Negativtrend hält an: Baugenehmigungen immer noch rückläufig

Foto: astrakanimages / envatoelements

Seit Frühjahr 2022 gehen die Baugenehmigungszahlen in Deutschland immer weiter zurück. Aufgrund der ständig wachsenden Bevölkerungszahlen, bedingt auch durch die Einwanderung, herrscht Mangel an Wohnraum. Hinzu kommt, dass die Baumaßnahmen durch staatliche Vorgaben nicht nur verteuert, sondern auch verzögert und sogar verhindert werden. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt spitzt sich wegen der mangelnden Baugenehmigungen zu.

In Deutschland gehen die Baugenehmigungszahlen seit Mai 2022 immer weiter zurück. Teilweise liegen die Werte sogar im zweistelligen Bereich. Demgegenüber ist die Zahl der Bevölkerung um 3,7 Millionen Menschen angestiegen. „Wenn wir also nicht schnellstens die Trendwende einläuten, wird die Wohnungsnot das beherrschende Thema im Bundestagswahljahr 2025.“ Mit diesen Worten kommentiert der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Tim Oliver Müller, die vom Statistischen Bundesamt bekanntgegebenen Genehmigungszahlen für den April 2024. Demnach wurde das Niveau aus dem Vormonat um insgesamt rund 17.600 Wohnungen unterschritten.

Fehlende Baugenehmigungen – Die Bauwirtschaft braucht mehr Freiräume

Die Bauwirtschaft braucht mehr Freiräume, um den Bedarf an Wohnungen zu decken. Die überbordende Regulierung des Bauens durch staatliche Vorgaben und Hemmnisse schränkt das Baugewerbe ein. Gleichzeitig verzögert es Baumaßnahmen, macht es unnötig teuer oder verhindert es sogar. „Wir als Bauindustrie stehen bereit, unseren Beitrag zu leisten und Bauprozesse durch Digitalisierung und industrielle Verfahren zu optimieren“, erklärt Müller. „Nur so können Skaleneffekte erreicht und dadurch schneller und kosteneffizienter gebaut werden. Wir sind dabei aber dringend auf die Unterstützung der öffentlichen Hand angewiesen, die die aufgelisteten Hemmnisse abbauen muss.“ Auch Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) nimmt jede Hoffnung auf ein baldiges Ende der Wohnungsbaukrise. „Im April verzeichnen wir gegenüber dem schlechten Vorjahresmonat einen weiteren Rückgang der Baugenehmigungen um dramatische 17 Prozent“, so Pakleppa.

Fehlende Baugenehmigungen sind die bittere Realität

Es lässt sich nicht leugnen, denn die Wohnungsnot in Deutschland verschärft sich. Werden heute keine Wohnungen gebaut, dann fehlen sie morgen. Eigentlich müssten schon jetzt Hunderttausende Wohneinheiten zusätzlich gebaut werden. Dabei hat es die Politik in der Hand, dass mehr Wohnungen gebaut werden. Man kann Bauen einfacher und damit günstiger machen. Außerdem sind die Anforderungen für Baugenehmigungen zu hoch.

Geschäftsklimaindex im Wohnungsbau ist gestiegen

Der Geschäftsklimaindex im Wohnungsbau ist zwar leicht von minus 52,3 auf minus 46,4 Punkte gestiegen, trotzdem herrscht bei der Mehrheit der Firmen Skepsis. „Die Wohnungsbauer hoffen, die Talsohle hinter sich gelassen zu haben“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Der Weg zur Erholung ist aber noch lang.“ Das große Problem ist immer noch der Auftragsmangel. Bei den Stornierungen gibt es zwar einen Rückgang, aber immer noch keine Entwarnung. Im Tiefbau hat sich das Geschäftsklima erholt. Mit minus 6,7 Punkten gegenüber minus 10,2 Punkten im April hat sich das Klima ein wenig erholt.

Rückläufige Baugenehmigungen – Die Lage verschärft sich

Fest steht, dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt aufgrund der rückläufigen Baugenehmigungen drastisch verschlechtert hat. Insgesamt fehlen 372.600 neue Wohnungen bundesweit. Allein in Baden-Württemberg fehlen 53.100 neue Wohnungen. Fertiggestellt wurden in 2023 nur 38.400 Wohnungen. Die Schere zwischen Baubedarf und Fertigstellungen wird sich noch weiter öffnen. Denn die Wohnbaugenehmigungen sind in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr um mehr als 30 Prozent eingebrochen – keine guten Aussichten für das Baujahr 2024″, warnt Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

Besonders dramatisch ist die Lage in Großstädten

Besonders dramatisch ist die Lage in Großstädten. „Wir fordern die Landesregierung dringend auf, die Grunderwerbsteuer zügig zu senken und die Landesmittel für den sozialen Wohnungsbau deutlich aufzustocken“, erklärt Möller. „Andere Bundesländer wie Bayern und Hessen haben es bereits vorgemacht. Darüber hinaus müssen sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene die ausufernde Bürokratie und die zahlreichen Vorschriften, die das Bauen behindern und verteuern, umfassend abgebaut werden.“

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