Bauschäden im Wohnungsbau: 85 Prozent wegen schlechter Planung

Bauschäden im Wohnungsbau 85 Prozent wegen schlechter Planung
Foto: Roland Riethmüller

In den letzten 20 Jahren sind die Schadenszahlen am Bau leicht rückläufig. Laut einer aktuellen Analyse der Bauschäden und Bauschadenkosten sind demnach die Schäden in den letzten fünf Jahren weiter zurückgegangen. Doch das kann trügerisch sein. Denn es kann davon ausgegangen werden, dass viele Schäden überhaupt noch nicht gemeldet wurden. Der Grund für die Bauschäden liegt oft auch in einer unzureichenden Planung.

Noch immer sind Bauschäden in der Bauwirtschaft an der Tagesordnung. Um das genaue Ausmaß abschätzen zu können, hat der Bauherren-Schutzbund (BSB) beim Institut für Bauforschung (IfB) die „Analyse der Entwicklung der Bauschäden und der Bauschadenkosten“ in Auftrag gegeben. Demnach sind die Zahlen der gemeldeten Schäden beim Bauen zwar rückläufig, doch kann sich das durchaus noch ändern. Denn viele Schäden wurden schlichtweg noch nicht gemeldet. So wurden in der Zeit der Jahre 2017 bis 2021 insgesamt 1.771 Schäden der AIA Versicherung gemeldet. Zwischen den Jahren 2012 bis 2016 waren es noch 2.004 Schadensmeldungen. In Bezug auf die steigende Bautätigkeit können jedoch Schäden noch nachgemeldet werden. BSB-Geschäftsführer Florian Becker erklärt: „Es muss davon ausgegangen werden, dass in den letzten Jahren noch viele Schäden, die bisher noch nicht gemeldet wurden, hinzukommen werden.“

Entwicklung der Bauschäden

Die Entwicklung der Schadensstellen verteilt sich zu fast zwei Drittel auf die klassischen Bereiche. Darunter fallen vor allem die Bauteile der Konstruktion, wie bei Dach- und Geschossdecken, bei Fußböden und bei Wänden. Auch die Schadenbilder sprechen eine klare Sprache. Bei rund 80 Prozent handelt es sich um typische Schäden, wie zum Beispiel Feuchtigkeitsschäden, Rissbildungen oder nicht vorschriftsmäßig erbrachte Leistungen. Die Schadenbilder und die Schadensstellen belegen, dass es immer häufiger vorkommt, dass mehrere Bauteile betroffen sind oder dass eine eindeutige Zuordnung bei der Schadensmeldung überhaupt noch nicht möglich ist. „Die Ergebnisse verdeutlichen, wie komplex der Hausbau geworden ist und wie sensibel die Gebäude auf Baufehler regieren“, so Becker.

Schlechte Planung ist der häufigste Grund für Bauschäden

Der Bauschadenbericht stellt ebenfalls fest, dass 85 Prozent der untersuchten Bauschäden auf eine unzureichende Planung zurückzuführen sind. Die mangelhafte Bauleitung und Bauüberwachung spielen dabei ebenfalls eine große Rolle. Bei komplexen Bauten wird daher laut Becker eine unabhängige Baukontrolle immer wichtiger. Qualifizierte Sachverständige überprüfen dabei im Auftrag des Bauherren die Bauausführung unabhängig zur Bauleitung. Damit sinkt gleichzeitig das Risiko von Bauschäden. Die Entwicklung zeigt auch, dass die Bauschadenskosten in der Zeit der Jahre 2002 bis 2016 zugenommen hat. Besonders die komplexen Schäden, die nicht so schnell bestimmt werden können, weisen hohe Summen bei den Bauschäden auf.

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Schäden und Wertverluste

ungeachtet dessen, muss man bedenken, das der überwiegende Teil von Neubauten, eher einem Altbau entsprechen. Die Projekte wurden zwischen 3-5 Jahre vorher geplant. Ein massiver Wertverlust ist auch ohne Taxonomie absehbar:

Wohnhäuser als auch jedes andere Gebäude, müssen aus Gründen der CO2 Einsparung auf 100 jährige Nutzung geplant werden. Auch sollte zu minderst die Resilienz, voll ausgeschöpft werden.  Mieten und Allgemeinkosten, sollten in einem Grundpaket Inklusive werden. Der Wettbewerb muss sich verstärkt um Wohnungen konzentrieren, die leistbar sind. Billig war gestern. Wettbewerbe Richtung Null_Energie, die Zukunft der Immobilie.

Bauschäden

Schon früher waren die Werte der HOAI nicht mehr auskömmlich. Nachdem die EU  die Mindestsätze der HOAI aufgehoben und willentlich den ruinösen Preiskampf eingeleitet hat, ist eine auskömmliche Planung schon nicht mehr möglich. Wie bei allem geht es dann auf Kosten der Qualität. Da werden dann in den Büros junge Architektinnen und Architekten mit indiskutablem Gehältern durch die Projekte gejagt. Nicht selten werden diese Planungen nicht richtig geprüft. Ich habe in dem Zusammenhang schon Pläne auch namhafter Büros gesehen, für die ich zu meiner Studentenzeit hochkant rausgeflogen wäre.

Man schaue sich dazu auch die Honorare für die Objektüberwachung an, dann teile man diese durch einen einigermaßen vernünftigen Stundensatz ( auskömmlich, wenns geht), dann sehen wir wieviele Stunden für die Baustelle bleiben ( Backoffice, E-Mail Verkehr – Rechnungsprüfung etc.pp nicht vergessen)

Aber nun ist es so, wie gewollt/bestellt, so wird geliefert.

Merke: Nicht die billigste Blinddarm OP ist die Beste!

Nun nachdem man den Karren so richtig in die Baugrube versenkt hat, kommt man im Ministerium auf die rettende Idee: Modulares Bauen! Stahlrahmenkisten mit Dämmstoff gefüllt, mit Folie abgedichtet sollen nun Wohnraum schaffen. Wofür hat man eine Bauphysik – Prüfung gemacht? Baukultur?

Also nicht jammern und ausschließlich auf die fehlerhafte Planung hinweisen. Selbst gewählt.

MFG Rothenpieler Dipl.Ing. BDB Architekt

 

Bauschäden

in meiner Tätigkeit als Bausachverständiger häufen sich in den letzten Jahren die Bauschäden auch verursacht durch schlecht  oder garnicht ausgebildete Bauwerker. Auch schlampige Planung häuft sich. Eine unabhängige Bauübereachung könnte hier Abhilfe schsffen.

Klaus Hosemann

 

 

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