Kleinstbetriebe von Offenlegungspflicht befreien

Bild zu: Kleinstbetriebe von Offenlegungspflicht befreien
Foto: RainerSturm / pixelio.de

Jedes Unternehmen kennt sie – die deutsche Bürokratie. Dass bürokratische Prozesse durchaus sinnvoll sind, ist keinesfalls zu bestreiten. Außerdem helfen sie, eine gewisse Grundordnung zu schaffen. Dennoch verursacht zu viel Bürokratie gerade in kleinen Unternehmen eine große Belastung, der viele gar nicht mehr gewachsen sind. Um hier in Zukunft eine Entspannung zu bewirken, fordert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) einen angemesseneren Umgang mit solchen Prozessen.

In Deutschland gilt allgemein die Pflicht zur Offenlegung der Rechnungsunterlagen. In der Regel muss diese Offenlegung  spätestens ein Jahr nach Geschäftsjahresabschluss erfolgen. Sinn des Ganzen ist, dass Gläubiger und Gesellschafter ein klares Bild der wirtschaftlichen Umstände einer Firma erhalten sollen. Soweit, so gut und grundsätzlich auch absolut plausibel. Dennoch wird bei dieser Regel nicht zwischen großen und kleinen Unternehmen unterschieden. Genau das wäre aber notwendig.

Während der verwaltungstechnische Aufwand für die Offenlegung für große Betriebe sehr einfach abzuwickeln ist, stellt er doch für kleine Firmen eine echte Belastung dar. Ihnen ist es einfach nicht immer möglich, spätestens zum Stichtag alle Unterlagen vorzuweisen. In solchen Fällen schaltet sich dann sofort das Bundesamt für Justiz ein, welsches ein Ordnungsgeldverfahren eröffnet. Die Strafe ist mit einem Mindestordnungsgeld von 2.500 Euro unverhältnismäßig hoch. Darüber hinaus bleiben nur sechs Wochen Zeit, die nötigen Dokumente vorzuweisen und zwar ohne weitere Verlängerung.

Die Praxis zeigt, dass bei diesen Ordnungsgeldverfahren in 97 Prozent der Fälle stets kleine Unternehmen betroffen sind. Man muss zwar berücksichtigen, dass bei Einhaltung der Frist eine starke Reduzierung der Forderung – auf 10 Prozent des ursprünglichen Betrages – erfolgen kann. So kann sie unter Umständen dennoch existenzbedrohende Folgen nach sich ziehen.

Sehr kritisch betrachtet wird auch, dass keinerlei Gründe für die Verletzung der Fristen akzeptiert werden. Kann ein alleiniger Geschäftsführer beispielsweise krankheitsbedingt nicht rechtzeitig nach dem Jahresabschluss die Offenlegung vornehmen, so erfolgt sofort das Ordnungsgeldverfahren gegen ihn. Selbst die Neuerung, die festlegt, dass Kleinstkapitalgesellschaften ihre Bilanzen nur noch digital hinterlegen müssen, ändert nichts an der Abwicklung des Ordnungsgeldverfahrens.

Das Handwerk kann und will dieses Vorgehen nicht länger tolerieren und fordert daher, dass hier eine Anpassung notwendig ist. Im Jahr 2007 entschied man sich für die Offenlegungspflicht mit dem Ziel die Wettbewerbstransparenz zu erhöhen. Dass sich das heute nachteilig für kleinere und mittelständische Betriebe auswirkt, darf aber nicht sein. Letztlich darf das Interesse der Gläubiger und Gesellschafter nicht über das der Unternehmen selbst gestellt werden.

In Anlehnung an die EU-Micro-Richtlinie setzt sich das Handwerk dafür ein, dass Kleinstkapitalgesellschaften von der elektronischen  Offenlegung ihrer Bilanz befreit werden sollten. Außerdem sollten Ermessensspielräume geschaffen werden, die den Unternehmen etwas Luft lassen. Und auch die Mindesthöhe des Ordnungsgeldes von 2.500 EUR empfindet man als unverhältnismäßig.

Aktuelles Umfrage:
Was halten Sie von den Entlastungen der Kleinstbetriebe?

Kommentare

0 0 votes
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse 2024

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2024 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.