Zur Entlastung der Arbeitskräfte kommen zunehmend Exoskelette zum Einsatz. Doch sind diese im Baugewerbe wirklich eine Entlastung oder eher ein Hindernis? Eine neue Studie bestätigt, dass die innovative Technologie nicht immer den gewünschten Effekt hat. Demnach bewähren sich Exoskelette besonders bei gleichmäßigen Arbeitsabläufen und Überkopfarbeiten. In anderen Bereichen könnten sie dagegen eher als störend empfunden werden. Trotzdem leisten Exoskelette angesichts des Fachkräftemangels und der steigenden körperlichen Belastungen einen sinnvollen Beitrag.
Körperlich harte Arbeit ist für den Menschen auf Dauer ungesund. Rückenbeschwerden, Erkrankungen an Gelenken oder Probleme mit der Muskulatur sind oft die Folge. Exoskelette werden immer bezahlbarer und versprechen Abhilfe. Denn diese Technologie soll den Körper bei harter oder ungesunder Arbeit entlasten. Ob das auch tatsächlich zutrifft, hat das Institut für Innovation und Industrie Management der TU Graz im Projekt ExoFitStyria untersucht. Das Ergebnis überrascht, denn nicht immer ist das Exoskelett hilfreich. Manchmal ist es sogar eher ein Hindernis. „Je gleichmäßiger meine Arbeitsabläufe sind und je standardisierter die Tätigkeit ist, desto besser fällt sowohl objektiv als auch subjektiv die Unterstützung durch ein Exoskelett aus“, erklärt Matthias Wolf, Assistenzprofessor und Leiter der Arbeitsgruppe Industrie Management. „Das gilt besonders, wenn meine Haupttätigkeit nur selten von Nebentätigkeiten unterbrochen wird.“ Für die Untersuchung wurden passive Exoskelette eingesetzt. Diese sind mit Federn und Dämpfern ausgestattet. Im Gegensatz zu den aktiven Exoskeletten mit Elektromotoren sind diese deutlich leichter und handlicher. Der Kaufpreis ist ebenfalls geringer, sodass sie für kleine und mittelständische Unternehmen besser geeignet sind.
Besonders sinnvoll bei Arbeiten über Kopf
Die besten Ergebnisse erzielten die Exoskelette demnach bei Malerarbeiten über Kopf mit Schulter- oder Rückenunterstützung. Ebenfalls gut abgeschnitten haben Exoskelette bei standardisierte Metall- und Metallschneidearbeiten, Siloschweißen sowie Lagerarbeiten. Schlecht waren die Ergebnisse dagegen bei einfachen Lagerarbeiten mit großem Bewegungsradius. Hinzu kommt, dass bei längeren Wegen die Fortbewegung erschwert wird. Doch ein ständiges Aus- und wieder Anziehen kostet sehr viel Zeit. Tätigkeiten, die in einem größeren Aktionsradius mit Rückenunterstützung erledigt wurden, landeten im Mittelfeld. Die Verbesserungen waren in dem Bereich nicht sonderlich groß. Hinzu kommt, dass mitunter die Akzeptanz der Exoskelette nicht überall gegeben ist. So kam es öfters vor, dass sich die Kollegen belustigt darüber geäußert haben.
Fachkräftemangel erhöht die Relevanz der Exoskelette
Doch trotz aller Bedenken können Exoskelette dazu beitragen, bei bestimmten Arbeiten die Gesundheit der Facharbeiter zu schonen. Die Forscher sehen angesichts des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung eine zunehmende Relevanz der Exoskelette. Davon können sich Betriebe bald im ExoLab der TU Graz überzeugen und die Exoskelette direkt im Einsatz testen.

















