Freiwilliges Handwerksjahr: Neue Chance gegen Fachkräftemangel

Foto: Roland Riethmüller

Ein innovatives Modell zur Berufsorientierung im Handwerk erhält bundespolitischen Rückenwind: Das Freiwillige Handwerksjahr, entwickelt in Baden-Württemberg, wurde in den Koalitionsvertrag der Bundesregierung aufgenommen. Ziel ist es, Schulabgänger durch gezielte Praxiseinsätze für handwerkliche Berufe zu begeistern und langfristig als Fachkräfte zu gewinnen. Dabei lernen die Jugendlichen in bezahlten Langzeitpraktika den Berufsalltag in bis zu vier Handwerksbetrieben kennen. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe entsteht eine neue, praxisnahe Möglichkeit zur Nachwuchsgewinnung – niedrigschwellig, effektiv und zukunftsorientiert.

Die Ursprünge des neuen Konzepts liegen im mittelständischen Elektrobetrieb Elektro Breitling aus Holzgerlingen. In dem fortschrittlichen Betrieb erhalten junge Menschen seit dem Jahr 2021 die Möglichkeit, sich ein Jahr lang im Handwerk zu erproben. Inzwischen ist das Modell in Schleswig-Holstein durch die Firma Held Isolier-Technik und die Handwerkskammer Lübeck weiterentwickelt worden. Dort absolvieren Teilnehmende vier aufeinanderfolgende Langzeitpraktika in unterschiedlichen Betrieben. Ziel ist eine fundierte Berufswahl mit echten Einblicken in die Vielfalt des Handwerks.

Freiwilliges Handwerksjahr als Win-win-Modell für Betriebe und Berufseinsteiger

Das Interesse der Branche ist groß. „Mit dem Freiwilligen Handwerksjahr machen wir ein modernes Angebot für eine Zukunft im Handwerk“, betont Jörg Veit, Geschäftsführer Personal der EB-Gruppe und Initiator des Projekts. Auch Thomas Wagner von der Kreishandwerkerschaft Böblingen sieht darin eine Win-win-Situation: „Das ist für junge Menschen eine großartige Möglichkeit, eine fundierte Berufswahl treffen zu können – alles steht offen, von der Tischlerei über das Bäckerhandwerk bis hin zur digitalen Gebäudetechnik.“ In Böblingen startet das Programm im Sommer 2025 mit dem klaren Ziel, engagierte Teilnehmende im Anschluss in eine Ausbildung zu übernehmen. Bereits jetzt berichten die beteiligten Betriebe von positiven Erfahrungen und einer hohen Motivation unter den Jugendlichen. Für Handwerksunternehmen entsteht so eine neue Möglichkeit zur Nachwuchsgewinnung – praxisnah, niedrigschwellig und bedarfsgerecht.

Bundesweite Einführung als Chance für das Handwerk der Zukunft

Die Aufnahme in den Koalitionsvertrag gilt als Meilenstein. „Wir freuen uns sehr, dass die künftige Bundesregierung den Mehrwert des Freiwilligen Handwerksjahrs erkannt und es in den Koalitionsvertrag aufgenommen hat“, erklärt Patrick Wolf, Geschäftsführer Bildung und Arbeit bei Handwerk BW, und sieht darin eine entscheidende Weichenstellung. Nun gelte es, bundeseinheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um das Modell flächendeckend auszurollen. Dabei könnte die Kombination aus echter Praxiserfahrung, fairer Vergütung und einer strukturierten beruflichen Orientierung das Freiwillige Handwerksjahr zu einem zentralen Baustein gegen den Fachkräftemangel machen. Handwerksbetriebe sind gut beraten, die Chance frühzeitig zu nutzen – denn der Wettbewerb um Nachwuchs wird weiter zunehmen.

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