Chance zur Neupositionierung in einem anspruchsvolleren Marktumfeld.

Bricht der DIY-Trend endgültig weg und profitiert das Handwerk wirklich?

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